Optionen und weiterführende Links



In der Datenbank befinden sich derzeit 18.359 Rezensionen. Alle Rezensionen anzeigen...

Comic-Besprechung - Altor - Gesamtausgabe Band 1

Geschichten:

Altor - Gesamtausgabe  Band 1

1.) Der große Kristall

2.) Die Insel des Einhorns

3.) Das Geheimnis von Aurelys

Autor: Moebius (Jean Giraud)

Zeichner: Marc Bati

Übersetzer: Gerd Benz



Story:

Auf dem Planeten Terra Nova unternimmt der Magier Apildom zusammen mit dem Elfen Altor den Versuch, die Sternenfee Estellanara in einer anderen Dimension, der achtzehnten Tiefe, zu besuchen. Leider hat er seine Kräfte überschätzt, denn er wird dort von der Fee des schwarzen Kristalls ausgetrickst, die nun Zugang zu Terra Nova erhält. Dort angekommen, beginnt sie ihre Intrigen und versucht, mit Krieg und Terror die Macht über den gesamten Planeten zu erhalten. Während Altor seinen Freund Apildom verloren wähnt, ergibt sich unverhofft die Gelegenheit zu neuen Allianzen, um den schwarzen Stern zu bekämpfen, denn offenbar haben noch andere Mächte von außerhalb des Planeten ein strenges Auge auf alle Geschehnisse, und sind bereit einzugreifen, um den großen Kristall zurück zu bekommen, der alles wieder stabilisieren kann — der sich aber in Händen der schwarzen Fee befindet. So machen sich Altor, Lorcan und die mysteriöse Aurelys auf eine beinahe aussichtslose Suche nach dem großen Kristall und trotzen allen Gefahren.



Dieser Comic wurde mit dem Splash-Hit ausgezeichnet Meinung:

Wie bereits im Vorwort dieses Sammelbandes von Marc Bati selbst erzählt wird, war es zu dieser Zusammenarbeit mit dem damals, Anfang der Achtziger Jahre, bereits berühmten Jean Giraud alias Moebius eher durch einen Zufall gekommen. Noch mitten in seiner Arbeit an der Serie „John Difool / Der Incal” hatte Giraud eine zusätzliche Auftragsarbeit angenommen, eine Bearbeitung des Stoffes „Die Farm der Tiere” nach George Orwell. Hierzu holte er sich den jungen Nachwuchszeichner Bati ins Studio, und war von der Zusammenarbeit so begeistert, dass er Letzterem eine weitere Kooperation anbot. Als Grundlage diente eine mehr oder weniger bereits ausgearbeitete Idee Batis selbst, in Anlehnung an die Gedankenwelt Tolkiens, die Giraud jedoch massiv umarbeitete. Wie bei Tolkien befinden wir uns in einer Welt, die der unseren gleicht, in der neben Menschen aber auch Elfen, Drachen, Trolle, Zwerge und andere magische und sagenhafte Wesen leben — bisher in Harmonie miteinander, oder in totaler Unkenntnis der Existenz des Anderen, aber in Frieden. Und dieses Gleichgewicht wird durch das Auftauchen der neuen, dunklen Macht schwer gestört und führt zu Kriegen. Das ist eben auch die Grundidee beim „Herr der Ringe”. Und hier wie dort gibt es magische Gegenstände, die Macht verleihen, wobei die Verwendung von schwarzen und weißen Kristallen eine so große Ähnlichkeit zum damals aktuellen Werk Girauds aufweist, dass man fast schon von einer Fixierung des Autors auf dieses Thema sprechen könnte. Die Einmischung und Überwachung durch höher entwickelte Wesen von außerhalb wiederum erinnert mich sehr stark an „Valerian und Veronique”, während die immer wieder, meist im Hintergrund agierenden Gottheiten wieder stark an „Die Sternenwanderer” denken lassen, die ebenfalls aus Girauds Feder stammen und deren erster Teil damals auch bereits erschienen war. Dabei sind die Gottheiten sämtlich „Göttinnen”, eine damals noch sehr neue und durchaus provokante Darstellung und Denkweise, die Giraud auch in seinem eigenen Werk verfolgte — heute sorgt dies wahrscheinlich beim Leser lediglich für eine kleine Überraschung, mehr nicht mehr. Auch ist das Bild, dass alle „Weisen” oder sonstwie initiierten Personen über die Gabe verfügen, selbst zu schweben oder Gegenstände schweben zu lassen, sowohl bei Girauds eigenem Werk als auch hier allgegenwärtig. Man muss dieses Werk aber natürlich unbedingt in seinem historischen Kontext sehen: Tolkien war in Frankreich damals noch nicht so bekannt, damit diese Märchenwelt also neu (in Deutschland nicht, da war der Hype schon durch), Girauds Serien wie Difool und Sternenwanderer waren erst im Aufbau, und die Leser sehr dankbar für mehr in dieser Art. Die von mir oben beschriebenen „Plagiate” sind vermutlich erst mit dem jetzigen, großen zeitlichen Abstand auffällig.

