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Comic-Besprechung - Robocop

Geschichten:
Robocop - Volume One
Geschichte:
Frank Miller
Autor: Steven Grant
Zeichner: Juan Jose Ryp
Farben: Nimbus Studios, Austin McKinley, Mark Sweeney


Story:
"What's your name, son?", fragt am Ende der Vorstandsvorsitzende des Konzerns OCP und der Cyborgpolizist mit dem plakativen Namen Robocop antwortet mit einem verschmitzten Lächeln: "Murphy!" So endete die erste Begegnung mit OCP. Doch für Detroit bleibt das Unternehmen ein Januskopf sondergleichen. So setzt es auch gleich zum zweiten Schlag an und versucht die schwierige Situation der Stadt für sich auszunutzen. Während der etwas aufmüpfig gewordene Robocop wieder auf Linie getrimmt oder gar ersetzt werden soll, wird anlässlich des Streiks der Detroiter Polizei eine private Einsatztruppe wehrhaft gemacht und auf die Strassen gelassen, um die Ordnung wieder herzustellen. Aber eine Ordnung, wie sie OCP versteht. Um Detroit nach dessen Vorstellungen umzugestalten, geraten bald die Polizisten selbst ins Visier und nur Robocop kann die Lage noch retten. Wenn ihn seine neue Programmierung nicht Kopf und Kragen kostet.


Meinung:
Das Kino mag hier mal wieder die Nachfrage diktieren. Ein weiteres Reboot steht an und diesmal hat es den lieben Robocop aus den 80ern erwischt. Im neuen Film scheint er zwar erst in den 90ern angekommen zu sein, aber bei aller berechtigten oder unberechtigten Kritik hat die Neuverfilmung ein gutes. Der alte Robocop wurde einer erneuten Prüfung unterzogen und darf jetzt vom Index befreit wieder auf den Markt geworfen werden. Was auch, wohl sehr erfolgreich, dann auch geschehen ist. Aber dies soll jetzt keine Movie-Review werden, sondern im Blickpunkt steht der aktuell bei Cross Cult herausgekommene Comic mit dem ebenfalls schlichten Titel Robocop.

Dahinter verbirgt sich eine kleine Zeitreise in eine Ära, in der Frank Miller noch eine ganz große Nummer war, ohne den leichten Anstrich eigentlich ein reaktionäres - entschuldigung - A&$?#loch zu sein. Holy Terror und seine Kommentare zu Occupy waren noch fern und er mit Werken wie The Dark Knight Returns und Daredevil ein Platzhirsch, der schließlich auch in Hollywood Aufmerksamkeit erregte. So sehr, dass er das Drehbuch für die Fortsetzung des Überraschungshits Robocop schreiben sollte. Die vorgelegte Fassung galt dann als unverfilmbar und nur wenige Elemente haben es dann in den Film geschafft, der 1990 in die Kinos kam. Für Miller eigentlich kein Grund zum sich grämen. Im Comicbereich sollten bei Ihm Hard Boiled und Martha Washington folgen und seinen Film sollte ihm dann irgendwann Regisseure wie Robert Rodriguez oder Zack Snyder machen. Dann zwar ohne Cyborgs, aber mit rauhen Noir-Figuren oder faschistisch angehauchten Spartanern.

Ganz untergehen sollte Frank Millers Fassung für Robocop 2 aber nicht und irgendwann sollte jemand auf die Idee kommen, so einen Stoff doch einfach für einen Comic zu adaptieren, letztlich ja die eigentliche Heimat des Drehbuchschreiberlings. Um das Ganze abzukürzen, machte sich schließlich Steven Grant daran aus dem Kinofilmmaterial einen Entwurf für einen Comic zu machen, der dann bei Boom! Studios erschien, die das Franchise ohnehin mit einer Serie weiterentwickelten.

Steve Grant ist ein alter Comic-Hase. Marvel, DC, Dark Horse, etc. Er hatte sie alle und konnte sich an Figuren, wie Spider-Man, Punisher, Hulk, X, Batman, Deathstroke, Grifter und so weiter ausleben. Romane schrieb er auch und Adaptionen für Filme. Mit Robocop geht er jetzt den umgekehrten Weg und man weiß am Schluss nicht, wer für das Endprodukt letztlich die meiste Verantwortung trägt: Frank Millers Vorlage oder Steven Grants Adaption.

