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Comic-Besprechung - Fort Wheeling — Zweiter Teil (Farbausgabe)

Geschichten:

Fort Wheeling — Zweiter Teil (Farbausgabe)

Autor und Zeichner: Hugo Pratt

Übersetzerin: Resel Rebiersch



Story:

Die Konflikte an der heutigen US-amerikanischen und kanadischen Grenze spitzen sich zu. Die dort siedelnden Indianerstämme werden immer massiver in die Konflikte hineingezogen, und auch unsere Protagonisten, der Amerikaner Criss Kenton, die vormals von Indianern entführte Mohena und der britische Geheimdienstoffizier Patrick Fitzgerald, müssen ihre Seiten wählen, was ihre Freundschaft erneut stark belasteten wird. In diesem Band geht es viel um Spionage zwischen den verschiedenen Kriegsparteien, vor allem aus der Sicht Criss Kentons, dessen Geschichte hier weitergeführt wird.



Meinung:

Die Handlung schließt direkt an den ersten Band an, und wird nun erstmalig in Deutschland um die zusätzlichen Seiten ergänzt, die Hugo Pratt erst im Jahr seines Ablebens (1995) veröffentlichte. Damit ist der Handlungsstrang selbst tatsächlich abgeschlossen, die Geschichte aber endet genauso abrupt, wie sie begonnen hat — sie stellt halt einen Ausschnitt aus dem Leben des Criss Kenton dar, und keine komplette Lebensgeschichte. Trotzdem finde ich diesen Schlussteil noch holpriger, als die restliche Geschichte: die Figuren stolpern hier ein wenig ungelenk durch die Handlung, persönliche Gefühle haben gar keinen Platz mehr (vermutlich aus Zeitgründen, bzw. um die Seitenzahl zu begrenzen), und die Motivationen bleiben doch eher rudimentär bzw. werden gar nicht erklärt. Auch zeichnerisch lässt dieser Endpart nach, die Striche wirken fahrig und grob, wie hastig zu Papier gebracht, und oft mit einem viel breiteren Strich als im restlichen Buch, alles zusammen wirkt dies ein bisschen skizzenhaft. Das wird man dem Autor vermutlich aufgrund gesundheitlicher Probleme nachsehen müssen, doch es verdient eine Erwähnung, finde ich.

Wirklich gestört hat mich das Schriftbild in diesem zweiten Band. Der Verlag hat sich offenbar bewusst dafür entschieden, denselben Font in derselben Schriftgröße zu verwenden, wie bei Teil eins. Grundsätzlich klingt dies schlüssig, doch Hugo Pratt hat diesmal extrem große Sprechblasen verwendet — um weniger Details zeichnen zu müssen? Oder weil er selbst größer texten wollte oder musste? Warum auch immer — die deutschen Texte wirken nun sehr klein und verlassen in den vergleichsweise riesigen Blasen. Eine aus meiner Sicht unglückliche grafische Wahl.

Was mich ehrlich gesagt ein bisschen (positiv) überrascht hat, ist die Darstellung der Beziehungen der weißen Besatzer zu den Ureinwohnern. Anders als man es aus Darstellungen in den klassischen Western und Westernthemen aus eher amerikanischer Sicht kennt, wird hier als ganz selbstverständlich gezeigt, dass sich nicht nur Familien gemischter Herkunft gebildet haben, sondern — bevor die Situation total eskalierte und man einen allgemeinen Kriegszug gegen die Indianer führte — dass die so „integrierten” Einheimischen und ihre Familien durchaus einen politischen Einfluss auf das koloniale Leben nehmen konnten und das auch taten. Das war mir bisher neu, wurde es so doch nie in eben den klassischen Western gezeigt — die spielen aber auch in der Regel mindestens hundert Jahre später und in anderen Gegenden als dem Ostkanadischen Grenzgebiet, wie es hier der Fall ist. Hierzu verwendet Pratt wieder jede Menge historischer Figuren, die am Ende des Bandes in einem kleinen Dossier mit zahlreichen Biografien der Personen vorgestellt werden — das ist sehr interessant, teilweise jedoch ein bisschen sehr schulbuchmäßig formuliert, was aber an dieser Stelle wohl nicht anders ging, denn alles ausführlichere hätte sicherlich den Rahmen dieser Veröffentlichung gesprengt. Und es gibt ein kurzes Vorwort vom Meister selbst, sowie zu Beginn rund zwanzig Seiten mit Aquarellen zur Serie, was auch diesen zweiten Band wieder sehr gelungen und rund erscheinen lässt.



Fazit:

Eine sehr schöne Ausgabe auch des zweiten Teils dieses Klassikers aus den sechziger Jahren, mit einem zusätzlichen Dossier der historischen Personen sowie zahlreichen Aquarellen, das auch wieder in zwei Versionen vorliegt: Farbe oder s/w. Erstmalig wird die Geschichte hier in einer deutschsprachigen Ausgabe vollständig veröffentlicht, da auch die ergänzenden Seiten aus dem Jahr 1995 enthalten sind. Ein unverzichtbarer Band für alle Fans der großartigen Werke von Hugo Pratt, von Western oder historischen Erzählungen ganz allgemein. Sehr zu empfehlen.



Fort Wheeling — Zweiter Teil (Farbausgabe) - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Fort Wheeling — Zweiter Teil (Farbausgabe)

Autor der Besprechung:
Uwe Roth

Verlag:
Schreiber und Leser

Preis:
€ 29,80

ISBN 10:
3965821482

ISBN 13:
978-3965821484

136 Seiten

Bewertungen unserer Redaktion und unserer Leser

Positiv aufgefallen
  • Ein erstmals vollständiger zweiter Teil des Klassikers.
  • Wahlweise in Farbe oder s/w.
  • Ein interessanter und neuer Blick auf die interkulturellen Verhältnisse damals.
Negativ aufgefallen
  • Zu kleiner Text in den großen Sprechblasen.
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
1
(3 Stimmen)
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Rezension vom: 11.04.2024
Kategorie: Alben
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