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Comic-Besprechung - Wohlstand

Geschichten:
Wohlstand

Autor / Zeichner / Colorist: TeMeL (d.i. Thekla Löhr)


Story:
Mirabelle Rapace ist eine junge Kellnerin, die zwar mit ihrem Freund glücklich ist, obwohl sie wenig Leistungspunkte hat. Und das kann in der neuen deutschen Gesellschaft gefährlich werden, wo der Wert eines Lebens an diesen Punkten gemessen wird, die man durch Arbeit erlangt und mit denen man auch bezahlt. Allen, denen diese Punkte ausgehen, müssen sterben. Plötzlich läuft Mirabelles Leben aus dem Ruder.

Meinung:
Die junge deutsche Zeichnerin und Autorin TeMeL hat mit ihrer Graphic Novel Wohlstand eine düstere Dystopie geschaffen. An sich sind die pessimistischen Science-Fiction-Geschichten ja keine Seltenheit, da hier meist aktuelle Entwicklungen und Strömungen konsequent weitergedacht werden und somit in dem entstehenden Bereich der düsteren Voraussage dann eine Warnung hergestellt wird. Oft bis zum bitteren Ende. Abseits von dem reinen Eskapismus vieler Horror- und Actiongeschichten können so die Erzählungen der Science-Fiction sehr sozialkritisch sein. Und das ist TeMeL in Wohlstand gelungen.

Ihre Erzählung nagt an dem Leser. Er wird nicht nur vieles wiedererkennen, sondern bekommt das unheimliche Gefühl, das wir von den geschilderten fiktiven Zuständen nicht mehr allzu weit entfernt sind. Besonders wenn man an die letzten Jahre der Reformen zurückdenkt und wie sehr das Hartz-IV-Gesetz regulierend in den privaten Alltag der Betroffenen eingreift und reguliert und zudem die soziale Stigmatisierung weiter voran führte, ist dieses in einer Utopie angesichts aktueller Staats-, Finanz- und Schuldenkrisen äußerst beängstigend. TeMeL verbindet alles, was in den letzten Jahren und Monaten geschehen ist und schnürt ein beängstigendes Paket, welches den Leser nach der Lektüre mit anderen Augen durch die Straßen gehen lassen wird. Auch die Nachrichten bekommen ein anderes Licht, da man dann direkt an diesen Band denkt. Und welche fantastische Erzählung kann das schon von sich behaupten? Angesichts dessen, was manche politische Parteien und Politiker auch heute in Deutschland von sich geben, ist es sehr beängstigend, da man in der Graphic Novel sehen kann, wohin das in konsequenter Umsetzung führen kann. Vor allem da es von den Politikern mancher Couleur kaum verklausuliert wird und hier nur die logische Fortsetzung verfolgt wird. Das alles ist in seinem Schrecknis also anscheinend nicht so weit entfernt, wie man vielleicht glauben mag.

Zugleich ist die hier geschilderte Gesellschaft reinster sozialer Faschismus. Auch wenn sich die politischen und diskriminierenden Äußerungen gegenüber den nicht ganz so produktiven Mitmenschen deutlich einigen Parteien der realen Gegenwart zuordnen lassen, so ist der soziale Druck doch von allen aktuell in gewissem Maße zu spüren (etwa beim Nichtraucherschutzgesetz). Die individuelle Freiheit wird auch bei aller political correctness und Freiheitsbestrebungen beschnitten. Denn alle, die etwas in einem fremden Leben regeln wollen, greifen in die Freiheit des anderen ein. Aber wo sind die Grenzen, wenn manche Regulierungen (wie etwa Regeln und Gesetze) unabdingbar zum Funktionieren einer Gesellschaft beitragen? Jedenfalls können auch gut gemeinte Aspekte zum Scheitern beitragen und TeMeL übertreibt nur bedingt, wenn sie die Uniformen in ihrer Graphic Novel denen der SS verdächtig ähnlich erscheinen lässt. Auch der sprachliche Duktus ähnelt dem der Nazis. Das kann provokant und plakativ aufgefasst werden, aber es ist doch stimmig und ist eine Warnung mit dem Holzhammer. Nur das jetzt die Euthanasie die Alten, Kranken und Arbeitslosen betrifft.

Insgesamt ist die Erzählung also ein sehr düsterer, beängstigender und bewegender Entwurf, der hoch politisch ist und doch seine Story nicht vergisst. So sollte Science-Fiction sein. Zeichnerisch ist das alles aber sehr gefällig ausgefallen und grundsolide trägt sie die Story ohne je starke Akzente zu setzen oder zusätzliche Bedeutungen zu verleihen. Außer indem das ganze Ambiente faschistischer oder kommunistischer Gesellschaften ähnelt.



Fazit:
Eine beklemmende Vision, die gar nicht mal so utopisch ist und man meint in der Gegenwart schon Tendenzen dafür zu erkennen. Auch deswegen nagt der Band an dem Leser und lässt einen die aktuelle Nachrichten mit anderen Augen sehen. Und welche Graphic Novel kann das schon von sich behaupten?

Wohlstand - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Wohlstand

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Epsilon Verlag Mark O. Fischer

Preis:
€ 12,50

ISBN 10:
386693095X

ISBN 13:
978-3866930957

56 Seiten

Positiv aufgefallen
  • Aktualität der Utopie
  • beklemmendes Szenario
  • viele Grundstimmungen gut getroffen
  • Spannung, Drama, Politik, Action
Negativ aufgefallen
  • Zeichnungen etwas zu gefällig
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
1
(2 Stimmen)
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Rezension vom: 29.05.2013
Kategorie: One Shots
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