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Comic-Besprechung - Der letzte Weg

Geschichten:
Der letzte Weg
Autor / Zeichner: Thomas Fatzinek


Story:
Im Juni 1941 wurde in Bialystok ein Ghetto eingerichtet. Daraufhin begannen sich jüdische Partisaninnen und Partisanen in dem Ghetto und in den umliegenden Wäldern zu organisieren. Chaika Grossman und Chasia Bornstein-Bielicka leben als Verbindungsmädchen im "arischen" Teil der Stadt, um Waffen und Medikamente zu organisieren und in das Ghetto zu schmuggeln. Als 1943 das Ghetto aufgelöst und die Bewohner in ein Konzentrationslager deportiert werden sollen, kommt es zu einem bewaffneten Aufstand.


Meinung:
Bei manchen Graphic Novels steckt man in einer Zwickmühle. Einerseits ist das Thema, welches in dem Comic behandelt wird, so wichtig das man es jedem empfehlen möchte. Andererseits wird es so mangelhaft präsentiert, dass man eigentlich von der Lektüre abraten möchte.

Genauso ergeht es einem bei der Graphic Novel Der letzte Weg von Thomas Fatzinek. Der Österreicher ist beileibe kein Neuling im Comicgewerbe und kann schon auf einige Veröffentlichungen zurückblicken. Deswegen überraschen die Mängel doch deutlich da man sie eher einem Debüt zuordnen würde bei dem man sich angesichts des Themas verhoben hat und kann das dann auf mangelnde Erfahrung schieben. Erzählt wird anhand der Biographien zweier Frauen der jüdische Widerstand während des Holocausts und ein Ghettoaufstand bei dem sich die Gemeinschaft gegen die Deportation wehrte. Die beiden Frauen betätigten sich als Schmugglerinnen, lebten in dem „arischen“ Viertel und schafften Waffen und Informationen in das Ghetto. Das ist alles historisch verbürgt und ein wichtiges Thema in punkto Zivilcourage. Ein Thema welches leider immer noch wichtig ist und wohl noch wichtiger werden wird.

Stilistisch ist das sehr gewöhnungsbedürftig präsentiert. Der naive Stil wird nicht jedermanns Geschmack treffen. Das die Augen bei allen Personen einfach durch zwei schwarze Flecken gezeichnet werden, lassen alle wie tot wirken. Das passt zum Thema und dem Setting. Alle sind eigentlich schon tot auf Abruf, stemmen sich aber dagegen. Die Gräueltaten haben alle innerlich sterben lassen, ein Stück Seele geraubt. So kann man diese schwarzen Punkte anstatt der Augen wohlwollend interpretieren. Allerdings gibt es keine Variation und spätestens in dem eigentlich überflüssigen Epilog hätte man das auch aufheben können. Immerhin schafft das eine unangenehme Atmosphäre welche den Inhalt gut ergänzt.

Leider sind die Figuren zu rudimentär gestaltet. So führt der naive Stil dazu, dass man die Charaktere nicht mehr auseinanderhalten kann und zunehmend verwirrt durch die Seiten irrt. In einem Comic welcher den Mut und die Zivilcourage von einzelnen gegenüber eines mörderischen Apparats schildert, also den Individualismus preist, ist das ein Todesstoß, da sie in der Masse untergehen. Da man sie auch nicht unterscheiden kann, erschließen sich einem auch auf Dauer die Zusammenhänge nicht mehr. Wer hilft da gerade wem? Wer wird gerade getötet, wer spielt gerade wo welche Rolle? Die Erzählung zerfällt zu einem Stückwerk und es gibt keine Dramaturgie. Dafür wird zu viel zu schnell abgehandelt. Man hat sich hier schlicht zu viel vorgenommen.

Das Vorhaben ist lobenswert anhand der Lebenserinnerungen den Widerstand zu schildern, aber es ist unklar wie das eigentlich organisiert worden war. In Der letzte Weg wird manchmal suggeriert als ob die Gewehre einfach über die Mauer des Ghettos geworfen worden seien. Aber woher kommen die Gewehre? Und so einfach wie gezeigt kann es nicht funktioniert haben. Und wie konnten sich die Jüdinnen eigentlich verstecken und woher bekamen sie die Papiere? Manchmal wird das in einem Panel schnell abgehandelt, aber es tauchen immer mehr Fragezeichen auf. Ist das eine Unsicherheit des Autors gegenüber der historischen Komplexität?

Fatzinek hätte sich auf einzelne Geschehnisse konzentrieren sollen und es hätte den doppelten Seitenumfang gebraucht, um diese detailliert zu schildern. So ist es leider nicht Fisch, nicht Fleisch und eine große Enttäuschung. Man verliert sich in den Episoden und leider wird einem die Erzählung dadurch zunehmend egal. Und das hätte bei einem solch wichtigen Thema nicht passieren dürfen.


Fazit:
Ein wichtiges Thema, was aber leider mangelhaft präsentiert wird. Viel zu viel wird zu schnell abgehandelt, so dass nicht nur dramaturgisch viele Fragen offenbleiben. Zudem werden die einzelnen Charaktere stilistisch nicht ausgearbeitet weswegen man sich hoffnungslos verirrt. Bei einer Feier des Mutes einzelner ist das unverzeihlich.

Der letzte Weg - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Der letzte Weg

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
bahoe books

Preis:
€ 17

ISBN 10:
3903290025

ISBN 13:
978-3903290020

120 Seiten

Positiv aufgefallen
  • wichtiges Thema
Negativ aufgefallen
  • keine Dramaturgie
  • zu schnell zu viel abgehandelt
  • Charaktere sind nicht auseinander zu halten
  • Zusammenhänge erschliessen sich nicht
  • naiver Zeichenstil
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Rezension vom: 08.07.2019
Kategorie: Independent
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