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Comic-Besprechung - Kivu

Geschichten:
Autor: Jean van Hamme
Zeichnungen: Christophe Simon
Farben: Alexandre Carpentier


Story:
Francois Daans ist begabter Ingenieur bei dem Konzern Metalurco, der im Kongo seltene Metalle fördert. Er wird von seinem Arbeitgeber beauftrag in den Kongo, genauer in die Provinz Kivu, zu reisen, um dort für einen Nachfolger für den verstorbenen regionalen „Hauptproduktionsdirektor“ einzustellen. Nur zu gerne nimmt der ehrgeizige Daans diese Herausforderung an. In Kivu muss er allerdings sehr schnell feststellen, dass sich die Dinge ganz anders verhalten. Der sogenannten „Hauptproduktionsdirektor“ war ein Warlord, der das Land mit Terror gefügig macht. Mehr durch Zufall stößt er außerdem auf die traumatisierte Violette, die ihren Bruder sucht. Durch sie erfährt er, dass Vergewaltigungen und Kindersoldaten zum Alltag gehören. Er blickt hinter die Kulissen der örtlichen Macht und erfährt von den bestialischen Grausamkeiten in diesem Land. Daans entschließt sich, nicht mehr Teil des Systems zu sein und kündigt noch im Kongo seine Stellung. Doch damit fangen seine Probleme erst an.  



Meinung:
Jean van Hamme hat es wieder getan. Nachdem der Belgier vor einigen Jahren seinen Rückzug aus dem Comicgeschäft verkündet hatte, legt er mit „Kivu“ einen aktuellen neuen Band vor.  Und nach dem ersten Lesen kann ich festhalten, dass es einerseits ein typischer van Hamme ist und auf der anderen Seite so völlig anders.
Typisch van Hamme-Style ist der Plot insgesamt. Ein europäischer Großkonzern, der in dunkle Machenschaften in Afrika verstrickt ist. Immer gibt es irgendwo einen Mann im Hintergrund, der stets etwas mehr weiß, als der Leser. Das sorgt für Unbehagen beim Lesen und erzeugt diese typische van Hamme-Stimmung, die einem die Bände des Belgiers verschlingen lässt.
Typisch ist auch der Protagonist der Handlung. Zwar wird ihm viel Raum in dem Band eingeräumt und der Leser ist dabei, wenn Daans erste Zweifel kommen. Wir sind auch dabei, wenn der Ingenieur hin du her gerissen ist zwischen seinem Auftrag und der Situation vor Ort. Wir erleben, auch das ein typisches van Hamm-Szenario, wie sich Daans mit der ganzen Welt anzulegen scheint – zumindest die afrikanische Welt in seinem näheren Umfeld. Und dennoch bleibt die Hauptfigur in dem Band blass – eben typisch van Hamme. Und das hat seine Gründe.
Denn van Hamme, und damit kommen wir zu dem untypischen an diesem Band, will den Leser informieren, ihm einen Spiegel vor die Augen halten. Seht her, sagt er uns, wozu unsere Gier nach Rohstoffen in anderen Weltteilen führen. Und um diese Aussage hart und klar zu übermitteln, müssen die handelnden Personen in den Hintergrund treten. Zwei Personen aus dem Comic, die es auch in der Realität gibt, machen hier eine Ausnahme: die beiden Ärzte Denis Mukwege, Friedensnobelpreisträger von 2018, und Guy-Bernard Cardière. Van Hamme räumt ihnen einen wichtigen, wenn nicht den wichtigsten Part in dem Band ein. Sie schildern die Gräueltaten, die von den Warlords und militärischen Einheiten benachbarter Länder begangen werden. Und sie berichten über ihre Arbeit in der kongolesischen Provinz. Van Hamme stellt diese beiden außergewöhnlichen Männer mit viel Hochachtung vor.
Bei allem Respekt vor der Wichtigkeit einer solchen Geschichte, gelingt es van Hamme leider nicht immer, den erhobenen Zeigefinger zu verhindern. Das ist bei einem dermaßen schwierigen Thema vermutlich auch nicht möglich, aber das Aufzeigen der moralischen Verdorbenheit der Industrienationen wirkt aufgesetzt und holprig. Die politischen Zusammenhänge im Kongo sind sehr komplex und der einleitende Text von der Journalisten Colette Braeckman hilft schon sehr um Zusammenhänge zu verstehen, aber in der einen oder anderen Szene habe ich das Gefühl, dass dem Autor das Thema zu gewaltig erscheint. Hier will van Hamme zu viel in zu wenigen Panels vermitteln, was dem Geschichtenverlauf nicht gerade hilft.
Passend zum schwierigen Thema fügt sich der eher dokumentarische Zeichenstil von Christophe Simon sehr gut ein. Hier werden keine Afrikaklischees bedient oder Brutalität um ihrer selbst Willen dargestellt. Simon ist der zeichnerische Chronist einer harten und menschenverachtenden Geschichte.



Fazit:
Van Hamme liefert einen dokumentarischen Comic, der in weiten teilen spannend erzählt ist, mitunter etwas holprig daherkommt, aber in jedem Fall aufrüttelnd ist. Dazu passend die nüchternen Zeichnungen von Christophe Simon. Musikalische Empfehlungen sind da sehr schwer. Ich habe es mit den Doors („LA Woman“) versucht.



Kivu - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Kivu

Autor der Besprechung:
Bernd Hinrichs

Verlag:
Splitter Verlag

Preis:
€ 18

ISBN 13:
978-3-96219-297-6

72 Seiten

Positiv aufgefallen
  • Realismus
  • Aufklärerisch
Negativ aufgefallen
  • Plot mitunter etwas holprig
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Bewertung:
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Rezension vom: 07.11.2019
Kategorie: Alben
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