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Comic-Besprechung - Die neue Welt

Geschichten:
Die neue Welt
(Das Schwert des Konquistadors, Die sieben Städte von Cibola)
Autor: Francois Armanet, Jean Helpert, Zeichner / Colorist: Xavier Coyère, Stefano Carloni


Story:
Im Jahre 1538 reist der junge Mönch Marcos im Auftrag des Papstes in das erst kürzlich eroberte Mexico. Er soll in unbekannte Gebiete vordringen, um dort die Ureinwohner für den christlichen Glauben zu missionieren. Begleitet wird er von einem ehemaligen Sklaven und einer ehemaligen aztekischen Prinzessin die sich unter seinen Schutz gestellt hat. Denn sie flieht vor der erzwungenen Hochzeit mit einem brutalen Konquistador. Wutentbrannt nimmt dieser mit seinen Männern und verbündeten Azteken die Verfolgung auf. So gerät die Reise zunehmend zu einer Flucht.


Meinung:
In einem Stadtmagazin, der Ultimo welche in Münster und Umgebung erscheint, wurde dem Band Die neue Welt eine Geschichtsklitterung vorgeworfen welche bis hin zu einem Rassismus gehen soll. Mit dieser kleinen Besprechung und dem vernichtenden Urteil, fällt es doch einigermaßen schwer einen unvoreingenommen Blick auf den vorliegenden Band zu werfen. Schließlich versucht man Belege für die Aussage zu finden. Oder eben dagegen. Aber gerade dieser eingeschränkte Blick macht wieder einmal deutlich was man eigentlich von seiner Lektüre erwartet. Und wie diese Erwartung das abschließende Urteil prägt. Ein Lied was jeder singen kann, der sehnsüchtig ein neues Album seines Lieblingserzählers, -zeichners oder auch ein Sequel im Kino ansieht.

Was also erwartet man von einer Abenteuergeschichte die vor einer realen historischen Kulisse spielt? Es geht um einen jungen spanischen Mönch der in das kürzlich eroberte Mexico geschickt wird, um in unbekannte Gegenden vorzudringen, um dort die Eingeborenen zu missionieren. Das Setting, die Kulisse sind historisch real, die agierenden Figuren nicht. Insofern darf man schon keine geschichtliche Abhandlung erwarten. In der kurzen Besprechung in dem Stadtmagazin wurde Die neue Welt vorgeworfen dass die Weißen als Heilsbringer auftreten und den Barbaren die Zivilisation bringen würden. Das ist falsch. Hier könnte nichts ferner liegen. Unbestreitbar soll der Mönch friedlich missionieren, aber ihn deswegen als Heilsbringer abzutun, tut der Geschichte Unrecht, denn er geht seiner Aufgabe überhaupt nicht nach, scheitert also. Wenn man nun eine historisch und politisch korrekte Sozialuntersuchung erwarten möchte, sollte man keine fiktionale Erzählung zur Hand nehmen, sondern sich der Fachliteratur zuwenden. Zwar überwiegt durchaus ein eurozentrischer Blick, die Autoren und die Zeichner sind Europäer, und derjenige der Indios fällt dementsprechend weg, da keiner an der Produktion beteiligt war. Aber das kann man wohl kaum vorwerfen da es logistisch unverfroren wäre. Aber man sollte sich dieser Einschränkung der Perspektive bewusst sein.

Dabei ist diese Perspektive des jungen, teilweise naiven, Mönches prägend, aber die Eroberung Mexikos ist bereits abgeschlossen. Er wird also mit einem Status Quo konfrontiert und nicht den ideologischen Gründen der Eroberung. Auch wird hier nicht verschwiegen das Gräueltaten von beiden Seiten, den Azteken sowie den Konquistadoren, vorgenommen worden sind, und sich auch die katholische Kirche nicht mit Ruhm bekleckert hat. Wobei historisch gesehen die Inquisition in der neuen Welt vergleichsweise nur kurze Zeit gegen Indios vorgegangen ist. Aber auch hier kommt eine solche Verbrennung eines angeblichen Ketzers vor. Die Kirche als Heilsbringer? Wohl kaum. Und wenn die Azteken als grausam dargestellt werden, so entspricht das der historischen Tatsache, denn es war ein kriegerisches Volk, welches andere unterjochte und blutige Menschenopfer praktizierte. Insofern wäre es falsch ihnen den edlen Wilden zu unterstellen. Hier ist eher der Wunsch der Vater des Gedankens.

