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Comic-Besprechung - Murena Kapitel 5 & 6

Geschichten:
Die schwarze Göttin
Text Jean Dufaux
Zeichnungen: Philippe Delaby
Colorierung: Jérémy Petiqueux

Das Blut der Bestien
Text Jean Dufaux
Zeichnungen: Philippe Delaby
Colorierung: Jérémy Petiqueux


Story:
Der Machtkampf in Rom zur Zeit Neros geht weiter. Nachdem der erste Zyklus der historischen Serie mit dem Tod von Neros Mutter Agrippina, fehlt in der Politik der Stadt eine ordnende Macht. Der junge Kaiser muss sich neu aufstellen und seine Geschicke selber in die Hand nehmen. Dabei ist er zunächst noch von vielen Einflüsterern umgeben, die seine Unerfahrenheit ausnutzen wolle. Im Verlauf der Geschichte wird aber immer deutlicher, dass er die Position des Kaisers durchaus selber ausfüllen kann. Vor allem der Geisteszustand von Nero wird mit dem hier beginnenden zweiten Zyklus in den Mittelpunkt der Geschichte gestellt.


Meinung:
Philippe Delaby und Jean Dufaux, die Schöpfer von Murena, ging es nicht darum Stereotypen zu bedienen. Sie wollten ein komplexes Bild der römischen Kaiserzeit und vor allem der Person Nero zeichnen. Denn spätestens seit der Neuverfilmung von „Quo vadis?“, aus dem Jahre 1951, prägen eine Vielzahl an Klischees unser Bild über den römischen Kaiser. Peter Ustinov präsentiert uns einen Harfe spielenden, unberechenbaren, dekadenten, verweichlichten und überaus leicht zu beeinflussenden Monarchen, dessen Lethargie und Langeweile nur von seinen Gewaltexzessen unterbrochen wird. Die moderne Geschichtsschreibung weiß es anders: Nero Claudius Caesar Augustus Germanicus war ein beim Volk äußerst beliebter und agiler Kaiser, der seine Macht zu sichern verstand, klug agierte und sein Handeln unter der Prämisse der Machterhaltung stellt.
Als die beiden Comickünstler 1998 den ersten Band in Frankreich präsentierten, gingen sie ein großes Wagnis ein. Die Welle an so genannten Sandalen-Comics oder Filmen, wie beispielsweise „Adler Roms“, „Alix Senator“ aus dem Comicbereich oder „Gladiator“ bzw. „Troja“ aus dem Film-Bereich, war noch nicht losgerollt. Im Comicmetier prangte noch über allem „Alix“ vom Großmeister Jacques Martin – und damit eine Serie die bereits 1948 das erste Mal in „Tintin“ erschien. 
„Alix“ kann als eine Art Katalysator für „Murena“ verstanden werden. Denn als die Abenteuer um den ehemaligen gallischen Sklaven von Dargaud an Casterman gingen, suchte man dort einen Ersatz. Zwei Voraussetzungen mussten erfüllten sein: Erstens sollte es sich um einen realistischen Stoff handeln und zweitens sollte dieser in der Zeit der römischen Kaiserzeit spielen. Mit der Realisierung wurden dann Dufaux und Delaby beauftragt. Ein Glücksgriff, wie sich herausstellen sollte. 
Mit „Murena“ ist den beiden Künstlern allerdings sehr viel mehr gelungen, als eine reine Modernisierung von „Alix“. Bei Martin war die antike Welt strahlend, schön und edel. Die handelnden Personen hatten hohe moralische Wertvorstellungen. Selbstverständlich gab es in den Abenteuern von Alix auch Verbrecher und Schurken. Aber jene fielen auf. Sie waren nicht mehr Teil der antiken Gesellschaft, sie waren Ausnahmen.
