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Comic-Besprechung - Dicks 1

Geschichten:
Dicks 1 (Dicks 1 – 4)

Autor: Garth Ennis
Zeichner: John McCrea
Colorist: Digikore Studios 

Story:
Ivor und Dougie sind zwei Freunde, die noch nicht recht wissen, was sie mit ihrem Leben anfangen sollen. Dougie wird in eine Ehe gezwungen, nachdem seine Freundin schwanger geworden ist und Ivor ruft nur Chaos hervor. Als er aus Versehen die Schlange seines Onkels und damit auch seinen Onkel selber tötet, erbt er dessen Schulden, woraufhin er eine Karriere als Schwarzbrenner anstrebt. Aber das ist nichts gegen seinen wahnwitzigen Plan, zusammen mit Dougie als Privatdetektiv zu agieren. Was ihm selbst Ärger mit Zombies einbringt.

Meinung:
Wem die beiden Helden Dougie und Ivor schon etwas bekannt vorkommen, der irrt sich nicht. Denn in einer sehr frühen Mini-Serie von Garth Ennis traten die beiden schrägen Typen schon einmal auf. Und diese Geschichte ist auch schon vor Jahren auf Deutsch in drei Bänden unter dem Titel Zerrissene Herzen veröffentlicht worden. Man muss diese Vorgeschichte aber nicht zwingend kennen, um die aktuelle Story einordnen zu können. Denn zum größten Teil handelte die damalige Story von einem Freund der beiden Helden und hatte hauptsächlich den Nordirlandkonflikt zum Thema. Ivor und Dougie sorgten damals für den comic relief dieses Dramas und waren schon damals so anarchisch wie die Marx-Brothers. Obwohl sie es doch (meistens) gut meinen. Zum Teil schließt Dicks direkt an die alte Geschichte an, etwa wenn es um die Hochzeit und die damit verbundenen Komplikationen von Valerie und Dougie geht, aber eine der zentralsten Stellen wird in der neuen Serie schlicht und einfach noch einmal neu erzählt. Sprich: Ivors Onkel und seine Schlange Eve (auf die Idee muss man als guter Katholik erst mal kommen: einfach den großen Verführer der ja die Form einer Schlange angenommen hatte, einfach mit dem englischen Namensäquivalent zu Eva zu benennen) und deren Schicksal gab es schon in Zerrissene Herzen. Das wird von McCrea einfach noch einmal neu gezeichnet und diesmal werden die Konsequenzen weiter ausgeführt, da sie bestimmend für den restlichen Verlauf der Handlung sind. Das ist auf der einen Seite enttäuschend, da Alt-Fans diese Episode einfach als Remake ansehen und inhaltlich nichts neues geschieht als damals auch, aber auf der anderen Seite logisch, da ein Anknüpfungspunkt für die neue Storyline benötigt wird. Und viele Leser kennen die Episode ja nicht. Und es wäre schade drum, denn sie ist höchst amüsant.

Ansonsten lassen sich das Dream-Team Garth Ennis und John McCrea aus wie schon lange nicht mehr. Das mag etwas erstaunen bei einem enfant terrible wie Ennis, aber er pfeift hier auf alle Regeln und arbeitet nicht in einem Genre um es zu dekonstruieren (wie bei The Boys), sondern kehrt mehr oder weniger zu seinen Wurzeln zurück. Sie lassen sich wie in den alten wilden Zeiten gehen und bieten wilden Slapstick mit allen Mitteln, die zu einem gnadenlosen Cartoon dazugehören. Das ist alles, nur nicht jugendfrei. Dicks ist wild, obszön, pervers, brutal, unflätig, eklig, politisch unkorrekt und verdammt witzig. Sprich: einfach gut. Es ist erhebend, das es immer noch welche gibt, auch von den in ihrer Nische arrivierten Autoren, die wieder aus sich herausgehen und denen man schlicht und einfach den Spaß an ihrer Sache anmerkt. Da sollte man allerdings keine Berührungsängste haben und auch so manche Stelle einfach, hüstel, schlucken.

Ennis tobt sich aus und man sucht einige der für ihn typischen Themen hier vergebens. Es gibt zwar wieder Seitenhiebe auf Superhelden, die Ennis bekanntlich nicht ausstehen kann, aber andere Bereiche wie etwa die Ehre von Soldaten, psychische Auswirkungen der Gewalt und Kritik an den Oberen sind hier nicht zu finden. Stattdessen gibt es das für Ennis wichtigste Thema weit ausgebreitet: die Freundschaft unter Männern. Da gehört das reden über Frauen dazu und viel, viel Bier. Sehr schön sind die ironischen Sidestorys, in denen latente Homosexualität, was man auch den Helden zuschreiben könnte, thematisiert wird. Jedenfalls bietet Ennis sich in dieser Gagorgie wieder dem Leser an und zeigt Courage indem er die Serie schlicht Dicks (=Schwänze) benennt.

Oftmals wurden in Heftformaten auch abseits von Micky Maus und Yps kleine Gimmicks wie kurze Zusatzstorys oder Rätselseiten geboten. Solche ursprüngliche Gimmicks werden hier beibehalten wobei sie immer wieder schöne Parodien bieten. Im Paperbackformat geht davon einiges verloren, aber dennoch sind die Extras sehr amüsant. Da gibt es dann Rätselseite, die allesamt nicht zu lösen sind, kleine Zusatzgeschichten, „Making Ofs“, etc., welche es jede für sich in sich haben. Da entdeckt man so manche Schätze wie etwa die Parodie auf Predator.

Zeichnerisch benutzt McCrea alle Mittel der Übertreibungen wie es vor allem bei Cartoons genutzt wird. Da kochen die Ohren, die Augen springen raus und Gesichter verformen sich vor Wut oder Schreck anatomisch unmöglich. Oftmals sind verzerrende Perspektiven eingesetzt, welche nicht nur als Verfremdungseffekt dienen, sondern auch eine hohe Dynamik erzeugen. All diese stilistische Vielfalt zeigt eines auf: trotz aller Gewalt, dem Sex und den Obszönitäten ist das alles einfach nur ein riesiger Spaß. Und dementsprechend harmlos. Also: abschalten, Bier aufmachen und den Comic genießen. Slainte.

Fazit:
Das Dreamteam Ennis und McCrea legt einen neuen Band mit alten Helden vor und lassen mal wieder richtig die Sau raus. Kurz beschrieben: Ennis liefert eine Slapstickorgie ab, als ob die Marx Brothers auf die Farrelly Brothers treffen mit gehörigem Bierkonsum und Schwarzgebranntem. Natürlich kann man das nicht ernst nehmen und gerade wegen den Provokationen sind die Stories gnadenlos witzig.

Dicks 1 - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Dicks 1

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Paninicomics

Preis:
€ 16,95

ISBN 13:
4198464216955

180 Seiten

Dicks 1 bei Comic Combo Leipzig online bestellen
Positiv aufgefallen
  • politisch unkorrekt
  • gnadenlos lustig
  • Ennis enthemmt
  • Slapstick in einer brutalen und obszönen Form
Negativ aufgefallen
  • zu Beginn wird eine ältere Geschichte einfach noch einmal neu erzählt und gezeichnet
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Rezension vom: 20.08.2013
Kategorie: Dicks
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