Aber der historische Hintergrund ist zu komplex für einen Zweiteiler, welcher von dem Splitter Verlag abgeschlossen in einem Band veröffentlicht wird. Stattdessen werden alle negativen Aspekte des indigenen und des spanischen Kulturkreises in den zwei Hauptschurken gebündelt was allerdings zu einem starken Klischee führt da es in altmodischer Art und Weise ein überholtes simples Schwarz-Weiß-Schema aufbaut in dem die Bösen nur böse und die Guten einfach nur gut sind. Ja, die Schurken sind hassenswert und umso mehr fiebert man mit den Helden mit, aber sie lassen eine Differenzierung vermissen. Überhaupt ist der generelle Schwachpunkt die mangelnde tiefere Zeichnung der Charaktere. Sie sind sehr oberflächlich gehalten und so bleibt etwa das Verhältnis zwischen dem ehemaligen Sklaven und seinem Herrn eher verwirrend. Das der Mönch aufgrund seiner Jugend naiv ist, ist dramaturgisch notwendig, da er eben dadurch den Blick des Lesenden auf einen anderen Kulturkreis und die historische Epoche lenkt. Leider ist die Heldin das Klischeebild einer edlen Wilden welche sich angepasst hat und dementsprechend die Steilvorlage, anhand ihrer Person den culture clash und den Zivilisationsbruch zu verkörpern, verfehlt. Alles ist zu oberflächlich und anhand der Charakterisierungen altmodisch und überholt.

Aber eine Geschichtsklitterung ist nicht zu finden.  Auch am Ende nicht, als deutlich gemacht wird, das Eldorado, hier anders genannt, schön als Wunsch dargestellt wird und als Symbol für eine Erneuerung und der Wiedergeburt gilt was einigermaßen kitschig ist, weil es das Fantasiebild darstellt, welches in Amerika, in die Neue Welt, schon zu Beginn der Entdeckung hinein interpretiert worden ist, aber auch eben das eskapistische Bild einer solchen Erzählung deutlich macht. Aber diese Form der Läuterung, teilweise Erlösung, trifft es ziemlich gut, da es vor allem die Figuren an ihr Ziel bringt.

Rassismus gibt es hier also nicht und eine Geschichtsklitterung auch nicht ganz, da beide Seiten in ihrer Bösartigkeit geschildert werden. Aber wirklich gut ist der Band nicht, da er insgesamt zu oberflächlich ausgefallen ist und auch einige dramaturgische Mängel hat. Aber die Zeichnungen sind angenehm, dynamisch und schaffen durch den Realismus ein Eintauchen in eine vergangene Welt. Zwar kommt hier ein stilistischer Bruch zwischen dem ersten und zweiten Kapitel vor wobei die Zeichnungen roher und kräftiger werden, aber auch hier entdeckt man manche Klischees, wenn die Schurken schon optisch eindeutig als solche zu erkennen sind. Insgesamt liegt hier also kein großer Wurf vor, aber er ist nicht so schlimm wie befürchtet.


Fazit:
Eine nette Abenteuergeschichte vor realem historischen Hintergrund bei der vor allem die Zeichnungen überzeugen. Die Charakterisierungen sind viel zu flach ausgefallen und die Story ist arg dünn mit einigen dramaturgischen Mängeln.

Die neue Welt - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Die neue Welt

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Splitter

Preis:
€ 22,80

ISBN 10:
3962192182

ISBN 13:
978-3962192181

112 Seiten

Positiv aufgefallen
  • Zeichnungen
  • Setting
  • Dynamik
Negativ aufgefallen
  • flache Charakterisierungen
  • dramaturgische Mängel
  • Klischees und altmodische Figurenzeichnung
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Rezension vom: 02.02.2019
Kategorie: Alben
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