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Comic-Besprechung - Mort Cinder - Gesamtausgabe

Geschichten:

Mort Cinder - Gesamtausgabe

  • Vorwort
  • Ezra Winston, Antiquitätenhändler
  • Augen wie Blei
  • Charlies Mutter
  • Turmbau zu Babel
  • In der Strafanstalt - Marlin
  • In der Strafanstalt - Der Mönch
  • Das Kirchenfenster
  • Das Sklavenschiff
  • Das Grab der Lysis
  • Die Schlacht bei den Thermopylen
  • Anhang

Autor: Héctor G. Oesterheld, Juan Díaz Canales (Vorwort)

Zeichner: Alberto Breccia

Übersetzer: Myriam Alfano



Story:

Der bereits etwas betagte Antiquitätenhändler Ezra Winston wird durch mysteriöse Hinweise zum Grab des hingerichteten Straftäters Mort Cinder geführt, wo er dessen Auferstehung aus dem Grab beiwohnt. Fortan sind ihrer beider Leben miteinander verknüpft, da Mort Cinder von den Killern einer geheimnisvollen Organisation gejagt wird, gegen die sie jedoch schlussendlich gewinnen können. Danach bietet Ezra seinem neuen Freund einen Job im Laden an, und erfährt durch ihn die Details um allerhand altertümliche Gegenstände, die der scheinbar unsterbliche Mort Cinder im Laufe seines bewegten Lebens schon einmal in Händen halten konnte.



Dieser Comic wurde mit dem Splash-Hit ausgezeichnet Meinung:

Eines vorweg: dieser Band ist einfach GRANDIOS ! Sein erzählerischer Inhalt ist vielleicht aus der Sicht des Lesers nicht ganz so zeitlos wie manch andere betagte Serie, doch die Zeichnungen sind einfach überwältigend, und vor allem in dieser neuen Auflage mit einer Reproduktion basierend auf den Originalzeichnungen. Der gesamte Stoff wurde ja bereits vor Jahrzehnten von Carlsen in zwei Softcoverbänden veröffentlicht, die jedoch drucktechnisch mit dem vorliegenden Band absolut nicht mithalten können — dort wirken die Zeichnungen größtenteils eher wie Gekrakel! Doch noch einmal auf die Originalseiten zurückzugreifen macht hier absolut Sinn, denn Breccia hat seine Zeichnungen eben nicht mit einem einheitlichen Tuschestift ausgeführt, wie man meinen könnte, sondern innerhalb jeder Zeichnung ganz unterschiedliche Stifte, Tuschen, Federn und Pinsel verwendet, teilweise sogar mit Rasterfolien gearbeitet, sodass die in alten Veröffentlichungen eher flach wirkenden schwarz-weiß Zeichnungen nun einen einerseits viel größeren Detailreichtum zeigen, und dadurch andererseits viel plastischer wirken, beinahe schon dreidimensional. Damit erschafft Breccia in schwarz-weiß-grau einen ähnlichen Effekt wie Don Lawrence in Farbe — wobei mir klar ist, das dieser Vergleich ein wenig hinkt. Doch auch ohne dass dem Leser die alte Ausgabe vorliegt (ich hatte sie), kann man an einigen wenigen Stellen im Buch den Unterschied zwischen alter und neuer Ausgabe recht gut vergleichen: denn für einige Seiten lagen die Originalzeichnungen nicht mehr vor, und es musste auf zuvor gedrucktes Material zurückgegriffen werden. Diese Seiten sind hier immer noch besser als zuvor — aber doch deutlich weniger detailliert als die restlichen, originalen Seiten. Das Endergebnis hier kann sich sehen lassen, es ist eine herausragende verlegerische Leistung.

Und obwohl ich oben angedeutet habe, dass die Handlung nicht wirklich gut gealtert sei, muss man dennoch zugeben, dass die Aussage des Verlages, Oesterheld sei seiner Zeit weit voraus gewesen, durchaus stimmt. Man muss bedenken, dass diese Geschichten immerhin bereits über sechzig Jahre alt sind (!), und dass sie eben tatsächlich im London der 50er- und 60er-Jahre spielen. Wenn man sich darauf einlässt, und die Geschichten sozusagen als „Historien”-Storys ansieht, passt der Zeichenstil auf einmal umso besser, und die Geschichten wirken gar nicht mehr so altbacken, sondern eher charmant. Vor allem dann, wenn die beiden Helden tatsächlich über Zeitsprünge oder die Erzählungen Mort Cinders noch weiter in die Vergangenheit reisen. Und hier zeigt sich die Genialität des Autors Oesterheld: Die anfangs als Gruselgeschichte gestartete Serie wird sehr schnell zum Krimi, dann zu einer Art Agentengeschichte, um über Zeitreiseelemente und die angedeutete Unsterblichkeit des Titelhelden stark in Richtung Science-Fiction zu tendieren. Doch schließlich wird sie komplett zur Historiengeschichte, wenn über Sklavenhändler und die griechische Geschichte berichtet wird. Das alles ist sehr abwechslungsreich, gut erzählt und teilweise richtiggehend spannend. Mort Cinder entwickelt sich im Laufe der Geschichten auch immer mehr zur zentralen Figur, die am Anfang nämlich eigentlich Ezra Winston war: in den ersten drei Abenteuern, vor allem in der sehr langen Hauptgeschichte „Augen wie Blei”, wird die Handlung aus Erzes Sicht erzählt — ein bisschen wie in den Klassikern von Defoe, Verne, Burroughs oder Conan Doyle, wo die Handlung immer aus dritter Sicht, auf Basis eines Notizbuchs oder Ähnlichem, erzählt wurde. Doch ab dem „Turmbau zu Babel” werden es dann Erlebnisse von Mort Cinder, ab da ist Ezra eher eine Nebenfigur. Diese Entwicklung ist interessant und unterhaltsam zugleich, kommt so doch auch ein bisschen Abwechslung zustande.

Ein Teil des Buchs ist übrigens im Querformat abgedruckt, da das auch im Original so war — die Zeitschrift „Mysterix” hat  wohl zeitweise ihr Format gewechselt gehabt. Es gibt auch ein sehr schönes Vorwort von Juan Díaz Canales, dem Autor von „Blacksad” und den neuen Folgen von „Corto Maltese”. 



Fazit:

Eine fantastische Neuausgabe dieses sechzig Jahre alten Klassikers, mit prächtigen Reproduktionen der Originalzeichnungen, die man so in Deutschland noch nicht zu Gesicht bekommen hat. Ein absolutes „Muss” für alle Fans von schwarz-weiß Comics und für Liebhaber der großen Künstler im Bereich der neunten Kunst. Absolut zu empfehlen.



Mort Cinder - Gesamtausgabe - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Mort Cinder - Gesamtausgabe

Autor der Besprechung:
Uwe Roth

Verlag:
Avant Verlag

Preis:
€ 40,00

ISBN 10:
3964450987

ISBN 13:
978-3964450982

260 Seiten

Bewertungen unserer Redaktion und unserer Leser

Positiv aufgefallen
  • Grandiose Neuausgabe dieses Klassikers.
  • Ganz große Zeichenkunst aus Argentinien.
Negativ aufgefallen
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
1.91
(11 Stimmen)
Bewertung
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Rezension vom: 01.03.2024
Kategorie: Alben
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