Dufaux und Delaby zeichnen uns eine komplett andere römische Welt. Hier herrschen die Verkommenheit, die Gier und der Machtwille. Das römische Volk stand nur so lange im Interesse der Regierenden, so lange es ihnen nutzte. Ansonsten darben die Bewohner Roms in ihrem Dreck, kämpften um ihr Überleben. „Murena“ führt uns die römische Gesellschaft vor, wie sie wirklich war und nicht, wie sie lange Zeit gerne gesehen wurde. Der Wissenschaftler und historischer Berater für der Film Gladiator, Michael Green, fasste es in einem Nachwort zur Serie so zusammen: „Ja, ich bewundere Murena, gerade weil ich Historiker bin, denn durch diese Serie lernen wir die römische Antike schneller und zweifelsohne besser kennen als durch trockene Geschichtsbücher“.
Seinen Namen hat die Serie von einer fiktiven, hineingewobenen Figur: Lucius Murena. Murena wuchs gemeinsam mit Nero auf und die beiden verband eine Freundschaft. Je mehr Nero allerdings in die Machtspiele in Rom hineingezogen wird, umso mehr entfremden sich die beiden um am Ende steht zwischen Ihnen blanke Feindschaft. Murena nimmt für den Leser die beobachtende Position ein. 
Mit Delaby und Dufaux wurden keine unbekannten Künstler mit dem Auftrag beschäftigt. Bei Dufaux handelt es sich um einen der produktivsten und sicher auch erfolgreichsten Szenaristen der franko-belgischen Comicszene. Seit Ende der 1980er-Jahre verfasst er Geschichte für Zeichner. Von ihm stammen so erfolgreiche Serien wie „Giacomi C.“, „Djinn“, „Raubtiere“ oder auch „Das verlorene Land“. 
„Murena“ war für Delaby die erfolgreichste Comicserie. Der belgische Zeichner starb am 28. Januar 2014 an einem Herzversagen. Er wurde lediglich 53 Jahre alt. Großes Vorbild für ihn war William Vance, von dem er sich auch zu seinen strichigen Zeichnungen inspiriert sah. Über seinen Szenaristen, mit dem ihm eine lange Freundschaft verband, sagte Delaby einmal: „Er hat für mich in vielen Dingen eine besondere Bedeutung! Jean hat mich nicht nur als Zeichner vorangebracht, sondern auch menschlich. Das ist für mich sehr wichtig. Wir ergänzen uns ideal, und ich habe überhaupt keine Lust, ihm irgendwann untreu zu werden“.
Der Splitter-Verlag präsentiert eine schöne Ausgabe, die mit reichlich Bonusmaterial angereichert wurde. So kommen zeichnerische Vorstudien und Entwürfe zum Abdruck, wie sie auch teilweise bereits in den Hardcover-Bänden der Kult-Ausgabe publiziert wurden.
Schwerpunkt des Bonusmaterials ist aber zweifelsohne die Historie selber. Neben Texten über Nero und seiner geschichtlichen Bedeutung finden sich auf den Zusatzseiten Chronologien und ein Personenlexikon, dass die Hauptpersonen der Serie vorstellt. Besonders hilfreich ist es hier, dass eine Erläuterung dahin gehend gemacht werden, ob es sich um reale oder fiktive Persönlichkeiten handelt. Ein exzellenter Druck und eine gute Bindung runden die positive Gesamterscheinung der Bände ab.


Fazit:
Ein echter Leckerbissen für Fans von sandalen-Comics. Klischees und Realität werden auf das Feinste miteinander verwoben. Das erklärende Bonusmaterial ist das Tüpfelchen auf dem „i“. Absolute Kaufempfehlung.


Murena Kapitel 5 & 6 - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Murena Kapitel 5 & 6

Autor der Besprechung:
Bernd Hinrichs

Verlag:
Splitter Verlag

Preis:
€ 24,80

ISBN 13:
978-3-95839-381-3

128 Seiten

Positiv aufgefallen
  • Schöne Aufmachung
  • Bonusmaterial
  • Spannend erzählte Geschichte
Negativ aufgefallen
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Rezension vom: 26.05.2017
Kategorie: Alben
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