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Comic-Besprechung - Contrapaso: Die Kinder der Anderen

Geschichten:

Contrapaso: Die Kinder der Anderen
Autor/ Zeichner / Colorist: Teresa Valero



Story:

Madrid 1956. Schon seit langem macht ein Serienmörder die spanische Stadt unsicher. Der ältere Journalist Sanz versucht den Mörder, dessen Aktivität in der faschistischen Diktatur verschwiegen wird, zu ermitteln. Ansonsten arbeitet er sich an der Zensur ab und ist nicht gerade begeistert, einen jungen Kollegen zur Seite gestellt zu bekommen. Zwischen ihnen liegen nicht nur viele Jahre, sondern auch trennende Ideologien. Als erneut eine Frauenleiche gefunden wird, führt sie die Ermittlungen allerdings nicht zu dem Mörder, sondern zu einer ungeheuren Verschwörung.



Dieser Comic wurde mit dem Splash-Hit ausgezeichnet Meinung:

Als moderner Europäer der die offenen Grenzen im europäischen Raum zu schätzen weiß, neigt man dazu zu vergessen das bis in die 1970er Jahre eine faschistische Diktatur in Spanien existierte. Das mag daran liegen, dass sich das Land nicht komplett abgeschottet hatte und man durchaus dort Urlaub machen konnte und sich Wirtschaftspartner im demokratischen Raum befanden. Vielleicht liegt es auch daran das es hierzulande fast komplett vergessen worden ist, da die eigene Geschichte die Erinnerungen überdeckt.  Nach dem spanischen Bürgerkrieg, den die Faschisten in den 1930er Jahren gewannen, verschwand das Land mehr oder weniger von der internationalen Bühne. Zwar war das Regime von General Franco während des Zweiten Weltkrieges ein Verbündeter der Achsenmächte Deutschland und Italien, was angesichts der gleichen Ideologie nicht verwundert, aber Spanien beteiligte sich nicht am Zweiten Weltkrieg und nahm nicht an den Kampfhandlungen teil. Nach Francos Tod demokratisierte sich das Land langsam, aber manche Exzesse wurden sogar bis in die 1990er Jahre fortgeführt.

Was einem Schock gleichkommt, denn einer dieser Exzesse ist Bestandteil der Graphic Novel Contrapaso.  Zwar spielt die Geschichte in den 1950er Jahren, aber als im Nachwort betont wird das die Praxis von Zwangsadaptionen bis in die 1990er Jahre hinein reichte, ist man doch fassungslos. Im Grunde wurde in Spanien das praktiziert was man auch von südamerikanischen Diktaturen kennt: die Babys von regimekritischen Müttern, Armen oder als „asozial“ bezeichneten Frauen wurden der Mutter weggenommen und verdienten Familien der Gesellschaft (Parteimitglieder, Militärs, Funktionäre, Wirtschaftsbossen) die sich als regimetreu erwiesen hatten, als Kind gegeben. Während es in den südamerikanischen Diktaturen als ein perverses Belohnungssystem gesehen werden kann, war es in Spanien ideologisch verbrämt. Man suchte nach psychischen und physiologischen Ursachen warum man etwa Bolschewist ist und setzte eine andere ideologische Gesinnung zu der faschistischen mit einer Geisteskrankheit und körperlichen Mängeln gleich. Die Kinder zu stehlen sollte also zu einer neuen Gesellschaft führen. Eine indirekte Zucht.  

Manche Lesenden dürften das jetzt schon als Spoiler auffassen, aber die Graphic Novel hat sehr viel mehr zu bieten. Der Titel Contrapaso ist der spanische Begriff für Kontrapunkt. Das kommt aus der Musik wo der eigentlichen Melodie eine andere Melodie gegengesetzt ist. So kann man hier die Ermittlungen zweier Journalisten auffassen, die eigentlich einen Serienmörder suchen, dabei aber in andere Mordfälle hineingezogen werden. Nicht nur sind die beiden sehr gegensätzlich und ideologisch unterschiedlich geprägt, sondern es wird mit deren Recherchen und den Menschen denen sie begegnen auch ein atmosphärisches Portrait des Landes und der Gesellschaft in den restriktiven 1950er Jahren geschaffen. Dazu passen auch die gedeckten Farben die alles düster, trostlos und abweisend erscheinen lassen. Als die Journalisten erkennen das hohe Ärzte in kriminelle Machenschaften verstrickt sind, wissen sie das sie die Geschichte nicht veröffentlichen können suchen aber dennoch nach der Wahrheit weil es einfach menschlich ist. 

Vor allem liegt hier also ein Krimi vor der neben der bedrückenden Atmosphäre mit vielschichtigen Charakteren und einer Gesellschaftsanalyse beeindruckt, dabei aber die Hauptfiguren nie vergessen werden. Das die komplexe Geschichte mit sehr guten Zeichnungen nebenbei auch noch aufklärt ist ein gelungener Zusatzaspekt. Angesichts des vorliegenden Glanzstücks kann man nur hoffen, dass es eine Fortsetzung geben wird. Genug Stoff dürfte jedenfalls noch vorhanden sein.



Fazit:

Hervorragend. Neben der eigentlichen Krimihandlung wird auch noch geschichtlich aufgeklärt und ein Sittengemälde entworfen, was bedrückend aber auch faszinierend ist.



Contrapaso: Die Kinder der Anderen - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Contrapaso: Die Kinder der Anderen

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Splitter Verlag

Preis:
€ 25

ISBN 10:
3967921735

ISBN 13:
‎ 978-3967921731

144 Seiten

Positiv aufgefallen
  • Farbgebung
  • Krimi mit interessanten Charakteren
  • thematische Vielfalt und Atmosphäre
  • faschistische Diktatur wieder in Erinnerung gebracht
Negativ aufgefallen
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Rezension vom: 04.01.2022
Kategorie: Alben
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