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Comic-Besprechung - Logicomix - Eine epische Suche nach Wahrheit

Geschichten:

Konzept und Geschichte: Apostolos Doxiadis und Christos H. Papadimitriou
Skript: Apostolos Doxiadis
Figurendesign und Zeichnungen: Alecos Papadatos
Koloration: Annie di Donna
Tuschezeichnungen: Dimitris Karatzaferis und Thodoris Paraskevas
Recherche und Lettering: Anna Bardy
Übersetzung: Ebi Naumann



Story:
Ein Mathematiker, der sich dem Theater und der Literatur zugewandt hat. Einer der berühmtesten Experten auf sehr grundlegenden Feldern der Informatik. Ein erfahrenes Zeichnerehepaar und eine Lettererin, die auch die Recherche übernimmt. Gemeinsam will sich dieses Team dem Wesen der Logik, den Grundlagen der Mathematik, dem Fundament unseres Denkens nähern, und zwar in Form eines Comics.

Ist die Aussage "Eins plus eins ist zwei" tatsächlich war, und wie beweist man es? Gibt es die Unendlichkeit, und wenn ja, wie viele davon? Können wir zu jeder mathematischen Aussage überprüfen, ob sie wahr oder falsch ist? Und führt die Beschäftigung mit Logik tatsächlich in den Wahnsinn?

Dieser Comic wurde mit dem Splash-Hit ausgezeichnet Meinung:
Logicomix ist eigentlich kein Comic über die Logik. Der Band beschäftigt sich eher mit dem Kampf, den Menschen in der Geschichte ausfochten, um die Logik zu verstehen. In diesem Kampf gab es grandiose Triumphe, überraschende Wendungen, tragische Opfer und geradezu erschreckendes Scheitern.

Für dieses Projekt hat sich ein interessant gemischtes Team zusammengefunden. Autor Apostolos Doxiadis ist studierter Mathematiker, der sich aber dann dem Theater zuwandte. Bekannt ist er unter anderem als Autor mathematischer Fiktion wie Onkel Petros und die Goldbachsche Vermutung. Unterstützt wird er von Christos H. Papadimitriou, der zu den wichtigsten Köpfen in der Algorithmen-, Komplexitäts- und Spieltheorie der heutigen Zeit gehört. Außerdem spielt er Keyboard in einer Rockband. Das Charakterdesign und die Zeichnungen stammen von Alecos Papadatos, der über zwanzig Jahre Erfahrung als Zeichner und Animation Director mitbringt. Seine Ehefrau Annie Di Donna trug die Koloration bei. Komplettiert wurde die Truppe von Anna Bardy, die sich um das Lettering, aber auch um die Recherche kümmerte.

In der Logik spielt die Selbstreferenzialität eine wichtige Rolle, und so ist es nur naheliegend, dass auch Logicomix zunächst einmal von seiner eigenen Entstehung erzählt. Doxiadis begrüßt Papadimitriou, als dieser zu den anderen stößt, und bringt ihn auf den neuesten Stand. Er diskutiert mit seinem Autorenkollegen, wie er den Comic anlegen möchte und wie er dem Leser das Wesen und die Geschichte der Logik nahebringen will.

Dabei liegt das Hauptaugenmerk auf einem Mann: Bertrand Russell war ein britischer Logiker, der einen wichtigen Beitrag dazu leistete, seinem Fach und der Mathematik überhaupt ein stabiles Fundament zu verleihen. Der Comic berichtet also davon, wie sich die Macher darüber unterhalten, wie Russell bei einem Vortrag die Geschichte seines (bisherigen) Lebens erzählt. Eine Geschichte in einer Geschichte in einer Geschichte also.

Bertrand Arthur William, the Third Earl Russell, wuchs im späten 19. Jahrhundert bei seiner streng religiösen Großmutter auf. Gegen den erdrückenden Glauben suchte der junge Bertie Halt bei der absoluten Wahrheit, die er in der Mathematik verortete. Aber mit dem Zustand der Mathematik, wie er sich in seinen Studien darstellte, war er nicht zufrieden. Das Fundament, auf dem sich alle Rechenkünste stützten, schien ihm von unbewiesenen Behauptungen und Zirkelschlüssen durchsetzt und nicht sonderlich belastbar. Die Lösung erhoffte sich Russell aus dem noch jungen Fachgebiet der Logik, in dem große Geister wie Gottlob Frege, Georg Cantor oder George Boole neue Wege erschlossen haben oder gerade zu seiner Zeit erschließen. Als Weggefährten findet er bald Alfred North Whitehead. Gemeinsam verfassten Russell und Whitehead die Principia Mathematica, in der sie der Mathematik und aller darauf beruhenden Wissenschaft eine stringentesund formal bewiesene Basis geben wollen.

