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Comic-Besprechung - Second Coming 1: Die Wiederkunft

Geschichten:

Second Coming 1: Die Wiederkunft
Autor: Mark Russell, Zeichner: Richard Pace, Inker: Leonard Kirk, Colorist: Andy Troy



Story:

Als Gott nach längerer Zeit mal wieder einen genaueren Blick auf die Erde wirft ist er entsetzt. Also schickt er Jesus zurück auf die Erde, um es zu richten. Da es allerdings beim letzten Mal nicht ganz so lief wie erhofft, stellt Gott seinem Sohn den Superheld Sunstar zur Seite, damit dieser Jesus die Grundlagen der Macht und des Kampfes erklärt. Doch der Superheld hat seine ganz eigenen Probleme mit seinen Kräften.



Meinung:

Die Serie Second Coming brachte dem Autor Mark Russell in den USA den Vorwurf ein das er Blasphemie betrieben habe, wie er selber in dem Vorwort zu dem Tradepaperback berichtet. Ironischerweise ist dieser Vorwurf aber ein Bumerang der eher auf die Kritiker zurückfällt als auf den Autor der Serie.  Ein Thema welches in der Serie nämlich behandelt wird ist wie die Lehre Jesu heutzutage aussieht und wie sehr sie im Laufe der Jahrtausende verwässert, entstellt, missbraucht und missachtet worden ist. So ist eigentlich weniger die Untersuchung bzw. die Reflektion blasphemisch als die wütende Abwehr dessen, da es im Grunde nur bestätigt das die Lehre Jesu auch von fundamentalistischen Kreisen nicht mehr befolgt wird. Dabei ist die Serie und deren Aussage gar nicht so radikal wie etwa von Garth Ennis in Die Chroniken von Wormwood  in der auch Jesus wieder auf die Erde kam und als dunkelhäutiger Mann so von rassistischen Polizisten verprügelt wurde, das er nun einen Dachschaden hat und der Anti-Christ sein bester Freund ist. Russell ist weit weniger radikal als Ennis der zugibt nicht viel von der katholischen Religion zu halten nach seinen Erfahrungen im bürgerkriegsgeschüttelten katholischen Irland. 

Was wohl manche erzürnt haben dürfte an Second Coming sind ausgerechnet die Aspekte die historisch verbürgt sind. Etwa das Jesus Brüder hatte, die in der Bibel auch erwähnt werden und das keiner der Evangelisten Jesus selber kannte. Das Neue Testament wie wir es heute kennen wurde von der jungen Kirche zusammengestellt und einiges nicht aufgenommen. So sind gerade ältere Texte die näher an Jesu Lebzeiten entstanden sind, verworfen worden und später in den Apokryphen gesammelt. Vieles worauf sich fundamentalistische Christen berufen indem sie etwa Homosexualität ablehnen, steht nicht in den Evangelien, sondern höchstens in den Briefen des Paulus. Einem Mann der erst Christen verfolgte, dann bekehrt wurde und Jesus selber nicht kannte.

Es gibt also viel zu reflektieren, aber das soll nicht heißen, dass hier ein philosophischer Comic vorläge. Denn der Kniff der Serie ist schlicht und genial. Gott ist entsetzt was auf der Erde so los ist und schickt Jesus erneut auf die Erde, um es zu richten. Da er aber meint das es das letzte Mal nicht so gut lief, Stichwort Kreuzigung, beauftragt er den größten Superhelden der Erde, Jesus unter seine Fittiche zu nehmen. Dieser Superheld, Sunstar, ist kaum verklausuliert eine Version von Superman. Superman und Jesus als WG? Gekauft.  Da es aber auch um Superman, sorry, Sunstar, geht, ist die Serie auch eine Reflektion über Macht. Der Superheld ist zwar mächtig, nutzt im Grunde aber nur Gewalt um Gewalt einzudämmen. Wirkliche Probleme der Gesellschaft kann er nicht lösen und spiegelt das in gewisser Hinsicht auch wieder. Sunstar ist ständig pleite da er keinen Job findet, sein Smallville ist in dem Speckgürtel einer Großstadt zu Grunde gegangen, als Außerirdischer darf er nicht heiraten und er interpretiert vieles falsch wodurch seine Gewalt die falschen trifft. Im Grunde steht Sunstar auf verlorenem Posten und damit ähneln sich er und Jesus.

Jesus kann sich in der modernen Welt kaum Gehör verschaffen und wird sogar von fundamentalistischen Christen verprügelt, eingesperrt, für verrückt gehalten und nicht erkannt. Und wenn man ihn ernst nehmen würde, würde er heutzutage wohl von den Machthabern wieder gekreuzigt werden.  Auch wenn hier viele tiefgründige Themen vorkommen, die einen zum Nachdenken anregen, so ist der Band doch auch unterhaltsam mit Action, Witz, einigen schrägen Ideen und gelungenen Zeichnungen. Der einzige Vorwurf dem man den Band wirklich machen kann, ist das die Story nicht sonderlich gradlinig verläuft, aber das verschmerzt man da es hauptsächlich um die charakterliche Entwicklung auch von Gott und Satan geht. Unterhaltend und intelligent, so dass man sich wieder auf die Ursprünge des Christentums besinnen möchte.



Fazit:

Unterhaltend und philosophisch mit einer geradezu genialen Grundidee. Zwar nicht radikal, aber doch herausfordernd sich seine eigene Gedanken zu machen und zudem eine Parodie auf Superhelden. Pflichtkauf.



Second Coming 1: Die Wiederkunft - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Second Coming 1: Die Wiederkunft

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Dantes Verlag

Preis:
€ 22,00

ISBN 10:
3946952909

ISBN 13:
‎ 978-3946952909

180 Seiten

Bewertungen unserer Redaktion und unserer Leser

Positiv aufgefallen
  • Grundidee
  • unterhaltend und philosophisch
  • parodistisch und nachdenklich
Negativ aufgefallen
  • keine gradlinige Story
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
1
(8 Stimmen)
Bewertung
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Rezension vom: 08.01.2024
Kategorie: Alben
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