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Comic-Besprechung - Wet Moon

Geschichten:
Wet Moon I
Autor und Zeichner: Atsushi Kaneko, Übersetzung: Yvonne Gestheimer

Story:
Anfang der 60er Jahre wird eine Frau in einem japanischen Badeort brutal ermordet. Der junge Inspektor Sata ermittelt in dem Fall. Und stößt schon bald an seine Grenzen.

Meinung:
Allen Comics ist gemein, dass es den breiten Mainstream gibt. Und dass es dann auch noch Publikationen existieren, die gewohnten Konventionen brechen, die die Möglichkeiten dieser Unterhaltungsform ausloten. "Wet Moon" von Atsushi Kaneko ist so ein Beispiel dafür.

Denn der Manga wiedersetzt jeglichen Regeln des japanischen Comics. Was der 1966 in Sakata/Präfektur Yamagata präsentiert, orientiert sich nur bedingt an anderen bekannten Mangas. Vielmehr zeigen sich Einflüsse von Film und ebenfalls Musik in seinen Werken. Aber ebenso zählen Alfred Hitchcock, David Lynch und Quentin Tarantino zu den Personen, die sein Schaffen beeinflussen, was auch für den Stummfilmkünstler Georges Méliès und den japanischen Zeichner Suehiro Maruo gilt.

"Wet Moon" ist das Deutschlanddebüt des Künstlers. Band 2 der Trilogie ist für Dezember dieses Jahres angekündigt worden.

Anfang der 60er Jahre in Japan: Während im Rest der Welt der Wettlauf um die erste bemannte Mondlandung in vollen Gängen ist, wird an einem Badeort eine Leiche aufgefunden. Für die örtliche Polizei, die fast vollständig korrupt ist, besteht kein großer Antrieb, den Fall aufzuklären.

Doch für den jungen Inspektor Sata ist das kein Anlass, stillzuhalten. Er will ermitteln. Gleichzeitig leidet er jedoch unter einem Splitter im Kopf, der sein Bewusstsein beeinflusst. Und schon bald stellt sich die Frage, was Wahrheit ist und was nicht, als er immer wieder in einen Strudel an mysteriösen Ereignissen gerät.

Mysteriös beschreibt diesen Manga hervorragend. Ganz im Sinne seiner Vorbilder präsentiert Atsuszhi Kaneko eine verwirrende Story. Die Erkenntnis, das nichts so zu sein scheint, wie es aussieht, trifft es auf diesen Band deutlich zu.

Der Beginn der Geschichte erscheint noch normal. Inspektor Sata verfolgt eine junge Frau und verliert sie aus den Augen. Danach blendet die Story um und man erfährt von seiner schwerwiegenden Kopfverletzung, die sein Bewusstsein beeinträchtigt und lernt anschließend die Leiche kennen. So weit so gut, doch dann wird es verwirrend. Denn Sata scheint von der Frau besessen zu sein, die er verfolgt hat. Er meint, sie wäre eine Mörderin und hängt überall Fahndungsplakate aus. Und zwar privat, und nicht dienstlich, was seine Wahrnehmung bezweifeln lässt. Denn wieso sollte er sonst dies nicht auf dem offiziellen Rechtsweg machen?

Und dann wird regelmäßig auf die Kopfwunde geschnitten, in deren Inneren der Splitter anscheinend arbeitet? Die Geräusche lassen darauf hin schließen. Interessant ist, dass das nur dann geschieht, wenn der Protagonist gestresst ist. Was im Laufe des Mangas oft genug geschieht.

Woher hat er die Kopfwunde? Was geschieht mit ihm? Und was hat es mit der mysteriösen Frau auf sich? Oder wieso ist sein einstiger Chef tot?

