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Comic-Besprechung - Dantes göttliche Komödie

Geschichten:

Dantes göttliche Komödie

Adaption: Seymour Chwast
Zeichner: Seymour Chwast


Story:

Der Dichter Dante trauert um seine geliebte Beatrice und möchte sie gerne wieder sehen. Vergil tritt auf und berichtet Dante, dass Beatrice im Himmel ist. Um sie im Paradies sehen zu können, müssen die beiden aber zunächst die Hölle und das Purgatorium durchqueren. Auf dem Weg erkennt Dante nicht nur bekannte Persönlichkeiten, sondern ihm werden auch philosophische, politische, moralische und theologische Fragen beantwortet.





Meinung:

Es ist schon schwierig genug, einem so komplexen, schwierigen Meisterwerk der Literatur wie der Göttlichen Komödie von Dante Aligheri eine knappe Inhaltsangabe abzutrotzen. Wie will man dann einem großen Klassiker und Geniestreich der Weltliteratur eine Comicadaption abringen? Das Unterfangen ist nicht nur gewagt, sondern im Grunde von vornherein zum Scheitern verurteilt. Andere Comics (ebenso wie Filme und Bücher) nutzen die Göttliche Komödie meist nur als Inspirationsquelle (vorzugsweise das Inferno, um Höllenvisionen zu schaffen) und nehmen den Namen, um einen "seriöseren" Anstrich zu bekommen.

Zwei Aspekte für eine gelungene Adaption sollten vorhanden sein: außergewöhnliche graphische Elemente, die dem wortgewaltigen Werk zur Ehre gereichen und eine Modernisierung der Personen. Dem ursprünglichen Geniestreich kann man stellenweise nur mit Anmerkungen gegenübertreten, da Dante nicht nur viele historische Persönlichkeiten, sondern auch viele Zeitgenossen im Werk auftreten ließ, die einem heute nicht mehr bekannt sind und nur anhand von Fußnoten eingeordnet werden können. Das hat natürlich eine ungeheure politische Sprengkraft, wenn Dante einen noch lebenden Papst oder Politiker in der Hölle schmoren lässt. Gerade diese Aspekte werden aber gerne vergessen.

Ist also nun dem preisgekrönten Designer und Comicschöpfer Seymour Chwast eine Adaption gelungen? Kurz und knapp: nein. Die Zeichnungen sind plump bis hin zur Naivität und vermögen an keiner Stelle zu überzeugen. Sehr grobflächig, ohne Details, ohne Farbe, wirken sie sehr statisch und als das genaue Gegenteil dessen, was die Sprachgewalt Dantes geschaffen hatte. Hier sagt ein Bild sehr viel weniger als tausend Worte. Und die Zeichnungen regen noch nicht einmal die Phantasie des Lesers an und erleiden so den Todesstoß.

Der Textumgang ist gelinde gesagt zweifelhaft: ganze Kapitel werden auf einen einzigen Satz und ein Bild zusammengeschmolzen und geben nicht einmal die Essenz des Kapitels wieder, sondern nur den Inhalt. So etwa wird nur erwähnt, dass Dante und Vergil den Wald der Selbstmörder durchqueren. Warum es aber ein Wald ist, warum Selbstmörder in der Hölle sind, was die beiden dort erleben: nichts davon kommt in dem Comic, im Gegensatz zu der Vorlage, vor. Und das gilt für alle Kapitel. Hier liegt weniger eine Adaption vor, sondern vielmehr eine lange Inhaltsangabe mit Illustrationen. Und die wenigen Sätze sind noch nicht einmal von Dante. Oder jedenfalls nur sehr wenige.

Wird denn nun der Stoff wenigstens modernisiert? Naja, die Figuren tragen, teilweise, moderne Anzüge und rauchen Pfeife und Verbrecher benutzen Maschinenpistolen. Aber eine richtige Modernisierung findet nicht statt. Auch Chwast benutzt die ursprünglich erwähnten Personen. Hier wäre es geschickt gewesen, diese mit zeitgenössischem Personal aufzufüllen. Das hätte dem Werk wirklich eine Modernität gegeben und hätte ebenso provokant gewirkt wie die Vorlage.

Alles Poetische, Theologische, Politische, Provokante und Philosophische fehlt. Und wenn es einmal vorkommt, so kommt es dermassen kurz vor, dass diese Aspekte nicht einmal ansatzweise identifiziert werden können.

Der ganze Band ist sehr unbefriedigend und nur für Leute gedacht, die weder Zeit noch Konzentration haben, die Vorlage zu lesen, aber mitreden wollen. Positiv gesehen, ist der Band mehr an Kinder zu überreichen, damit diese auf das ursprüngliche Werk aufmerksam gemacht werden und es lesen wollen. Das wäre immerhin ein positiver Aspekt dieser Adaption.

Fazit:

Es ist gewagt, einen der großen Geniestreiche der Literatur zu adaptieren. Der preisgekrönte Schöpfer Seymour Chwast scheitert dann auch auf ganzer Linie. Das einzige postive wäre, wenn Kinder durch den Band dazu verleitet werden, einmal das Original lesen zu wollen.



Dantes göttliche Komödie - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Dantes göttliche Komödie

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Knesebeck

Preis:
€ 19,95

ISBN 10:
9783868733396

ISBN 13:
978-3868733396

128 Seiten

Dantes göttliche Komödie bei Comic Combo Leipzig online bestellen
Positiv aufgefallen
Negativ aufgefallen
  • plumpe, naive Zeichnungen
  • keine Wortgewalt
  • keine Ideen
  • kein tiefgehender Gehalt mehr
  • keine Provokation
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Rezension vom: 06.06.2011
Kategorie: One Shots
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