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Comic-Besprechung - Heart of Gold 1: Der erste Akt

Geschichten:

Heart of Gold 1: Der erste Akt

Autor und Zeichner: Viv Tanner & Eliot Baum

Übersetzer: Silvano Loureio Pinto



Story:

Der junge Pianist Ionel bekommt nach und nach immer größere Probleme mit seinem Augenlicht. Er sucht Hilfe bei einem Priester, der in seinen wöchentlichen Gottesdiensten Wunderheilungen anhand von Handauflegen praktiziert. Doch bei Ionel weigert er sich hartnäckig, aber geschickt, ihm zu helfen. So sucht Ionel immer mehr die Nähe des Priesters — mit ungewissem Ausgang.



Meinung:

Bei dem vorliegenden Buch handelt es sich um einen dicken Band, dessen Seiten in wirklich beeindruckenden Bildern die angestrebten Stimmungen und die Gefühle der Charaktere auszudrücken weiß. In leichten Pastellfarben und ganz zarten Umrandungsstrichen werden Personen und Gegenstände dargestellt und, wie ich vermute, in einer Computerkolorierung eingefärbt, die ein bisschen wie Couleur Directe wirkt. Das alles wirkt atmosphärisch sehr dicht und trägt den Leser sehr tief in die Geschichte hinein. Doch ab dieser Geschichte habe ich ein bisschen Probleme mit dem Buch.

Es beginnt damit, dass lediglich der Rückentext Hinweise darauf gibt, wo die sich Handlung eigentlich zutragen soll. Offensichtlich in einer französischen Kleinstadt — aber warum? Und warum nicht in Österreich, dem Wohnort der beiden deutschsprachigen Künstler? Das wird aus der Handlung nicht klar, wie auch der Rest des Rückentextes in diesem Buch einfach nicht erzählt wird: die große Verschwörung um die Machenschaften des Priesters ist einfach nicht da, und Ionel lässt uns nicht merken, dass er irgendetwas seltsam findet. Im Gegensatz: merkwürdig ist eher, dass wir nicht wissen, ob er zum Beispiel wegen seines Albinismus bereits mal bei einem Arzt war. Und auch nicht, warum er die offensichtliche und nicht weiter begründete Abweisung durch den Priester Dunant ohne jede Regung oder Kommentar erträgt. Die ganze Geschichte bleibt in diesem ersten Band für mich etwas zu mysteriös. Vielleicht fasst der Rückentext auch bereits mehr als nur den ersten Teil zusammen?

Und ähnlich geheimnisvoll bleiben auch die Autoren. Im Netz ist, trotz eigener Sites, kaum etwas über sie zu erfahren. Während der Verlag sie als „deutschsprachiges Künstlerduo aus Österreich” bewirbt, vielleicht auch um in die Riege der Förderer deutscher Nachwuchstalente aufzusteigen (?), scheint es so, dass die beiden wohl in Wien leben und arbeiten, aber zumindest Viv (Viviane) Tanner schweizer Wurzeln hat. Nur die Sprache verbände sie dann mit „unserem” Nachwuchs, aber das ist doch auch schön — wenn das Werk nicht online vorab veröffentlicht worden wäre, und zwar auf Englisch! Für die Netzpräsenz und die erhoffte Aufmerksamkeit sicher wichtig und richtig, aber so benötigt dieses Buch halt eine Übersetzung. Das ist bei „deutschsprachigen” Künstlern zumindest mal ungewöhnlich, und wäre einer Erwähnung wert gewesen. Doch leider bleibt der Verlag in dieser Hinsicht bedeckt, und auch über die Autoren scheint dort Niemand mehr zu wissen, als was bereits auf dem Rückentext steht.

Die Veröffentlichung im Netz hat offensichtlich bereits im Jahr 2016 begonnen und läuft derzeit noch weiter. Es ist dort bereits ein „Zweiter Akt” veröffentlicht worden, der die Geschichte mit nochmals 200 Seiten bereits in epische Gefilde trägt, zumal mindestens noch ein dritter Teil angedacht zu sein scheint. Auch über diese Vorabveröffentlichungen schweigt sich der Verlag aus: vielleicht scheut man sinkende Verkaufszahlen, wer weiß, aber auch das wird bei anderen Projekten und anderen Herausgebern (z.B. „Sechs aus 49”) eher offen kommuniziert.

Alles bleibt ein bisschen mysteriös in diesem Buch, der Name der Hauptperson ist übrigens rumänischen Ursprungs und ist ein Diminutiv (Verkleinerungsform) von Johannes, was sicher im Bezug steht zu dem stark religiösen Setting der Handlung, und auch von Dunant einmal aufgegriffen wird. Versteht man an der Stelle aber ohne Erklärung wahrscheinlich nicht.

Das Buch ist übrigens über weite Strecken textlos (das half sicher bei der Übersetzung), was aber nicht stört, da es den Autoren wirklich hervorragend gelingt, durch nur kleine Gesten und die Mimik der beiden Akteure absolut deutlich zu machen, wie sie sich gerade fühlen. Lediglich die Beweggründe bleiben uns verschlossen. Und mit dem starken Hang Ionels zur Religion, ja seiner Hingabe geradezu, muss man klarkommen können — mit dieser Facette hatte ich so aufgrund des Rückentextes auch nicht gerechnet.

Das alles ist vielleicht noch viel stärker als Krimi oder Mystery geplant, als es angekündigt war, sodass wir wie bei einem „Whodunnit” mitraten sollen? Dann muss man sehen, wie es weitergeht — vielleicht werden die folgenden Bände die Geschichte übersichtlicher machen?



Fazit:

Ein Buch mit unzweifelhaften, zeichnerischen Stärken — aber auch einer etwas undurchsichtigen Handlung, bei der die Beweggründe der Akteure (noch ?) schleierhaft bleiben. Die Zeichnungen sollte man gesehen haben, für die Geschichte braucht man wahrscheinlich ein bisschen Durchhaltevermögen. Schaut mal hinein.



Heart of Gold 1: Der erste Akt - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Heart of Gold 1: Der erste Akt

Autor der Besprechung:
Uwe Roth

Verlag:
Cross Cult

Preis:
€ 30,00

ISBN 10:
3986662200

ISBN 13:
978-3986662202

156 Seiten

Bewertungen unserer Redaktion und unserer Leser

Positiv aufgefallen
  • Starkes Artwork mit sehr stimmungsvollen und ausdrucksstarken Bildern.
Negativ aufgefallen
  • Die Geschichte ist in diesem Teil irgendwie noch nicht rund.
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
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Rezension vom: 19.08.2023
Kategorie: Alben
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