Das sind nur einige der Fragen, die man sich im Laufe von »Wet Moon« wiederholt stellen wird. Atsushi Kaneko bietet darauf keine Antwort. Es gibt nur vereinzelte Andeutungen, und selbst die lassen einen unbefriedigt zurück.
Es geht dem Mangaka auch anscheinend nicht darum, sofort Lösungen zu präsentieren. Im Gegenteil: Sein Ziel scheint es wirklich zu sein, den Leser zu verwirren und ihn so dazu zu animieren, den Manga weiterzulesen. Und zumindest das erste Ziel erreicht er, denn man hat zwischendurch keine Ahnung, worauf der Künstler hinauswill.

Was einen am Ende dazu bringt, den Manga zu lesen, sind die Charaktere. Man weiß nämlich nicht so ganz, was man Sata halten soll. Soll man Mitleid mit ihm haben? Soll man ihm die Daumen drücken, dass er nicht in den Strudel der Korruption gerät? Oder ist am Ende er derjenige, der hinter dem Mord steckt?

Die Korruption wird durch seine Kollegen repräsentiert. Allen voran Kommissar Mori scheint großes Interesse daran zu haben, seinen jungen Kollegen zu korrumpieren. Und so zeigt er ihm die Annehmlichkeiten von jemanden, der es mit dem Gesetz nicht so genau nimmt. Hinter dieser Aktion steckt allem Anschein nach das Bemühen Sata davon abzuhalten, etwas Bestimmtes herauszufinden, oder ihnen in die Quere zu kommen. Nur was? Das bleibt natürlich, wie auch viele anderen Rätsel, offen.

Atsushi Kaneko reichert seine Story mit viel Symbolik. Wiederholt gibt es Darstellungen des Monds in allen Arten zu finden oder werden kreisrunde Formen in den Mittelpunkt gerückt. Ebenso regelmäßig sieht man das bekannte Motiv aus Georges Méliès berühmten Stummfilm "Reise zum Mond", wo die Kapsel der Reisenden in das Gesicht des Mann im Mondes einschlägt, in Ausschnitten. Auch hier ist nicht ganz klar, was der Zweck dieser Symbolik ist.

Abgesehen davon sind die Illustrationen von Kaneko hervorragend. Seine Charaktere sehen realistisch aus. Und nur ab und streut er Zeichnungen von Personen ein, die befremdlich wirken. Das sind entweder Figuren wie der Bürgermeister, der einen riesen Tumor am Hals hat, oder der Polizeichef, der wie an einem Beatmungsapparat hängt. Des Weiteren spielt er mit Licht und Schatten, so dass eine dunkle und mysteriöse Atmosphäre entsteht, passend zu der verwirrenden Geschichte des Mangas. Dass er Film studiert hat, zeigt sich auch am Aufbau der Erzählung. Viele Panels wirken wie schnelle Schnitte aus einem Leindwandstreifen und passen so zu der filmartigen Präsentation der Story.

Trotz der verwirrenden Story sollte man trotzdem "Zugreifen".


Fazit:
»Wet Moon« von Atsushi Kaneko widersetzt sich jeglichen Konventionen, die es in den japanischen Comics normalerweise gibt. Der Mangaka erzählt konsequent eine Geschichte, die mehr westlich als östlich orientiert ist. Die Illustrationen zeigen, dass er Film studiert hat und spielen mit Licht und Schatten. Wiederholt baut er Symbole ein, wie zum Beispiel den Mond in verschiedenen Formen. Allerdings erschließt sich der Sinn nicht, was auch für die Story gilt. Die Fragen, die man sich im Laufe der Geschichte stellt, werden immer mehr und nicht weniger. Was auf Dauer stark frustrierend ist, trotz der guten Charaktere.

Wet Moon - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Wet Moon

Autor der Besprechung:
Götz Piesbergen

Verlag:
Carlsen

Preis:
€ 19,90

ISBN 13:
978-3-551-76903-9

260 Seiten

Positiv aufgefallen
  • Gelungene Illustrationen
  • Interessante Charaktere
  • Ein etwas anderer Manga
Negativ aufgefallen
  • Zu viele Fragen, die nicht geklärt werden
  • Keine Andeutung, was die Symbolik bedeutet
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
1
(1 Stimme)
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Rezension vom: 10.10.2015
Kategorie: Wet Moon
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