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Die Surrogates werden Wirklichkeit – mit Filmprofis am Drehort
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SURROGATES markiert für Regisseur Mostow, der aus Connecticut stammt, eine Art Heimkehr, hatte er doch vor 25 Jahren die Harvard-Universität abgeschlossen. Sein Film spielt in und um Boston, u. a. im Leather District, im Financial District, im South End, in Chesnut Hill und in Cambridge, Heim seiner Alma Mater. Obendrein drehte er in Vororten wie Worcester, richtete das FBI-Hauptquartier dort im ehemaligen, inzwischen geschlossenen Gerichtsgebäude ein, während das Dever State Hospital, die ehemalige Nervenheilanstalt in Taunton, als „The Reservation“, das Hauptquartier des „Propheten“ diente. In Hopedale wiederum, in der ehemaligen Draper-Mill-Weberei, wurden einige der Actionhöhepunkte von SURROGATES realisiert. Produzent Hoberman dazu: „Für Filmemacher ist Boston interessant, weil es dort historische Bausubstanz gibt; Gebäude, die in klassischer amerikanischer Ziegelbauweise errichtet wurden, die gut zur modernen Glasarchitektur passen. Was in Boston besonders ins Auge sticht, ist dieser Stilmix, der dort sehr schön harmoniert. Das ist auch für unsere Geschichte gut, denn sie spielt nicht nur in der nahen Zukunft, sondern auch in der Gegenwart. Das haben wir uns zunutze gemacht.“

Um diese Welt zu erschaffen, versicherte sich Mostow der Mitarbeit verdienter Veteranen der Filmindustrie, damit diese sowohl den technischen Aspekt der Geschichte als auch ihren humanitären entsprechend herausstellten. Fürs Produktionsdesign waren Jeff Mann und sein Team verantwortlich, für die Ausstattung Fainche MacCarthy. „Eine Sache, die mir bei diesem Film besonders gefiel, waren die vielen Sets und Drehorte, die wir einbauten“, erläutert Mostow. „Bevor wir uns entschieden, wie wir vorgehen würden, verbrachten wir sechs Monate damit, geeignete Drehorte zu finden. Wir diskutierten, wie wir unsere Gebäude errichten und ausstatten sollten. Wir stellten
sicher, dass unser Look im Endeffekt auch logisch sein würde. Jeff Mann und ich gingen wirklich ins Detail und als wir dann wussten, was wir wollten, hatten wir das Glück, viele talentierte Leute zu finden, die unsere Vorstellungen umsetzten.“

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„Unsere Welt ist interessant, spannend und auch überaus spürbar bzw. greifbar“, sagt Mann. „Die Vorlage, die Graphic Novel, ist sehr düster, stimmungsvoll, und die Story spielt in einer futuristischen Umgebung. Der Film ist praktisch in einer Art Parallelwelt angesiedelt. Die ’Surrogates’-Technologie ist sehr fortschrittlich, sehr modern. Aber man darf nicht vergessen, dass diese Roboter von Menschen bedient werden, was uns in die Realität zurückbringt.“ Mann entwarf mehrere große Gebäude für den Film, u. a. auch die DMZ (demilitarised zone = entmilitarisierte Zone), in der die Menschen leben, die mit dem technischen Fortschritt nichts zu tun haben wollen und dort isoliert und ohne ’Surrogates’ ihr Leben führen.“

Eine der zentralen Action-Szenen spielt inmitten eines riesigen Haufens verrotteter, rostiger Schiffscontainer, die aufeinandergeschichtet sind wie nach einem gewaltigen Erdbeben. Diese postapokalyptische Landschaft liegt auf dem Gelände einer Fabrik, die vor drei Dekaden aufgegeben wurde, und bildet den Lebensraum für eine Gesellschaft, die laut Mann ein überaus „trostloses“ Dasein fristet. „DMZ ist ein Slum, der vor Müll überquillt“, sagt Mann. „Dieses Gebiet dient den Outsidern als wirtschaftliche Grundlage, als Arbeitsort, sie recyclen dort u. a. Kupferdraht. Den brauchen sie, um mit der ’Surrogates’-Welt Handel treiben zu können. Nur so ist für sie ein Überleben möglich.“

