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Comic-Besprechung - Vaterland

Geschichten:
„Eine Familiengeschichte zwischen Jugoslawien und Kanada“
Autorin und Zeichnerin: Nina Bunjevac


Dieser Comic wurde mit dem Splash-Hit ausgezeichnet Die Konflikte auf dem Balkan sind zahlreich und für Ausstehende nur schwer nachvollziehbar. Hat Joe Sacco mit seinen Graphic Novels zum Jugoslawien-Krieg schon einen tiefen Einblick in die Ursprünge des Hasses gegeben, geht Nina Bunjevac dieses Thema nun von einer anderen Seite an.
Die Autorin entspringt einer serbischen Familie, die in Kanada wohnt, bis 1975 die Mutter aus der Ehe flieht und einen Teil der Kinder mitnimmt. Grund ist die zunehmende Radikalisierung des Vaters, einem glühenden Gegner der Kommunisten um Tito. In Kanada begeht er mit anderen Gesinnungsgenossen Terrorakte gegen jugoslawische Vertretungen.

Die Autorin ist in diesem Zeitraum noch ein kleines Mädchen. Sie schildert die Erlebnisse im gesamten Werk daher auch nicht aus der Ich-Perspektive, sondern als wertfreier Erzähler aus dem Off. Die Erlebnisse in Kanada zeigen bereits einen Punkt der Zeitgeschichte, welcher kaum bekannt sind. Da hier offensichtlich Erklärungsbedarf besteht, geht Bunjevac der Sache auf dem Grund und beschäftigt sich mit der serbisch-kroatischen Geschichte. Zuerst schildert sie sehr detailliert ihre Familiengeschichte. Die serbischen Vorfahren wohnen auf kroatischen Boden und geraten schnell in die aufkommenden Konflikte, welche im Zweiten Weltkrieg, nach der Besatzung des Balkans, offen ausbrechen. Die Kroaten machen nicht nur Jagd auf Juden und Roma, sondern bzw. vor allem auf Serben. Die Autorin schildert detailliert die Kriegsverbrechen, geht dabei auch auf das berüchtigte KZ Jasenovac ein und zeigt nach dem Ende des Krieges "wie Geschichte gemacht wird".

Während die 1940iger Jahre vor allem durch ihren Großvater geprägt sind, rückt bei der Erzählung der Vater erstmals so richtig beim Aufstieg der Kommunisten ins Bild. Unter dem Kapitel "Dissidentenjahre" zeigt sich schnell die Politisierung von Peter Bunjevac. Er stellt sich auf die Seite eines Kritikers von Tito, wird dafür inhaftiert und muss nach der Haft das Land verlassen. Dies ist dann auch der Beginn der Familie in Kanada und wohl auch die Auslösung der Radikalisierung.

Der Autorin gelingt mit diesem Werk folglich nicht nur ein hochinteressanter Rück- und Einblick in die serbisch-kroatische Geschichte, sondern auch eine gelungene Biografie ihres Vaters, welche seine Taten auf keiner Weise rechtfertig, jedoch die Gründe für die Motivation offenlegt. Für den Leser ist hierbei besonders wichtig, dass alle Handlungen wertfrei bleiben, denn nur so ist es überhaupt ansatzweise möglich, den Konflikt auf dem Balkan und dessen Auswirkungen bis heute zu verstehen. "Vaterland" verpasst niemanden die Märtyrer-Rolle und zeigt, wie selbst innerhalb der serbischen Gemeinschaft die Taten des Vaters umstritten sind.

Bereits das Cover lässt ein ungewöhnliches Layout erkennen. Die Künstlerin arbeitet mit detailreichen schwarz/weiß Bildern, denen durchgängig ein Raster aus Strichen und Rechtecken hinterlegt ist. Dies sorgt bei Darstellungen von Bauwerken und Räumen für eine gewisse Plastizität und verpasst der gesamten Grafik eine gelungene Schattierung, gerade weil ansonsten oftmals weiß bleibende Flächen mit Strukturen überdeckt sind.
Lediglich bei den Figuren sorgt dieses Schema für ein eher negatives Erscheinungsbild. Was auf dem Cover noch nach Schattierung aussieht, ist im Comic dann doch stellenweise zu viel des Guten. Die Gesichter der Personen sind ebenfalls mit dem Raster überdeckt, was eine unheimliche Gefühlskälte und Leere ausstrahlt. Die Künstlerin stellt beispielsweise ihre Kinderfotos dar, welche aber aufgrund des ungewöhnlichen Zeichenstils kaum Freude beim Leser aufkommen lassen. Alles wirkt eher trostlos.
Sieht man jedoch von der Darstellung der Gesichter ab, ergibt sich eine detailreiche Grafik, bei denen die akribisch durchgeführte Recherche erkennbar ist. Bilder der kroatischen Gruppierung Ustascha finden sich ähnlich wie abgebildet als Foto beispielsweise im Internet.

Der avant-Verlag hat sich bei der Gestaltung ebenfalls viel Mühe gegeben. Ein stabiles Hardcover, Fadenheftung und ein roter Leinenband am Buchrücken, das Gesamtprodukt wirkt sehr wertig und steht dem Inhalt in nichts nach.

„Vaterland“ ist somit eine wirklich herausragende Graphic Novel, die aufgrund persönlicher Erfahrungen der Autorin nicht nur als Berichterstattung zum serbisch-kroatischen Konflikt dient, sondern auch eine Bearbeitung der eigenen familiären Zusammenhänge beinhaltet. Dies sorgt für eine enge Bindung des Lesers an die Geschichte, da die Figuren nicht aus der Luft herausgegriffen sind und eine gewisse emotionale Bindung existiert. Mitsamt der außergewöhnlichen Grafik und der hochwertigen Produktion stellt dieses Werk eine Bereicherung in jedem Bücherregal dar.

Vaterland - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Vaterland

Autor der Besprechung:
Christian Recklies

Verlag:
Avant Verlag

Preis:
€ 24,95

ISBN 13:
978-3-945034-16-3

156 Seiten

Positiv aufgefallen
  • detailreicher Einblick in den Balkan-Konflikt mit persönlicher Note
  • teilweise fotorealistische Grafiken
  • edles Hardcover mit Fadenbindung
Negativ aufgefallen
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
1
(1 Stimme)
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Rezension vom: 14.01.2016
Kategorie: One Shots
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