Aber wie Logicomix eindrücklich darstellt, während der Leser Russells Lebensweg folgt, kann der menschliche Verstand mit der reinen Logik oft nicht umgehen. Frege litt gegen Ende seines Lebens unter immer stärkerer Paranoia, Cantor starb in einer Nervenheilanstalt. Kurt Gödel starb an Unterernährung, weil er sich weigerte Nahrung zu sich zu nehmen – er glaubte, man wolle ihn vergiften. Als bei dem fünfzehnjährigen Sohn von David Hilbert Schizophrenie diagnostiziert wurde, steckte er den Jungen kurzerhand in eine Nervenklinik und besuchte ihn dort kein einziges Mal, die Logik war wichtiger. Zwei der drei Kinder von Russell selbst erkrankten ebenfalls an Schizophrenie und begingen Selbstmord. Auch im Comic wird die Frage gestellt, werden so viele große Logiker wahnsinnig, weil sie sich mit Logik befassen – oder können sie zu ihren Ideen nur kommen, weil ihr Verstand im wahrsten Sinne des Wortes "ver-rückt" ist?

Die Graphic Novel beantwortet diese Frage nicht ausdrücklich, sondern überlässt es dem Leser seine eigene Antwort zu finden. Auch insgesamt wirkt der Band eher dokumentarisch und hält sich mit Wertungen zurück. Dazu trägt nicht zuletzt die bereits erwähnte verschachtelte Erzählstruktur bei: Man ist sich durchgehend bewußt, dass man eine Geschichte erzählt bekommt. Man kommt nie wirklich "in" die Handlung.

Das ist sicher auch Stück weit dem Thema geschuldet. Logik in ihrer formalen Gestalt ist sicher den Wenigsten vertraut und daher nicht sofort zugänglich. Logicomix mutet seinem Leser jedoch nur selten Mathematik zu, die über "1 + 1 = 2" hinausgeht, der Fokus liegt eindeutig auf den handelnden Personen und nicht auf der Logik als solche. Aber ein gewisses Interesse an der Materie sollte man schon mitbringen. Wer auch noch stolz darauf ist, dass er oder sie "Mathe schon in der Schule nicht kapiert hat", sollte sich eher eine andere Lektüre suchen.

Ebenfalls eher zurückhaltend sind die Zeichnungen. Das Artwork von Papadatos und Di Donna erinnert an einen eigens für den Schulunterricht geschaffenen Comic, wie man sie in letzter Zeit erfreulich oft antrifft. Der Zeichenstil passt sehr gut zur Geschichte und hilft dabei, eine Beziehung zu den Charakteren aufzubauen. Bombastische optische Orgien allerdings, die man sich am liebsten als Poster an die Wand hängen würde, sollte man hier nicht erwarten. Wie die Geschichte überlassen auch die Zeichnungen die endgültige Entscheidung über viele Fragen dem Leser.

Fazit:
Eine ungewöhnliche Graphic Novel, die auch an den Leser so ihre Anforderungen stellt. Ein gewisses Maß an Interesse an formaler Logik und an Wissenschaftsgeschichte sollte man mitbringen, auch wenn man mathematische Formeln in Logicomix fast überhaupt nicht findet. Stattdessen stehen die Forscher, die den Geheimnissen der Logik auf der Spur waren, im Mittelpunkt. Der Comic stellt viele Fragen und gibt dem Leser die zur Antwort nötigen Informationen, überlässt ihm aber die Entscheidung in die eine oder andere Richtung selbst.

Logicomix - Eine epische Suche nach Wahrheit - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Logicomix - Eine epische Suche nach Wahrheit

Autor der Besprechung:
Henning Kockerbeck

Verlag:
Atrium Verlag AG Zürich

Preis:
€ 24,90

ISBN 13:
978-3-85535-069-8

351 Seiten

Positiv aufgefallen
  • Logicomix bringt dem Leser die Logik näher, ohne ihn mit mathematischen Formalismen zu bombardieren
  • der Fokus liegt eher auf den handelnden Forschern als auf ihrem Thema selbst
Negativ aufgefallen
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
1.8
(5 Stimmen)
Bewertung
Du kannst diesen Comic hier benoten.

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Rezension vom: 25.09.2010
Kategorie: One Shot
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