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Comic-Besprechung - Marilyn the Wild

Geschichten:
Marilyn the Wild
Autor: Jerome Charyn, Frederic Rebena
Zeichner / Colorist: Frederic Rebena

Story:
Deputy Chief Isaac Sidel ist der heimliche Herrscher der Lower East Side in New York. Denn er glaubt, dass er nur das Verbrechen in Schach halten kann, wenn er ähnlich wie die Mafiafamilien agiert. Seine wilde Tochter Marilyn macht ihm aber einen Strich durch die Rechnung, indem sie immer wieder gegen ihren Vater rebelliert und eine Affäre mit einem seiner Mitarbeiter beginnt. Zudem macht eine kleine Bande die Straßen unsicher. Dabei scheint diese mit ihren Aktionen direkt auf Sidel persönlich zu zielen. Kann er den Untergang seines Systems aufhalten?

Meinung:
Frederic Rebenas Comicadaption des Romans Marilyn the Wild aus der Feder von Jerome Charyn ist sehr interessant ausgefallen. Wobei alleine schon die Story überrascht, befremdet und interessiert. Das klingt jetzt zu Recht als ein Paradox und in der Tat ist auch die Story ähnlich ausgefallen. Denn die neue Krimiadaption aus dem Hause Schreiber und Leser ist ein Krimi und zugleich keiner. Jedenfalls gibt es keine Krimihandlung wie man sie gemeinhin als solche versteht. Es geschieht kein Mord, dessen Aufklärung alles folgende in Gang setzt. Es geht auch nicht um Verbrecher, die einen Coup planen. Alle typischen Krimi- und Thrillerhandlungen sind hier nicht vorhanden. Und doch ist es ein Krimi. Warum? Weil die psychischen Dimensionen der Figuren ausgelotet werden. Alle befinden sich in der Grauzone zwischen Recht und Unrecht. Die Polizisten sind korrupt und gewalttätig und haben ihr eignes kleines Reich aufgebaut, um die Bürger schützen zu können. Doch damit schaffen sie sich auch Feinde. Und darum geht es hier. Alle Taten, Handlungselemente und deren Folgen sind rein durch die Charaktere angetrieben. Es gibt wenig, was sie von außen antreibt wie etwa ein Mord der aufgeklärt werden soll. Es gibt zwar eine Gang, die Leute angreift, welche dem leitenden Polizisten nahe stehen, was die Geschehnisse in das Laufen bringt, aber das Augenmerk liegt auf den Figuren selber, die jeweils ihrer Situation entfliehen wollen. Jeder ist in sich und seiner Situation gefangen und sucht nun verzweifelt nach einem Ausweg, wobei ihm nicht nur die anderen, sondern oftmals auch man selbst sich im Wege steht. Und in dieser Hinsicht ist Marilyn the Wild ein typischer Vertreter des Krimi Noir. Manches bleibt auf der Handlungsebene etwas unklar, aber da die Motive immer persönlich sind, ist das auch nicht so wichtig.

Letztendlich muss die unsympathische Hauptfigur erkennen, dass alles Leid nur von ihrem Status ausgeht und dass Besitz schwächt. Um herrschen zu können, muss man auch loslassen und delegieren können. Indem die Hauptfigur immer nur schützen wollte, hat er erst recht Leid verursacht, welches sich nun in seinem Umfeld niederschlägt. In der Erkenntnis dessen liegt ein Verlust und Gewinn gleichzeitig.

Aufgrund der untypischen Elemente ist der Band sehr reizvoll und spannend. Wobei letzteres nicht in der Action begründet liegt, keine Sorge für den Fan: Sex und Gewalt kommen vor, sondern darin wie wohl die Figuren handeln mögen.

Graphisch ist das alles gelungen umgesetzt, aber doch mit einigen kleineren Mängeln. Die Gesichter sind leicht expressionistisch umgesetzt, was die Verlagerung auf die Psyche deutlich macht. Paradoxerweise ist die Mimik aber doch relativ starr und vor allem die körperlichen Bewegungen entfalten nicht immer eine Dynamik, sondern erstarren in Posen. Dennoch lebt auch die Graphik von den Paradoxien, indem sie die Mittel des Underground anwendet, um von der Grauzone der Psyche zu erzählen und sich einem glatten, gefälligen Strich verweigert. Und ebenso wie in der Story die Handlungen an sich nicht allzu wichtig sind, so passt das in der Vernachlässigung der Darstellung der körperlichen Dynamik.

Gerade die Paradoxien dürften manche Leser ansprechen, andere aber auch sehr befremden. Einen Blick hinein ist der Band auf jeden Fall wert.


Fazit:
Ein ungewöhnlicher, aber auch deswegen spannender Krimi. Die Adaption eines Romans von Charyn interessiert sich weniger für Action oder eine detektivische Aufklärung, sondern beleuchtet die Charaktere und deren Psyche. Dazu passend ist der Strich leicht expressionistisch aber auch manchmal starr. Ungewöhnlich und deswegen interessant, wenngleich etwas gewöhnungsbedürftig.

Marilyn the Wild - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Marilyn the Wild

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Schreiber und Leser

Preis:
€ 18,80

ISBN 10:
3943808041

ISBN 13:
978-3-9438-0804-9

80 Seiten

Positiv aufgefallen
  • ungewöhnlicher Storyansatz
  • spannende Charaktere
  • expressive Zeichnungen
Negativ aufgefallen
  • manchmal etwas starr
  • unsympathische Figuren erschweren Zugang
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Rezension vom: 16.02.2013
Kategorie: One Shots
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