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Comic-Besprechung - Lenore 2

Geschichten:
Lenore 2: Hirnrisse
Autor, Zeichner, Colorist: Roman Dirge


Story:
In den vielen kurzen Geschichten erlebt das kleine untote Mädchen Lenore viele verschiedene Abenteuer. Seien es nun die Bemühungen um einen kranken Frosch, eine Teeparty mit einem ungeladenen Gast oder die Begegnung mit einer vermeintlichen Zahnfee: alles endet gänzlich im nicht intendierten Sinne. Aber auch andere Charaktere wie ein fauler Samurai oder ein auf Rache sinnender Marienkäfer geben sich hier ein Stelldichein.

Dieser Comic wurde mit dem Splash-Hit ausgezeichnet Meinung:

Das kleine, süße, untote, boshafte Mädchen Lenore steigt zum zweiten Mal in den Ring. Und für den Fan ist es erfreulich, dass sich Schöpfer, Autor und Zeichner in Personalunion Roman Dirge nicht von seinem Erfolgsrezept gelöst hat. Es gibt keine große übergeordnete Geschichte, sondern weiterhin kurze Gags und Sketche und höchstens mal einige Kurzgeschichten von wenigen Seiten. So kann er seiner Fantasie wilden Spielraum lassen und muss sich nicht dramaturgischen Grundregeln und Erzählungsnotwendigkeiten unterwerfen. So geht er einerseits in die vollen und lässt andererseits seine Heldin wie auch im ersten Band manchmal gar nicht vorkommen. Hier haben die skurrilen Ideen Vorrang vor erzählerischen Notwendigkeiten. Was dem Band sehr gut tut, da so die unterschiedlichsten Thematiken abgehandelt werden können.

Dennoch sind auch die anderen Geschichten, also die ohne Lenore, düster, makaber, brutal und doch unglaublich lustig. Jedenfalls für alle, die einen schwarzen Humor haben und sich an obskuren Ideen erfreuen können. Da gibt es etwa ein Faultier als Samurai, einen Marienkäfer mit Rachewunsch, ein hässliches Entlein, einen gelangweilten Teufel und natürlich die Heldin, hüstel, und den Autor und Zeichner selber, der überzogene Anekdoten erzählt, die immer auf seine eigenen Kosten gehen und ihn damit sehr sympathisch machen.

Und vielleicht ist gerade das ein großes Kunststück, was ihm hier gelungen ist: trotz aller Brutalität und Boshaftigkeit, ist einem die Heldin sympathisch. Und das ohne dass sie besonders niedlich im mangaesken Sinne gezeichnet wäre. Sie hat zwar große Augen, aber keinerlei Moral und ist eigentlich gar nicht hübsch. Aber wie Roman Dirge zeichnerisch mit dem Mund seiner Figur arbeitet ist meisterhaft. Er ist nämlich eigentlich gar nicht zu sehen und ein Lächeln erscheint nur am unteren äußersten Rand des Kopfes, was es nahezu unwiderstehlich macht, da es unschuldig und süß und verschmitzt wirkt. Umso krasser fallen dann die Taten des Kindes aus.

Ansonsten ist Lenore nämlich im Grunde ein typisches Kind. Auch Kinder haben noch keine Ahnung von Verhaltensregeln und müssen diese im Laufe ihrer Entwicklung noch erlernen. Das Lenore tot ist, erweitert ihren und des Autors Spielraum im Bereich der erzählerischen Möglichkeiten (Stichwort Monster, Dämonen und Teufel) und gibt immer noch genügend fiktionalen Raum, um sich von der Realität abzugrenzen. Denn Kinder haben auch noch keine Ethik, sondern müssen erlernen, ihren Egoismus zu überwinden und grundsätzliche moralische Werte zu übernehmen. Kinder sagen und tun etwas, ohne die Folgen zu beachten. Sie handeln triebhaft und instinktiv und die Folgen können und wollen sie noch nicht absehen. So ist es auch mit Lenore. Da gibt es eine schöne Episode mit einem toten Frosch, den sie zu erwecken versucht, weil ihr das Konzept des Tods in dieser Episode nicht vertraut ist. Manchmal ist das makaber, wenn sie etwa eine Inneneinsicht hat, die dennoch tödlich endet, wie mit dem Seilspringen oder ihr Versuch den Osterhasen zu ersetzen. Gerade die Episode mit dem hässlichen Entlein macht aber deutlich, dass Kinder oft etwas sagen, wovon sie nicht wissen, dass es andere verletzen kann. Das ist schon fast eine Pervertierung des Sprichwortes „Kindermund tut Wahrheit kund“. Im Grunde ist Lenore so anarchisch wie die Marx Brothers zu ihren besten Zeiten. Das verbunden mit Horror, Dadaismus und bizarren Zutaten ergibt ein wahrlich vergnügliches Lesefutter.

Auch zeichnerisch geht Dirge souverän mit den Mitteln der Karikatur um und kann mit den Augen seiner Figuren punkten. Man beachte nur die Geschichte mit der Maus und wie er seiner gezeichneten Laborratte damit Leben einhaucht. Oder dem Wiesel (oder was auch immer das darstellen soll) in der letzten Geschichte.

Apropos letzte Geschichte: es scheint hier der letzte Band um Lenore vorzuliegen. Was angesichts der Qualität äußerst bedauerlich wäre. So bleibt einem nur zu hoffen, dass Dirge sein untotes Mädchen doch noch einmal reanimieren wird.



Fazit:
Ein kleines Meisterwerk voller düsterer, bizarrer Geschichten, die aber zum brüllen komisch sind. Im Grunde ist Lenore ein Prototyp eines unmoralischen Kindes, welches die Normen und moralischen Regeln noch nicht kennt. Hier bevölkern Monster und andere Wesen eine alptraumhafte Welt, die dennoch viel über uns aussagt. Klasse.



Lenore 2 - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Lenore 2

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Paninicomics

Preis:
€ 16,95

ISBN 10:
3862013707

ISBN 13:
978-3862013708

128 Seiten

Positiv aufgefallen
  • Komik
  • ausufernde Fantasie
  • Selbstironie
  • zeichnerische Gestaltung
  • Grundverhalten von Kindern
Negativ aufgefallen
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
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Rezension vom: 23.01.2013
Kategorie: Lenore
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