„Dutzende ausgebrannter Fahrzeuge stehen herum, die die Menschen ausschlachten, um irgendwie zu überleben. Reservat und DMZ dienen dem Publikum als optische Widerparts zur modernen ’Surrogates’-Welt.“ Im krassen Gegensatz zu dieser Kulisse stand das Dever State Hospital, ein riesiger, verlassener Krankenhauskomplex im weit südlich gelegenen Vorort Taunton, der als Hauptquartier des „Propheten“ und seiner Anhänger diente. Dort lebt die Kommune des neuzeitlichen Messias, er selbst bewohnt einen alten Wohnwagen. „Die Menschen leben dort wie wir in den 30er und 40er Jahren“, sagt Hoberman. „Sie führen ein einfaches Leben und bauen ihr eigenes Obst und Gemüse an.“

„Man hat dort zwar immer noch ein urbanes Gefühl“, fügt Mann hinzu, „aber die Natur hat bereits wieder Einzug gehalten. Solarzellen zieren die Dächer, in Zisternen wird Regenwasser aufgefangen. Die Menschen haben kleine Gemüse-gärten angelegt, die wie öffentliche Grünflächen anmuten.“ Im Leather District von Boston wurden die Sets eingerichtet, wohin die ’Surrogates’ zum „Facelifting“ gehen, und in einer Stuhlfabrik entstand Maggies Schönheitssalon. „Maggie ist eine Kosmetikerin und Kosmetik meint in unserer Welt Technik“, sagt Rosamund Pike. „Mein Schönheitssalon gleicht eher einer Autowerkstatt. Wir arbeiten mit Sandstrahlgebläsen etc., wir bieten, wenn Sie so
wollen, industrielle Schönheit an.“ Fainche MacCarthys Truppe stattete den Set mit den entsprechenden Elektrowerkzeugen und Bandschleifern aus – und versah alle mit schicken rosafarbenen und blumengemusterten Griffen.

„Es gibt eine Szene, in der eine Frau zu Rosamund kommt, um sich ihr Gesicht ersetzen zu lassen“, erzählt Make-up-Künstler Howard Berger. „Wir bauten eine Kopie der Schauspielerin und versahen sie mit einem Gesicht, das man abziehen konnte. Es bestand aus extrem dünnem Silikon, das wir über einen künstlichen Schädel zogen, der am Torso des Modells befestigt war. So konnten wir der ‚Frau‘ das Gesicht quasi ohne Schnitt ’abziehen’. Mark Stetson von der Abteilung für visuelle Effekte hat da wirklich Großartiges geleistet.“

Eine weitere verblüffende und wirklich außergewöhnliche Schöpfung von Mann ist der so genannte „stim chair“, jener „Stuhl“, von dem aus der Mensch seinen ’Surrogate’
steuert. „Die ’stim chairs’ waren eine echte Herausforderung“, lacht Mann, „weil wir nicht wollten, dass sie zu sehr an Zahnarztstühle erinnern. So sieht er nun sehr bequem aus, wie ein Klubsessel. Darin wird man dann verdrahtet und steuert so sein Alter Ego.“ „Wir wollten von Anfang an, dass der hochtechnische ’stim chair’ sehr komfortabel aussieht“, sagt Mostow. „Man sollte als Zuschauer nicht das Gefühl haben, dass er in irgendeiner Weise unbequem ist. Es sollte nicht wirken, als würden sich auf ihm klaustrophobische Gefühle entwickeln. Ich dachte da mehr an einen Massagestuhl, etwas, worauf man sich ausruhen kann. Schließlich ist man Laserstrahlen ausgesetzt, die die Körpertemperatur messen, Bewegungen weiterleiten und auf neurale Impulse reagieren. Darüber hinaus gibt es ein leichtes Headset, so etwas wie ein Bluetooth. Die Aufgabenstellung bestand also darin, einen Stuhl zu erfinden, in dem man gern 16 Stunden am Tag verbringt.“

