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Comic-Besprechung - Mondo Reverso 1: Cornelia und Lindbergh

Geschichten:
Mondo Reverso 1: Cornelia und Lindbergh
Autor: Arnaud Le Gouefflec, Zeichner: Dominique Bertail


Story:
Die Desperada Cornelia durchstreift den Westen und sorgt überall wo sie auftaucht für Ärger. Lindbergh hingegen weiß nicht ob seine Rolle als Männchen einer erfolgreichen Geschäftsfrau erfüllend ist. Als er die Gelegenheit sieht, zu entkommen, flieht er in die gefährliche Wildnis. Dort trifft er auf Cornelia und gemeinsam durchstreifen sie Arizona wo sie es nicht nur mit Indianern aufnehmen müssen, sondern auch mit einer gefährlichen Bande und einer extremistischen Predigerin.


Meinung:
Der Western ist ein äußerst maskulines Genre. Frauen sind da oft nur Staffage und spielen keine große Rolle. Sie dienen meist nur als Love Interest des Helden und spiegeln in ihrem Wesen oder Beruf meist nur den Zivilisationsgrad der männlichen Hauptfigur. So treten sie im Großteil der Filme oder Comics entweder als Nutte oder als Lehrerin auf (oder als Tochter einer Respektsperson). In die Lehrerin verliebt sich dann meist der Held, da diese für die Zivilisation steht und auch den rastlosen Wanderer mit ihrer Liebe und dem Ehrenkodex zu zähmen versteht. Die Prostituierte hingegen verliebt sich oft in den Retter und zahlt dafür meist mit ihrem Leben. Da sie eigentlich zum Schurken gehört, damit zum unzivilisierten, triebhaften Teil des Westens und ihr lasterhaftes Leben moralisch bestraft werden muss, bedeutet das in den Filmen oftmals den Tod. Da sie sich opfert macht sie aber alles wieder gut und erfährt dadurch eine Art Erlösung. Im Spätwestern der 1970er Jahre wurden diese Rollenmuster etwas aufgebrochen  und das Männerbild zunehmend ironisiert, änderte letztlich aber nichts an den Mustern da sie im Aufzeigen von ihnen diese wiederum bestätigten (so etwa in McCabe und Mrs. Miller und Little Big Man). In den letzten Jahren hingegen gab es durchaus einige starke Frauenbilder im Western (Jane got a Gun, True Grit), aber das ändert meist nichts am Bild was das Genre oft tradiert.

Der Comic Mondo Reverso der in Episoden in der Zeitschrift Fluide Glacial erschien, erzählt seine Geschichte durchaus mit diesen klischeehaften Bildern. Aber er kehrt sie komplett um und ist dabei auch sehr konsequent. Männer sind Frauen und Frauen sind Männer in kompletter Umkehrung des Geschlechterbildes und in dieser Umkehrung der Geschlechterrolle trägt der Comic somit zur Genderdebatte bei (auf dem Backcover der ersten Auflage steht übrigens „Genderwahn“ wofür sich der Verlag in einer Pressemitteilung entschuldigt hat). Das wird schon mit dem Cover deutlich, da hier äußerst deutlich der Film Ein Fremder ohne Namen von und mit Clint Eastwood zitiert wird. Ansonsten wird hier eine typische Westernstory erzählt. Der Reiz entsteht durch die geschlechterverkehrten Stereotype die zwar genregemäß beibehalten werden aber nur mit dem anderen Geschlecht  gefüllt werden. Männer sind reine Sexualobjekte und tragen dauernd Frauenkleider und erfüllen auch sonst eher den Frauen zugeschriebenen Attribute. Die Frauen tragen Männerkleidung, sind die harten Kämpfer, pinkeln in der Öffentlichkeit und verhalten sie wie die hartgesottenen Westerner. Das hat durchaus seinen Reiz und sorgt bei dem Genrekenner für einige Irritationen. Etwa wenn halbnackte Indianerinnen einen Angriff führen, um Männer zu rauben. Oder die schön ironischen Szenen in einem Bordell.

Die Episodenform des Comics, auch optisch eindeutig erkennbar indem immer wieder die Kapitel abbrechen mit einer kleinen Illustration und der Titel immer wieder im Eröffnungspanel der nächsten Folge eingearbeitet ist,  verhindert leider eine stringente Dramaturgie und so erreicht man keine dramaturgische oder charakterliche Tiefe. Im Grunde gibt es auch keine Handlung, sondern man hangelt sich von Episode zu Episode, um möglichst viel des Genres und der Rollenbilder abdecken zu können. Leider sind manche Gags arg zu flach ausgefallen und es ist absolut unnötig hier noch einige Pups-Witze unterzubringen, da so die eigentlich interessante Idee zur Kinderei wird. Anderes ist aber wieder hervorragend gelungen und am Ende gibt es noch eine absurde Überhöhung des Männerbildes das eigentlich gar nicht mehr nötig gewesen wäre. Schade, dass man sich hier auf die Grundidee beschränkt hat und den anderen Aspekten weniger Aufmerksamkeit schenkte, da es sich doch bald etwas abnutzt.


Fazit:
Die Grundidee ist faszinierend und kann für einige sehr schöne Szenen sorgen. Schade, das auf die Story nicht auch so viel Aufmerksamkeit gewendet worden ist. Zudem sorgen einige alberne, infantile Gags für eine Schmälerung der kritischen Aussage zu dem Genre.


Mondo Reverso 1: Cornelia und Lindbergh - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Mondo Reverso 1: Cornelia und Lindbergh

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Schreiber und Leser

Preis:
€ 19,80

ISBN 10:
394633783X

ISBN 13:
978-3946337836

96 Seiten

Positiv aufgefallen
  • Grundidee
  • Zeichnungen
  • Kritik an den Rollenbildern des Western
  • ironisches Spiel mit Stereotypen
Negativ aufgefallen
  • flache und zerstückelte Story
  • manche infantile Gags
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Rezension vom: 09.03.2019
Kategorie: Alben
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