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Comic-Besprechung - Nietzsche

Geschichten:

Nietzsche

Autor: Michel Onfray
Zeichner: Maximilien Le Roy



Story:
Friedrich Nietzsche wurde 1844 als Kind eines lutherischen Pfarrers geboren.Allerdings verlor er bereits im Alter von fünf seinen Vater und ein Jahr darauf ein Geschwisterteil. Die frühe und intensive Konfrontation mit Christentum und Tod prägte sein Denken. Vor allem die spätere Lektüre von Schopenhauer brachte ihn dazu, nicht Theologie, sondern Philologie und Philosophie zu studieren. Zu Anfang ein recht mäßig erfolgreicher Professor und Schriftsteller, begann er immer mehr unter körperlichen Beschwerden zu leiden. Schließlich wurde er arbeitsunfähig, was ihm zeitlichen Raum für seine Schriften gab. Die letzten Jahre verbrachte er psychisch krank und pflegebedürftig.



Meinung:

Biographien von Schriftstellern und gerade Philosophen sind meistens nicht sonderlich dankenswert. Ein Leben am Schreibtisch ist nicht gerade prädestiniert dafür, eine spannende Biographie zu erleben, auch wenn Spuren des Lebens sich in den Werken niederschlagen. Natürlich gibt es da Ausmahmen und zu denen gehört Friedrich Nietzsche. Auch wenn seine psychische Erkrankung und die körperlichen Leiden seinen Bewegungsspielraum einschränkten, ist diese Graphic Novel über sein Leben sehr gelungen.

Das die Aussagen und Themen von Nietzsche an sich nicht verwässert, sondern komprimiert und verständlich dargelegt werden, lässt sich mit dem Hintergrund des Autoren Michel Onfray erklären. Schließlich ist er selber Philosoph und beschäftigte sich mit den Persönlichkeiten anderer Philosophen. Zwangsläufig kann eine Graphic Novel nicht die Gedanken und Themen von Nietzsche darlegen. Das kann nur das Werk selbst, aber es wird immerhin ein Einblick ermöglicht, so dass der Leser schon Lust darauf bekommt, sich näher mit der Thematik zu beschäftigen. Aber es geht auch nicht unbedingt um das Werk an sich, sondern wie es dazu kam. Nämlich die Biographie. Zu den Schwächen des Bandes gehört, dass viele auftretende Personen für den Leser unerkannt bleiben. Manche werden erst gar nicht benannt und so sind die Personen wohl nur für den Kenner der Materie erkennbar. Manche Zusammenhänge und Einflüsse bleiben demnach auch etwas unklar. Aber auch so ist der Band gut lesbar und vor allem spannend. Wobei die Spannung vor allem aus der Tragik des Lebens von Nietzsche resultiert.

Lobenswerterweise nimmt der Band auch eine Ehrenrettung vor. Vor allem während des "Dritten Reiches" wurde Nietzsche von den Nazis mißbraucht, was seine Rezeption nach dem Krieg umschleierte. Dabei war Nietzsche beileibe kein Antisemit. Aber seine Schwester, mit der er sich überworfen hatte. Elisabeth war glühende Antisemitin und später auch persönlich bekannt mit Adolf Hitler. Als Erbin des Nachlasses bearbeitete sie die Werke ihres Bruders in ihrem eigenen Sinne und verfälschte so auf derbe Art und Weise seine Aussagen. So machte sie ihn nachträglich zum Antisemiten und Befürworter des Christentums (was er beides nicht war). Es ist sehr lobenswert, dass Onfray diese Aspekte nicht verschweigt. Auch nach seinem Tod war das Leben und Werk von Nietzsche von Tragik durchwoben. Manchmal bleiben diese Aspekte etwas oberflächlich, geben aber Anreize für eine nähere Beschäftigung damit. Also ähnlich, was das Werk betrifft. Damit ist diese Graphic Novel vor allem eine Einführung.

Die allergrößte Stärke des Bandes und was seine Existenz mehr als berechtigt, sind die hervorragenden Zeichnungen von Maximilien Le Roy. Es ist einfach beispielhaft wie es ihm gelingt, prägende Erlebnisse ganz ohne Text in wenigen Bildern ausdrucksstark einzufangen. Etwa der Tod des Vaters oder des jüngeren Bruders. Die Einsamkeit des Denkers während seiner täglichen Spaziergänge ist kongenial umgesetzt in den weitläufigen Landschaftsdarstellungen, in denen sich die Figur geradezu verliert. Die Alptraumsequenzen zeigen den zunehmenden Verfall des Geistes.  Besonders die Schübe des Wahnsinns sind eindrucksvoll gestaltet. Je mehr Nietzsche von der Realität verliert, desto mehr verschwinden graphische Elemente. Erst die Farbe, dann die Hintergründe, dann die Proportionen. Es wird immer weniger und schließlich geraten die Zeichnungen so expressionistisch, wie sie auch ein Kind hätte malen können. Und ebenso hilflos wie ein Kind ist Nietzsche zuletzt. Ohne Kontrolle über sich selbst, geschweige gegenüber seinem Werk.



Fazit:
Bleiben manche Aspekte des Lebens und Werkes in Kombination mit anderen Personen noch etwas unübersichtlich, was den Charakter einer Einführung schafft, so sind es die hervorragenden Zeichnungen, welche den Band absolut lohnenswert machen. Kongenial gestaltet, vermag Maximilien Le Roy allein in graphischer Hinsicht den Wahnsinn zu illustrieren und prägende Momente ohne Worte eindrucksvoll deutlich zu machen.

Nietzsche - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Nietzsche

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Knaus Verlag

Preis:
€ 19,99

ISBN 10:
978-3813504309

ISBN 13:
978-3813504309

128 Seiten

Positiv aufgefallen
  • kongeniale graphische Umsetzung
Negativ aufgefallen
  • manche Personen bleiben unbenannt
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
1
(1 Stimme)
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Rezension vom: 16.11.2011
Kategorie: One Shots
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