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Ergänzend zum „stim chair“ musste natürlich noch das entsprechende „Ladegerät“, eine Art elektrische Wiege, gebaut werden. Mann führt aus: „Wenn sie einen ’Surrogate’ kaufen, wird ihnen dieser nach Hause geschickt. In einer ’Mehrzweckbox’, wenn Sie so wollen. Die Kiste ist einerseits Transportmittel für Ihren ’Surrogate’, andererseits aber auch Ladestation.“ Mostow weiter: „Wenn Sie, sprich: Ihr ’Surrogate’, nach einem Tag voller Arbeit nach Hause zurückkommt, muss er schließlich neu geladen werden – und dafür nimmt man in dieser Wiege Platz.“ Zwei Abteilungen waren für das roboterhafte Aussehen der Haupt- und Nebendarsteller sowie der zahllosen Statisten zuständig. Das Make-up-Department leitete Oscar®-Gewinner Jeff Dawn (TERMINATOR 2: JUDGMENT DAY, „Terminator 2 – Tag der Abrechnung“, 1991), der prostethischen Abteilung (Spezial-Make-ups etc.) stand der ebenfalls Academy-Award®-gekürte Howard Berger (THE CHRONICLES OF NARNIA: THE WITCH AND THE WARDROBE, „Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia“, 2005) vor.

Weil die meisten Hauptdarsteller zwei oder mehr Versionen ihrer Figur verkörpern, griffen Dawn und Berger tief in ihre Trickkiste, um die Unterschiede zwischen perfekten
’Surrogates’ und unperfekten Menschen deutlich sichtbar zu machen. „Die größte Herausforderung bestand bei diesem Film von Tag eins an darin, herauszuarbeiten, was den Menschen von seinem ’Surrogate’ unterscheidet“, sagt Dawn. „’Surrogates’ - sind sie aus Plastik, sind sie hyperreal? Schauen sie besser aus als normale, gut aussehende Menschen? Es war schwierig, die Leute, die ohnehin schon sehr gut aussehen, noch schöner wirken zu lassen. Und das in jeder Einstellung.“

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„Die Idee der ’Surrogates’ hat natürlich viel mit Eitelkeit zu tun, und dieses Phänomen ist charakteristisch für unseren Berufszweig und für die Filmindustrie im Besonderen“, fährt Dawn fort. „Das wiederum bringt die Technik ins Spiel, die sich in den vergangenen Dekaden rasend schnell weiterentwickelt hat. Kombiniert man diese beiden Elemente, steht zwangsläufig bald die Idee vom ’perfekten Menschen’ im Raum. Ich möchte jünger sein, schlanker, besser aussehen ...“ Dawn weiß zu erzählen, dass Willis mit seinem eigenen Aussehen überhaupt kein Problem hat, sondern sich in seiner Haut richtig wohl fühlt. Nicht einmal, wenn ihn die Maskenbildner etwas „hässlicher“ machten, fühlte er sich unwohl. „Der Mensch Greer ist ein bisschen älter, ein bisschen grobschlächtiger, ein bisschen faltiger als Bruce“, berichtet Dawn. „Willis störte das überhaupt nicht. Wenn ich ihn also etwas älter machte, seinen Bart weiß einfärbte und ihm ein paar zusätzliche Falten verpasste, war das für ihn kein Problem. Demgegenüber sieht die Roboterversion von Bruce perfekt aus, hat volles, blondes Haar und auch blonde Augenbrauen.“

Eine der Aufgaben, mit der sich Berger herumschlagen musste, war die Frage danach, wie die ’Surrogates’ sich herausgebildet, welche Evolutionsstufen sie durchlaufen haben. Er musste seine prostethischen Effekte entsprechend (weiter)entwickeln und für die diversen animatronischen Puppen herstellen. „Es gibt viele Dinge, die man berücksichtigen muss, wenn man über den Entstehungsprozess der ’Surrogates’ nachdenkt“, führt Berger aus. „Ich setzte mich mit Jeff Mann und Jonathan hin und diskutierte endlos diesbezügliche Fragen. Sind die ’Surrogates’ eigentlich primär Roboter? Bestehen sie aus Plastik oder Metall? Ist ihre Haut aus Silikon? Sind sie in irgendeiner Weise organisch? Braucht man für sie Karbonfaser? Und vor allem: Wie ist ihr Endoskelett gestaltet? Wie sieht’s im Inneren eines ’Surrogates’ aus? ... Fragen über Fragen.“