Denn bei aller 80er Jahre Nostalgie und Kritik an der Handlung von Robocop 2 beschleicht einen das Gefühl, dass Millers Drehbuch nicht wegen der Brutalität als unverfilmbar galt, sondern weil die Geschichte einfach ein Konglomerat an dramaturgischen Unmöglichkeiten ist. Gefühlt viel zu viel wird in die neun Kapitel des Bandes gepackt, ohne dass dem Ganzen eine halbwegs sinnvolle Struktur verliehen wird. Die Grundidee hätte dies ermöglicht, doch einen schön ausgeführten Handlungsstrang sucht man vergeblich. Robocop bekommt Probleme mit seiner Programmierung, die ihn sozial kompatibler machen soll, daneben wirft OCP eine kleine Privatarmee auf die Strassen, die die streikenden Polizisten ersetzen soll, eine Wissenschaftlerin arbeitet an einem verbesserten Cyborgpolizisten und die kaputte Zukunftswelt will auch noch dargestellt werden. Die Ersatzpolizei à la Blackwater hat natürlich ganz andere Ziele im Sinn, als die Stadt zu beschützen, die Wissenschaftlerin seltsame Vorstellungen von Moral und irgendwie wollen die streikenden Polizisten auch noch den Tag retten. Man merkt schon, wer eigentlich zu kurz kommt: Robocop selbst.

Die Entwicklungen des ersten Films scheinen nur als Fata Morgana über der Geschichte zu schweben, während sich Steven Grant vergeblich bemüht seine Handlungsstränge auf die Reihe zu kriegen. Die Erzählung ist hibbelig, die Motive der Figuren, soweit vorhanden, nur rudimentär ausgebildet und die ganze Action wenig ausgearbeitet und selten bis gar nicht packend. Man möchte eigentlich nicht glauben, dass hier ein erfahrener Autor am Werk gewesen sein soll und nicht ein Praktikant der Boom! Studios.

Boom! hat es anscheinend auch bei den Zeichnungen von Juan Jose Ryp gemacht und jede Menge an Details über die Seiten gestreut. Eindeutig ein Anwärter für den Geoff-Darrow-look-a-like-Award verströmen Ryps Zeichnungen einen eindeutigen Wimmelbildwahn, der nur oberflächlich an den bereits genannten Meister des Details heranreicht. Schaut man genauer hin, hat Juan Jose Ryp versäumt seinen Arbeiten so etwas wie einen Fokus oder eine angemessene Struktur zu bieten, die das Auge leitet. Hier setzt sich quasi das Problem der Handlung auf der graphischen Ebene fort. Bei allen Klein-und-Kleinstdetails eines Darrow wusste dieser zumindest, wie man ein Bild vernünftig konzipiert und dem Auge auch "Ruheflächen" belässt, die als Rahmen für die vielen Details dienen. Ryp dagegen schießt gerade in Actionszenen aus allen Rohren, nimmt sich wirklich jedes kleinen Details an, so dass teilweise nicht einmal mehr die Farbgebung hilft etwas zu erkennen. Details um der Details willen, machen keinen guten Comic und weniger wäre hier definitiv mehr gewesen.

Auf den teilweise unkaschierten und garantiert nicht satirisch gemeinten Sexismus, der selbst etablierte Figuren des ersten Teils zu Betthäschen mit Knarre degradiert, will man an dieser Stelle gar nicht erst eingehen. Es fügt sich so und so in das wenig durchdachte Gesamtkonzept und eine Geschichte, die sich trotz allen bemühten Augenzwinkerns viel zu Ernst nimmt. Hier haben entweder Frank Miller oder Steven Grant oder beide die Vorlage schlicht und einfach von Anfang an nicht verstanden.

Wenn Robocop der Comic am Schluss ein Gutes hat, so dass man irgendwie wieder Lust darauf bekommt den zweiten Teil (möglichst uncut, denn inzwischen ist auch er soweit freigegeben) anzusehen. Er hat vielleicht nicht die Klasse des ersten Films, aber es wurde eindrucksvoll bewiesen, dass es noch sehr viel schlimmer hätte kommen können.


Fazit:
Robocop versucht ein kleiner harter Bastard von einem Comic zu sein und im gleichen Atemzug natürlich besser als der eigentlich entstandene Kinofilm. Die Unverfilmbarkeit des Miller'schen Drehbuchs basierte aber vielleicht gar nicht auf der Brutalität der Vorlage, sondern deren unmöglichen und überladenem Handlungskonzept. So gerne man den Stoff nostalgisch aufwerten möchte, bei dem Comic Robocop hört die rosarote Brille aber definitiv auf. Irgendwie schade, aber um die Lizenz sollte man einen Bogen machen und lieber die Filme gucken.


Robocop - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Robocop

Autor der Besprechung:
Alexander Smolan

Verlag:
Cross Cult

Preis:
€ 29,80

ISBN 13:
978-3-86425-379-9

256 Seiten

Positiv aufgefallen
Negativ aufgefallen
  • eine Fortsetzung, die Robocop nicht verdient hat
  • fehlende bzw. schlecht konzipierte Handlungsstruktur
  • überladene Zeichnungen
  • hat die Vorlage so gar nicht verstanden
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
2
(1 Stimme)
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Rezension vom: 30.03.2014
Kategorie: One Shots
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