Der Band enthält neben den ersten drei Teilen der Serie, die für sich einen abgeschlossenen Zyklus darstellen, auch ein reichlich illustriertes Vorwort von Marc Bati sowie eine Kurzgeschichte in schwarz-weiß, die er wohl als „Fingerübung” vorab angefertigt hatte. Wenn man die Zeichnungen hier mit den nachfolgenden Geschichten vergleicht, fällt auf, dass bei „Altor” teilweise die Striche weitaus dünner und filigraner sind als zuvor. Was den Zeichnungen nicht immer guttut, vor allem nicht bei dunklen Kolorierungen — dann fällt es sehr schwer, die Details tatsächlich alle wahrzunehmen. Ich nehme an, dass Bati, ähnlich wie der verstorbene Paul Gillon („Die Schiffbrüchigen der Zeit”) seine Zeichnungen in einem weitaus größeren Format angefertigt hat, als sie dann gedruckt wurden. Es ist nicht dramatisch, fiel mir aber auf.

Die Zeichnungen sind sehr bunt, und teilweise sehr grell koloriert, was ebenfalls für die Achtziger Jahre typisch ist, und so auch bei Giraud/Moebius zu finden ist. Ich würde sagen, Giraud hat nicht nur das Skript überarbeitet, sondern auch massiv auf die Gestaltung der Zeichnungen eingewirkt.

So wirkt diese Trilogie aus heutiger Sicht ein wenig wie ein Versatzstück aus allen möglichen Vorlagen, durchaus in sich geschlossen, aber eben mit starken Ähnlichkeiten zu anderen Werken, die man durchaus kennen könnte. Dabei ist die märchenhafte Geschichte für mich ein bisschen zu naiv und leicht durchschaubar — aber sie ist durchaus ein Zeitzeugnis der damaligen Arbeit Girauds, der nicht oft für andere Zeichner die Skripte schrieb, meist für Spin-Offs seiner eigenen Serien (Blueberry, Marshall Blueberry) oder Serien, die er aufgab (Jim Cutlass), während er sich ansonsten Vieles selbst von Autoren schreiben ließ, wie „John Difool” oder „Lust & Glaube” (beides von Jodorowsky).

Ich bleibe ein bisschen mit gemischten Gefühlen nach dieser Lektüre zurück, finde aber, dass diese Neuveröffentlichung als Sammelband (Die Geschichten waren bereits bei „Schwermetall” im Magazin oder als Album veröffentlicht worden) ihre Berechtigung als Würdigung innerhalb des Gesamtwerks Jean Girauds hat, und durchaus einen Platz im Regal des Sammlers finden darf.



Fazit:

Eine Neuveröffentlichung des ersten Zyklus der Fantasy-Serie um die Suche nach dem „Großen Kristall”, ein bisschen naiv und im Stil der Achtziger Jahre — mit teils grellen Kolorierungen und allerlei bekannten Ideen, die wie Versatzstücke zusammengebaut erscheinen. Nicht unbedingt Girauds beste Arbeit, aber durchaus beachtenswert — und für Sammler und Fans des Meisters sicherlich ein „Muss”.



Altor - Gesamtausgabe Band 1 - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Altor - Gesamtausgabe Band 1

Autor der Besprechung:
Uwe Roth

Verlag:
All Verlag

Preis:
€ 39,80

ISBN 10:
396804181X

ISBN 13:
978-3968041810

168 Seiten

Bewertungen unserer Redaktion und unserer Leser

Positiv aufgefallen
  • Sehr schön aufgemachter Sammelband.
Negativ aufgefallen
  • Teilweise etwas grelle Kolorierung, und etwas zu filigrane Striche.
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
1
(2 Stimmen)
Bewertung
Du kannst diesen Comic hier benoten.

Persönlichen Bookmark setzen für diese Seite
Diese Seite als Bookmark bei Blinklist hinzufügen   Diese Seite als Bookmark bei del.icio.us hinzufügen   Diese Seite als Bookmark bei Digg hinzufügen   Diese Seite als Bookmark bei Fark hinzufügen   Diese Seite als Bookmark bei Furl hinzufügen   Diese Seite als Bookmark bei Google Bookmarks hinzufügen   Diese Seite als Bookmark bei Mister Wong hinzufügen   Diese Seite als Bookmark bei myYahoo hinzufügen   Diese Seite als Bookmark bei Netscape hinzufügen   Diese Seite als Bookmark bei Newsvine hinzufügen   Diese Seite als Bookmark bei Reddit hinzufügen   Diese Seite als Bookmark bei StumbleUpon hinzufügen   Diese Seite als Bookmark bei Technorati hinzufügen   Diese Seite als Bookmark bei Yigg hinzufügen  
Oder diesen Dienst benutzen: Social Bookmark Button

Rezension vom: 14.09.2023
Kategorie: Alben
«« Die vorhergehende Rezension
Sword Art Online: Progressive Scherzo of Deep Night 1
Die nächste Rezension »»
Michel Vaillant Collector`s Edition 8
Leseprobe
Zu diesem Titel liegt derzeit keine Leseprobe vor. Sie sind Mitarbeiter des Verlags und daran interessiert uns für diesen Titel eine Leseprobe zu schicken? Dann klicken Sie hier...
Das sagen unsere Leser
Zu diesem Titel existieren noch keine Rezensionen unserer Leser.


?>