Ein besonders geglücktes Design von Berger ist der gekreuzigte Körper des leblosen Greer-’Surrogates’. Die Schusswunden enthüllen die mechanischen Innereien des „toten“ Roboters, Götterspeise und grüne Lebensmittelfarbe dienten überaus glaubwürdig als hydraulisches „Blut“. Nicht vergessen darf man in diesem Zusammenhang die
acht animatronischen Drohnen, die im FBI-Hauptquartier die Überwachungsmonitore bedienen. Großen Anteil am Gelingen dieses in Boston und seiner „Parallelwelt“ gedrehten Films hat auch das Team, das für die visuellen Effekte verantwortete und unter Leitung des Oscar®-Preisträgers Mark Stetson standen. Für Stetson, der drei weitere Male für einen Academy Award® nominiert und 2006 vom Branchenblatt Hollywood Reporter und der US-Produzentenvereinigung P.G.A. zu einem der 50 wichtigsten Digital-Künstler („Digital 50“) gewählt wurde, markiert dieses Werk eine Art Heimkehr, stammt er doch wie einige andere Teammitglieder auch ursprünglich aus
Massachusetts.

Stetson, seit über 30 Jahren im Filmgeschäft tätig, sieht sich bei SURROGATES ganz bescheiden nur in einer Helferrolle: „Unsere Aufgabe bestand darin, die ’Surrogates’ in die Alltagsrealität des Films ’einzupassen’. Die Story spielt ja heute, die ’Surrogate’-Technik ist aber noch Zukunftsmusik. Die Herausforderung bestand also darin, visuell die richtige Balance zu finden, damit alles möglichst realistisch, möglichst glaubwürdig aussieht.“

„Perfekte Roboterversionen von überaus bekannten Schauspielern herzustellen, erforderte sehr viel Fingerspitzengefühl“, führt er weiter aus. „Den Unterschied zwischen ’Surrogate’ und Mensch erarbeiteten wir meist erst vor Ort am Set, setzten stark auf Kostüme und Makeup. Damit alles perfekt aussah, ’besserten’ wir dann, wenn nötig, mit modernsten Videotricks und -effekten nach – nicht zu vergessen die 2D- und 3D-CGI-Techniken, die zum Einsatz kamen.“

Als Chefkameramann verpflichtete Mostow Oliver Wood (THE BOURNE IDENTITY [„Die Bourne Identität“, 2002], THE BOURNE SUPREMACY [„Die Bourne Verschwörung“, 2004], THE BOURNE ULTIMATUM [„Das Bourne Ultimatum“, 2007]), einen alten Weggefährten, mit dem er bereits beim packenden U-Boot-Drama U-571 („U-571“), das 2001 für den Tonschnitt mit einem Oscar® ausgezeichnet wurde, kooperiert hatte. Die Emmy®-Siegerin April Ferry („Rome“) arbeitete bei SURROGATES zum dritten Mal mit Mostow zusammen, kombinierte geschickt sowohl gekaufte als auch von ihr selbst entworfene Kleidung, was sehr dazu beitrug, dass sich die Menschen- von der Roboterwelt unterscheidet. Und dann ist da noch Kevin Stitt, Cutter von Rang, den Mostow bereits vor gut einer Dekade für den Schnitt seines Kinodebüts BREAKDOWN („Breakdown“, 1997) engagiert hatte.


Special vom: 25.01.2010
Autor dieses Specials: Walt Disney Studios Motion Pictures, Germany
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Die Besetzung von Surrogates
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Mach den Test: Ist Dein gegenüber ein Surrogate? - Auflösung
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