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Comic-Besprechung - Ruinenmärchen

Geschichten:
Ruinenmärchen

Autor / Zeichner: Tsukiji Nao


Story:
Kazeko wurde vor einige Zeit in einer Ruine gefangen gehalten, kann sich aber an die Geschehnisse nicht mehr erinnern. Wider ihren Willen wird sie von einer Mitschülerin an den Schauplatz geführt, um dort die Erlebnisse zu wiederholen.  Ein Musikprofessor hat die Fähigkeit Musik zu sehen. Wenn ein Instrument gespielt wird, erscheinen Bilder vor ihm, doch seit Jahren sind es nur Monster, woran der Mann langsam droht zu zerbrechen. Ein junger Mann wird von einer Patientin seines jüngst verstorbenen Zwillingsbruders für den Arzt gehalten und ist zunehmend fasziniert von der jungen Frau die in Kommoden lebt. Ein erfolgreicher und beliebter Hutmacher hingegen muss in einer Ruine eine besondere Herausforderung bestehen, da seine Kunden keine Menschen sind.


Meinung:
Der Manga Ruinenmärchen beinhaltet vier Kurzgeschichten deren Stories zwar nicht inhaltlich miteinander verbunden sind, die aber thematisch zusammen gehören. Wobei dann der Titel des Sammelbandes sehr gut passt, denn in der Tat sind alle vier Geschichten Märchen, wobei sie dennoch auf die üblichen Topoi verzichten, wie man sie etwa von den Gebrüdern Grimm kennt. Da gibt es keine  bösen Hexen, keine hungrigen Wölfe, keine redenden Frösche oder böse Stiefmütter. Aber doch ist nicht nur die Atmosphäre traumhaft mit einer Durchmischung von Wahn der Charaktere und der Realität, sondern es kommen vor allem mit Feen und Elfen auch wesentliche Märchenfiguren vor, die aber nicht handlungsbestimmend sind, sondern eher eine Entwicklung anstoßen.

Letzteres ist der wesentliche Aspekt aller Geschichten. Es geht nämlich um die Reifung der Figuren. Zynisch formuliert kann man auch sagen, dass die jeweilige Erkenntnis und das Happy End ein Märchen ist, aber es geht erfreulicherweise nicht um das Happy End an sich, sondern vielmehr um die Erkenntnis. So verhalten sich die Geschichten wie die Psychoanalyse: es geht hier nicht um die Behebung der Symptome, sondern zum einem um die Erkenntnis das überhaupt welche vorliegen und zum anderen woran das liegt. Wenn man sich bewusst gemacht hat das und woran man leidet, kann man anfangen sein Verhalten zu ändern.

Insofern sind die titelgebenden und in den Geschichten eine zentrale Rolle spielenden Ruinen ein Spiegelbild des verwüsteten Innenlebens der Figuren. Sei es nun die Psyche oder die emotionalen Aspekte. Alle Helden sind unglücklich und emotional versehrt. Doch Ruinen haben noch ein Fundament, auf dem man wieder etwas aufbauen kann. Auch wenn das Gedächtnis wie in der ersten Erzählung oder die Träume zerstört sind, so können sie wieder aufleben. Mit der Selbsterkenntnis kann darum die Heilung beginnen. Alle Charaktere und einige Nebenfiguren haben eines gemeinsam: sie bemerken, dass sie selber Ruinen sind und sich zeitlebens etwas vorgemacht haben. Das ist durchaus spannend und manchmal rätselhaft, so dass man die Geschichten gerne liest, wenngleich es oft gegen Ende etwas zu rührselig und geschwätzig wird, als ob die Mangaka ihren Bildern nicht komplett allein vertrauen würde.

Was schade ist, denn die Zeichnungen sind sehr detailliert und verzaubernd geraten. Zugegeben: manchmal befinden sie sich haarscharf am Rande des Kitsches und je nach Geschmack gehen sie auch mal darüber hinaus, aber sie strotzen nur so von wundervollen traumhaften Ideen. Auch die Vermischung von historischen Epochen, was stellenweise sehr an den Steampunk erinnert, ist hier Programm, da die versehrte psychische Kondition der Menschen schon immer vorhanden war. Allein schon die Zeichnungen laden ein zum längeren Betrachten und zum Träumen und man beginnt sich durchaus zu fragen, ob man nicht selber Ruinen in sich hat.

Abseits gängiger Mangaklischees könnten sich manche Mangafans etwas mit dem Band schwer tun, aber als Einzelband für diejenigen die auch mal andere Themen lesen möchten sehr empfehlenswert.

Fazit:
Abseits von den üblichen Mangaklischees werden hier Geschichten über die Selbsterkenntnis und die emotionalen Verletzungen von Menschen erzählt, die eine immer währende Gültigkeit haben. Detailliert und mit filigranem Strich gezeichnet, werden die Ruinen als schönes Symbol genutzt, wenngleich es manchmal etwas kitschig wird.

Ruinenmärchen - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Ruinenmärchen

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Egmont Manga

Preis:
€ 7,50

ISBN 10:
3770481496

ISBN 13:
978-3-770-48149-1

192 Seiten

Bewertungen unserer Redaktion und unserer Leser

Positiv aufgefallen
  • detailreiche Zeichnungen
  • Symbolik
  • Phantasie
  • Psychologie
Negativ aufgefallen
  • etwas kitschig und rührselig
  • manchmal geschwätzig
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
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Rezension vom: 28.01.2014
Kategorie: Mangas
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