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Comic-Besprechung - Corto Maltese 13 – Unter der Mitternachtssonne

Geschichten:
Text: Juan Diaz Canales
Zeichnungen: Rubén Pellejero


Story:
Corto Maltese hat von seinem Freund Jack London einen Auftrag erhalten. Er soll seiner Jugendfreundin Waka Yamada einen Brief übergeben. Dafür muss er über Alaska in das nördliche Kanada reisen. Mitten hinein in ein Gebiet, dass von inneren Unruhen durchschüttelt wird. Glücksritter, Inuit, die nach Unabhängigkeit streben und kanadische Mounties, die in diesem Durcheinander versuchen für Recht und Ordnung zu sorgen.



Meinung:
Eine Frage steht am Anfang, wenn man sich zu dem neuen Corto Maltese Band äußert: Wie rezensiert man einen neuen Comic, von einem neuen Team, dessen ursprüngliche Serie zu dem Besten gehört, was Europa in der 9. Kunst zu bieten hat. Einerseits besteht die Möglichkeit Parallelen zum großartigen Vorläufer zu ziehen oder aber man betrachtet das Werk unabhängig von der Ursprungsserie. Es zeigt sich, dass es kaum möglich ist, diesen Band zu rezensieren, ohne dabei auf die von Hugo Pratt geschaffenen Parameter einzugehen. Des Weiteren sei gesagt, dass als Grundlage die „Klassik Edition“ – also der Band in s/w – diente. 
„Unter der Mitternachtssonne“ ist ein Band, der prall angefüllt ist mit skurrilen Charakteren, die interessanter Weise zum Teil auf reale Personen zurückgehen. Da ist beispielsweise Waka Yamada, eine der Schlüsselfiguren der Geschichte. Yamada war Prostituierte, wie auch bei Corto, lebte von 1879 bis 1957 und setzte sich vehement für die Rechte der Frauen ein. Oder auch Matthew Hanson (1866 – 1955), der afro-amerikaner, der mit Robert Peary 1909 den Nordpol erreichte, aber nie am Ruhm der Leistung teilhaben durfte, eben aufgrund seiner Hautfarbe. Neben dem australischen Boxer Frank Slavin wäre da dann noch Grigori Jefimowitsch Rasputin, der russische Wanderprediger und Geisterbeschwörer. Ein reiches Füllhorn an bekannten Persönlichkeiten, mit dem das neue Corto-Team in der Tradition von Hugo Pratt steht. 
Die Einführung der Personen ist dabei nicht aufgezwungen. Juan Diaz Canales gelingt es, diese glaubwürdig in den Verlauf der Geschichte einzubinden. Wie nebenbei trifft Corto beispielsweise auf Matthew Hanson, philosophiert mit ihm über seine Leistung am Nordpol und lässt den afro-amerikanischen Entdecker seine Situation mit Bitternis und Sarkasmus analysieren: „Uns schwarze übersieht man offensichtlich sogar im ewigen Eis“.
Die größte Herausforderung für den neuen Texter Canales, der vor allem durch seinen grimmigen Kater-Detektiven in der Serie „Blacksad“ in Erscheinung getreten ist, dürfte dabei aber beim Protagonisten der Serie gelegen haben. Hugo Pratt hat einen Weltbürger geschaffen. Voller Wehmut und ständig alleine. Tristan Garcia, französischer Schriftsteller und Philosoph, formuliert es in dem lesenswerten Vorwort so: „Corto Maltese ist in seinem Element dort, wo die Grenzen nicht klar gezogen sind, wo nationale, ethnische politische und religiöse Zugehörigkeiten einander überlagern – in den Regionen mit unklarer Identität“. Und Corto ist ein Philosoph. Er beobachtet seine Umwelt und kommentiert dezidiert. 
Diese Lebenseinstellung des Kapitäns ohne Schiff ist einer der Hauptmerkmale der Serie. Canales musste im Sinne Pratts damit fortfahren, um nicht die Identität der Hauptfigur zu zerstören. In weiten Bereichen der Geschichte gelingt ihm dies auch. An einigen Stellen merkt man allerdings dem Spanier an, dass er um Tiefgang bemüht ist. Dies kann aber auch in der jeweiligen Biographie der beiden Comickünstler begründet sein. Pratt und Canales sind in etwa im gleichen Alter, als Sie mit den Arbeiten an Corto Maltese beginnen. Pratt war 40 Jahre alt, als die Südseeballade erschien, Canales ein bißchen älter. Allerdings war Hugo Pratt durch seinen Lebensstil ein wenig mehr Corto als es sein spanischer Nachfolger je sein wird. Aber alles in allem gelingt es Canales eine spannende Abenteuergeschichte zu erzählen, mit einem sehr starken Corto Maltese. 
Rubén Pellejero setzt die Geschichte in atmosphärisch dichte Bilder um. In Deutschland ist der 1952 in Spanien geborene Zeichner vor allem durch seine Serie Dieter Lumpen bekannt. Die zwischen 1985 und 1995 für die Zeitschrift Cairo entstandene Serie bildete eine gute, und das ist keinesfalls abfällig gemeint, Vorarbeit zu Corto. Denn Lumpen ist ein Abenteurer, der bei Maltese sein großes Vorbild findet. Der Spaß, den Pellejero beim Zeichnen hatte, springt einem aus jeder Seite entgegen. Fast auf jeder Seite gibt es ein Panel, das sich auf DIN A3 ausgedruckt hervorragend als Wandschmuck machen würde. Seine schwarz-weiß Kontraste sind überragend. Besonders stark ist er immer dann, wenn das Licht nicht ganz ausreicht, in der Dämmerung oder in einem Raum, der nur durch eine Öllampe spärlich beleuchtet wird.


Fazit:
Die Fußstapfen in die Canales und Pellejero bei Fortführung des Corto Maltese Universums treten mussten waren riesig. Aber sie füllen sie schon jetzt sehr gut aus. Ihnen gelingt es eine klassische Abenteuergeschichte zu erzählen und dabei auf die Zutaten von Pratt zurückzugreifen. Der Band reiht sich damit nahtlos in die schöne Corto Maltese Edition von „Schreiber und Leser“ ein. Zur Wahl stehen wieder eine Farbausgabe oder eine in limitierter Auflage veröffentliche schwarzweiße Edition mit Variant-Cover. 


Corto Maltese 13 – Unter der Mitternachtssonne - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Corto Maltese 13 – Unter der Mitternachtssonne

Autor der Besprechung:
Bernd Hinrichs

Verlag:
Schreiber und Leser

Preis:
€ 24,80

ISBN 13:
978-3-946337-04-1

98 Seiten

Corto Maltese 13 ? Unter der Mitternachtssonne bei Comic Combo Leipzig online bestellen
Positiv aufgefallen
  • Hervorragende Zeichnungen
  • Fortführung des Corto-Universums
  • Schöne Aufmachung
Negativ aufgefallen
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Rezension vom: 31.05.2016
Kategorie: Corto Maltese
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