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Comic-Besprechung - Die wahre Geschichte des Wilden Westens: Little Big Horn

Geschichten:

Die wahre Geschichte des Wilden Westens: Little Big Horn

Autor: Luca Blengino & David Goy

Zeichner: Antoine Giner-Belmonte

Historischer Berater: Farid Ameur

Übersetzer: Harald Sachse



Story:

In diesem dritten Band aus der Serie „Die wahre Geschichte des Wilden Westens” geht es um die geradezu sagenumwobene Schlacht am Little Big Horn Fluss in den Black Hills in Dakota, damals noch ein Indianerreservat, heute ein amerikanischer Bundesstaat. Direkt nach dem Sezessionskrieg wurde 1874 Gold dort gefunden, was zu Spannungen und Auseinandersetzungen mit den Indianern führte, die darauf pochten, dass die vorher gemachten Versprechungen der amerikanischen Regierung, dass die Black Hills unantastbares Indianergebiet sein sollten, auch eingehalten würden. Doch die hoch verschuldete Regierung um Ulysses S. Grant bzw. seinen Nachfolger Rutherford B. Hayes sieht eine Chance, ihre Schulden zu tilgen, und schickt die Armee ins Dakota-Gebiet. Doch dort treffen die Soldaten des George Armstrong Custer auf einen erbitterten Widerstand, was zum einzigen großen Sieg der Indianer gegen die US-Armee führen sollte.



Dieser Comic wurde mit dem Splash-Hit ausgezeichnet Meinung:

Auch in diesem Band der Serie geht es um eine sagenumwobene Figur aus der amerikanischen Geschichte, auch wenn der Titel es diesmal nicht direkt verrät. Nach Jesse James und Wild Bill Hickok geht es diesmal um „General” Custer, wie er meist, und nicht ganz korrekt, betitelt wird, eine Figur, die auch in der Serie „Leutnant Blueberry” von Giraud und Charlier als Vorlage für den „General Gelbhaar” diente (und in der später übrigens auch Präsident Grant einen Auftritt hat). Die Geschichte selbst ist wahrscheinlich jedem Western-Fan ein Begriff, und ich denke, ich verrate nicht zuviel, wenn ich es so zusammenfasse: die US-Armee lässt sich von der schieren Übermacht der Indianer überraschen, wird eingekesselt, und (zumindest) der Tross von Custer komplett aufgerieben. 

Die Geschichte ist hier eher wie eine Dokumentation aufgezogen: die handelnden Personen werden kurz vorgestellt, ihre Lebensumstände kurz angerissen, aber im Wesentlichen werden die Ereignisse um die Schlacht herum genauest möglich geschildert, so wie sie von Historikern anhand von Augenzeugenberichten und Ortsbesichtigungen rekonstruiert worden sind. Das führt dazu, dass man sich kaum mit einer der Figuren identifizieren kann, die ganze Zeit bleibt der Leser auf Distanz (viele Figuren sind sowieso eher zu Nebenfiguren degradiert), was meinen Eindruck, es mit einer Dokumentation zu tun zu haben, geprägt hat. Das ist im Prinzip nicht schlimm, war sogar eher zu erwarten, denn schließlich handelt es sich ja um einen Historienstoff, bei dem dann die Schlacht selbst auch ungefähr die Hälfte des Buches füllt. Die möglichen erklärerischen Lücken werden am Ende des Buches von Farid Ameur, dem Berater bei dieser kompletten Serie, in einer achtseitigen Dokumentation gefüllt, wo nochmal sämtliche historischen Zusammenhänge und Hintergründe erklärt werden, nebst einer detaillierten Übersicht des zeitlichen Ablaufs der Ereignisse.

Erst dort wird jedoch richtig klar, was für ein Wahnsinniger Indianerhasser und Karrierist Custer gewesen ist, und das es tatsächlich hauptsächlich an ihm lag, dass diese Geschichte so eskaliert ist. Doch leider verpasst Ameur aus meiner Sicht die Chance, Custers Motive auf den eigentlichen Punkt zu bringen: als schlechtester seines Jahrgangs wird Custer nicht direkt in die Haupttruppen übernommen, sondern muss sein Glück bei einer Freiwilligenarmee suchen. Dort geht man ob seiner „Heldentaten” so weit, ihn vom Hauptmann direkt zum Brigadegeneral (dem sogenannten „Ein-Sterne-General”) zu befördern. Ob das berechtigt war, weiß ich nicht, doch schließlich bekommt er auch noch den zweiten Stern und wird Generalmajor, was ihm durchaus zu Kopfe gestiegen sein wird, ist es doch schließlich der dritthöchste Rang in der Armee. Und nach dem Krieg dann: Aufnahme in die reguläre Armee, aber deklassiert zum Lieutenant Colonel, drei Ränge tiefer (!), was ihn ziemlich gewurmt haben dürfte. Und da ihm auch im Sezessionskrieg seine Massaker zur Beförderung geholfen hatten, macht er jetzt in diesem Sinne weiter. Ein echter Psychopath eben.

Antoine Giner-Belmonte ist praktisch ein Newcomer in der französischen Comicszene. Nach einer Zeichnerausbildung arbeitet er zunächst als Werbegrafiker, bevor er 2014 zum Comic findet. Neben einigen Arbeiten für die Stadt Lyon ist dies seine zweite unabhängige Veröffentlichung, und nach dem Zweiteiler „Les Mâitres de White Plain”, der im Sezessionskrieg spielt, hier also wieder ein Western. Er zeichnet in einem sehr feinen, realistischen Stil mit vielen Details, und versucht immer wieder, mittels Panoramadarstellungen und etwas aufgelösten Seiteneinteilungen erzählerische Freiheiten zu gewinnen, die ihm die schiere Fülle an Stoff eigentlich nicht erlaubt. So geht es an anderer Stelle etwas komprimierter zu, einige Seiten scheinen ihm gar keinen Spaß gemacht zu haben, da schludert er sich ein bisschen durch und die Zeichnungen werden sehr viel gröber, doch über alles betrachtet macht er seine Sache sehr gut und der Comic lässt sich sehr angenehm lesen. 

Zusammen mit dem angehängten redaktionellen Teil ist dies eine gelungene Umsetzung des historischen Stoffes und vor allem ein guter Western! 



Fazit:

Eine gelungene Umsetzung dieses historischen Stoffes um die legendäre Schlacht zwischen den Indianern und der eindringenden Armee, die zwar inhaltlich ein bisschen mehr in Richtung Dokumentation zielt als in Richtung Abenteuergeschichte, doch insgesamt gut umgesetzt wurde und auch zeichnerisch zu überzeugen weiß. Ein Klassiker im neuen Gewand. 



Die wahre Geschichte des Wilden Westens: Little Big Horn - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Die wahre Geschichte des Wilden Westens: Little Big Horn

Autor der Besprechung:
Uwe Roth

Verlag:
Splitter Verlag

Preis:
€ 17,00

ISBN 10:
3987211237

ISBN 13:
978-3987211232

56 Seiten

Bewertungen unserer Redaktion und unserer Leser

Positiv aufgefallen
  • Gut gezeichnet.
  • Sehr interessante Doku im Anhang.
Negativ aufgefallen
  • Etwas trockene Aufarbeitung des Stoffes, zu sehr Dokumentation statt Story.
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
1
(1 Stimme)
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Rezension vom: 08.01.2024
Kategorie: Alben
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