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Comic-Besprechung - Der Nabel der Welt

Geschichten:
Der Nabel der Welt
Autor & Zeichner: Edmond Baudoin

Story:
Im Atelier eines Malers steht eine junge Frau in aufrechter Pose. Sie ist nackt und verschränkt die Hände hinter dem Kopf. Der gesamte Körper zeigt sich den Blicken eines alten Mannes, der sie eindringlich ansieht und zu malen beginnt. Zahlreiche Bilder werden entstehen. Während der Arbeit plaudern die Beiden über das Leben, die Kunst und die Liebe. Plötzlich werfen sich der Greis und die junge Frau Meinungen, Standpunkte, Aussagen und heikle Fragen wie Spielbälle zu. Sie debattieren über Frauen und Männer, gegenseitigen Respekt und verschiedene Auffassungen von Treue, Geschlechterrollen und deren Wahrnehmung. Sie fragt nach seinen Partnerinnen, er antwortet. So kommt es zur großen Debatte über zentrale Fragen des Lebens, die Liebe, Beziehungen, Freundschaft und Körperlichkeit.

Meinung:
Das im Schreiber&Leser Verlag erschienene, 112 Seiten umfassende Comic-Buch "Der Nabel der Welt" stammt aus der Feder des in Nizza geborenen Edmond Baudoin, der in Deutschland durch die Illustration der Krimis von Fred Vargas ("Das Zeichen des Widders") Bekanntheit erlangt hat und in "Circus", "Pilote" und "L’Echo des Savannen" veröffentlicht. Mit seinem neuesten Werk widmet er sich zentralen Fragen des menschlichen Zusammenlebens bzw. dem gegenseitigen Umgang von Frau und Mann miteinander. Dazu wählt Baudoin das Setting eines Ateliers, in dem ein alter Greis Aktzeichnungen von einem jungen Model anfertigt. Sie beginnen, über Gott und die Welt zu reden, doch plötzlich entbrennt ein vehementer Meinungsaustausch über Liebe, Sex, Beziehungen und Treue. Der Alte berichtet von drei seiner Frauen: Julia, Helene und Marion, die sein Verhältnis zum weiblichen Geschlecht nachhaltig beeinflusst haben. Mit jeder dieser Frauen hat er Zeitabschnitte seines Lebens verbracht, aus jeder Begegnung Dinge gelernt. Seine Auffassungen treffen bei seinem Model nicht immer auf Zustimmung, sodass die Zusammenkunft bald zu einem lebhaften Meinungsaustausch wird, bei dem vieles zur Diskussion steht. Die stets respektvoll geführte und in Form und Inhalt facettenreich gestaltete Unterredung vermag es, den Leser miteinzubeziehen. Durch die genauere Ausformulierung der gegensätzlichen Standpunkte ermöglicht Baudoin es ihm, Allianzen zu bilden, sich zu positionieren und vor allem durch aktive Gedankenprozesse dem Geschehen auf den Buchseiten teilzuhaben.

Wenn im weiteren Verlauf der Geschichte das Model die Kleider anlegt und den Maler herausfordert, sich entblößt ihrem Auge zu zeigen, damit sie den Spieß herumdrehen und beginnen könne, ihn zu malen, zeigt sich das ohnehin schon fruchtbare Zusammenkommen weiter fesselnd. Nun rückten gesellschaftspolitische Inhalte in den Fokus der Gespräche. Wie ist es um die Stellung der Geschlechter bestellt und welchen Einfluss haben Wertschätzung, Rollen und Werte für das Zusammenleben von Frauen und Männern? Vor allem vor dem Hintergrund der aktuell geführten Brüderle/Sexismus-Debatte finden sich in "Der Nabel der Welt" spannende Ideen, die Anreize für weiterführende Gedankenspiele geben. Dies vermögen allein schon die Thesen über Partnerschaft und Treue, doch einen Schritt weiter gehen eben erwähnte gesellschaftspolitische Fragestellungen. Der aktiv-interessierte Leser wird viele Anstösse aus der Lektüre gewinnen und damit beweist Baudoin, dass wichtige Themen nach wie vor Platz in Form von grafischen Erzählungen haben - und dies auch völlig zurecht, wie "Der Nabel der Welt" nachhaltig beweist.

Bei der gegebenen inhaltlichen Breite verliert Autor und Künstler Edmond Baudoin jedoch nie die visuelle Gestaltung seines Werkes aus dem Augen. Farbenfroh und unter Verwendung diverser Zeichenstile bebildert er die Geschichte seiner diskussionsfreudigen Figuren. Stellenweise prägt der Weichzeichner-Stil die Darstellungen, dann sind es Passagen, die an Wasserfarbengemälde erinnern, die das Auge des Betrachters ansprechen. Hin und wieder werden Fotografien zugrunde gelegt, die durch übermalen künstlerisch verfremdet werden. "Der Nabel der Welt" sieht deutlich mehr nach Kunst als nach Comic aus - was sich schnell als große Stärke des Bandes herausstellt. Denn hier werden nicht nur durch den Inhalt die Gedanken angeregt, auch das visuelle Erscheinungsbild fordert den Leser zur Beschäftigung auf. Wie bei früheren Publikationen des Schreiber&Leser Verlags, ist auch mit "Der Nabel der Welt" ein qualitativ hochwertiger Hardcoverband gelungen, der durch seine gute Papierqualität punktet. Der im Format 17 x 24 cm vorliegende Band macht nicht zuletzt durch seine ansprechende Umschlaggestaltung einen wertigen Eindruck.

Fazit:
"Der Nabel der Welt" von Edmond Baudoin widmet sich dem stets aktuellen und unzählige Male diskutierten Thema des Zusammenlebens von Mann und Frau. Darüber hinaus diskutiert das Werk wichtige gesellschaftspolitische Themen, Geschlechterfragen um gegenseitigen Respekt, den Umgang miteinander und divergierende Meinungen zu Themen wie Treue, Liebe und Körperlichkeit. Der im Schreiber&Leser Verlag erschienene Hardcoverband wirkt qualitativ hervorragend und durch seine kunstvollen Zeichenstile, die bereits das ansehlich gestaltete Cover zeigt, mehr als ansprechend. Für Leser, die sich diesen nicht immer einfachen aber alle Menschen jeglichen Alters betreffenden Themen aufgeschlossen zeigen, wird "Der Nabel der Welt" viele Anregungen parat halten - ein Comic, der zur aktiven Beschäftigung mit sich einlädt und es vermag, die Gedanken in Bewegung zu bringen.

Der Nabel der Welt - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Der Nabel der Welt

Autor der Besprechung:
Marcus Offermanns

Verlag:
Schreiber und Leser

Preis:
€ 22,80

ISBN 10:
3943808084

ISBN 13:
978-3943808087

112 Seiten

Der Nabel der Welt bei Comic Combo Leipzig online bestellen
Positiv aufgefallen
  • Kunstvolle Zeichnungen
  • Ausgereiftes Themenspektrum
  • Zahlreiche Denkanstöße
  • Aktualität & Anregung zur Auseinandersetzung mit den Themen
  • Hohe Qualität des Bandes
Negativ aufgefallen
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
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Rezension vom: 19.02.2013
Kategorie: One Shots
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