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Comic-Besprechung - Ein unerwarteter Todesfall

Geschichten:

Ein unerwarteter Todesfall
Autor / Zeichner / Colorist: Dominique Monféry



Story:

Edith ist ihrem gewalttätigen Ehemann entkommen und in die USA geflohen wo sie sich mit ihrem neuen Lebensgefährten einigen Goldsuchern am Yukon anschliesst. Der frühe Wintereinbruch hält sie in der Wildnis fest und die Nerven liegen langsam brach. Als ein Mord geschieht werden die Grenzen zwischen Wildnis und Zivilisation immer brüchiger.



Meinung:

Die in sich abgeschlossene Graphic Novel Ein unerwarteter Todesfall hat einen sehr starken Auftakt. Im Grunde sieht man auf der Inhaltsebene nur wie eine Frau ihr Haus verlässt und anhand des symbolhaft stark hervorgehobenen Schlüssels den sie in der Tür stecken lässt, wird mehr als deutlich das sie nie mehr wiederkommen will. Dass sie bislang in einer bedrückenden Atmosphäre lebte macht die Farbgebung, die Enge der Fassaden und der Nebel deutlich. Die erste Seite zieht einen schon in seinen Bann, aber die Off-Kommentare geben mehr als nur eine Bestätigung was man sieht und in die Bilder interpretiert.

Die Frau verlässt England und ihren gewalttätigen Ehemann um in die USA auszuwandern. Je mehr Hoffnung sie auf ein glückliches Leben entwickelt, desto heller werden auch die Farben und verlassen die düstere Palette des Einstieges. Das kann man jetzt als klischeehaft empfinden, England dunkel und neblig, USA hell und strahlend, aber die Farben geben vielmehr die Stimmung der Heldin wieder und wechseln ebenso wie die Emotionen sehr stark in dem Band. Generell sind die Zeichnungen der größte Pluspunkt. Manches wird zwar innerhalb der Story recht schnell abgehandelt wie der historische und gefährliche Weg über die Berge bei dem Klondike Goldrausch, aber die Zeichnungen vermitteln dennoch innerhalb weniger Panels das Leid, die Intensität und die Gefahr.

Umso mehr erstaunt es das der Zeichner und Autor in Personalunion Dominique Monféry seinen eigenen Zeichnungen nicht wirklich zu trauen scheint. Nicht nur nutzt er den Off-Kommentar viel zu oft, sondern auch viel zu redundant, weil er gleich selbst die Interpretationen dessen gibt, was er mit seinen Zeichnungen ausdrücken will. Entweder er traut seiner Leserschaft nicht zu seine Intentionen zu erkennen, was einen schon ärgert, oder er sieht sich mehr als einen verhinderten Literaten und die Comics nur als Notlösung. Was ebenso ärgerlich ist. Dabei haben die Zeichnungen eine enorme Wirkkraft und vieles was in den Off-Kommentaren gesagt wird, hätte besser den Platz in den Dialogen finden sollen, was manche Füllszenen mehr Leben gegeben hätte. 

Zentrales Element in dieser Geschichte ist eine Liebesgeschichte. Leider ist die schon nicht glaubhaft denn es wird nicht gezeigt wie sich die Liebe entwickelt und wie die beiden Liebenden zueinander finden, sondern nur wie sie später zerbricht. Da hätte man sich mehr Zeit nehmen sollen anstatt es wieder in wenigen Panels und vielen Off-Kommentaren zusammenzufassen, denn so lassen einen die Beziehung und die Charaktere kalt. Der Mord, obwohl Titelthema, kommt dennoch überraschend und das Drama mit dem Konflikt wie sich innerhalb der Wildnis noch Werte der Zivilisation aufrecht erhalten lassen können, hat durchaus Sprengkraft, kratzt aber nur an der Oberfläche. Aber es wird gut herausgearbeitet wie dünn die Grenze zwischen den Ebenen ist.

Manches war bislang ärgerlich, anderes sehr gelungen, aber das Beste an dem Band ist die gefährliche Reise durch die winterliche Landschaft und der Kampf gegen die Wölfe. Zeichnerisch ist das grandios und dramaturgisch extrem spannend und bleibt einem länger im Gedächtnis. Leider wird danach ein Klischee aufgegriffen, noch dazu unlogisch, um aufzuzeigen wie sehr die Heldin innerlich gewachsen ist. Das ist ein Anti-Klimax der noch durch ein vollkommen überflüssiges kitschiges Ende getoppt wird.

Es hätte ein Meisterwerk werden können wenn Monféry mehr Selbstbewusstsein gehabt hätte. So bleiben einem einzelne Szenen die sich ins Hirn gebrannt haben und andere die man möglichst schnell wieder vergessen will.



Fazit:

Sehr starke und symbolische Zeichnungen werden leider durch ausufernde Off-Kommentare geschmälert. Ein kitschiges Ende hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck, aber es gibt auch Szenen die sich ins Gedächtnis graben. Mit mehr Selbstbewusstsein hätte es ein Meisterwerk werden können, nur wird leider die Chance vertan weil der Zeichner seinen eigenen Bildern nicht traut.



Ein unerwarteter Todesfall - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Ein unerwarteter Todesfall

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Splitter Verlag

Preis:
€ 22,00

ISBN 10:
3987211393

ISBN 13:
‎ 978-3987211393

96 Seiten

Bewertungen unserer Redaktion und unserer Leser

Positiv aufgefallen
  • starke symbolische Zeichnungen
  • Reise durch die Winterlandschaft beeindruckend
  • Thema der zivilisatorischen Werte in der Wildnis
Negativ aufgefallen
  • ausufernder Off-Kommentar
  • Interpretation seiner eigenen Bilder
  • kitschiges Ende
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
1
(1 Stimme)
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Rezension vom: 07.11.2023
Kategorie: Alben
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