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Comic-Besprechung - Für das Imperium 1: Ehre

Geschichten:

Pour L’Empire – L’Honneur

Autoren und Zeichner: Merwan & Bastien Vivès
Farben: Sandra Desmazières




Story:

Das römische Reich am Gezeitenpunkt seiner Ausdehnung. Es erobert und obsiegt. Jetzt gilt es, nicht nur das Gewonnene zu erweitern, sondern es zu halten und seine Macht in der Zeit zu verankern. Deshalb schickt der Kaiser einen Trupp seiner besten Soldaten aus, um die neue Welt zu kartographisieren und dem Nebel des Unwissens zu entreißen. Es ist ein rauer und in vielen Kämpfen zusammen geschmiedeter Haufen ehrbarer römischer Soldaten, der sich aufmacht, um ins Unbekannte vorzustoßen. Mancherlei seltsame Bewohner und Gefahren erwarten sie.




Meinung:

Auf den ersten Blick scheinen sich die Aussage des Kaisers und sein Befehl an die kleine Gruppe römischer Soldaten nicht zu decken. Wie führt die Erkenntnis, das römische Reich habe genug erobert und müsse jetzt seine Macht festigen, dazu, eine Gruppe kampferprobter Römer in die unbekannte Welt zu entsenden? Wahrscheinlich nur über dem Wege, es nicht mehr mit mächtigen Armeen zu tun, weil diese jetzt zur Sicherung des Eroberten dienen sollen.

Eine Aufgabe, die den ausgesendeten Soldaten sicherlich nicht zupass kommen würde. Trotz aller Fähigkeit und Kampfeslust sind sie ein derber Haufen, der weniger auf taktische Finesse, als auf geradliniges Hau-Drauf setzt. Mit erheblichem Erfolg. Und warum sollten römische Soldaten nicht wirklich alle so gewesen sein, schließlich stammten sie nicht ausschließlich aus der römischen Oberschicht, sondern vor allem aus dem Volke. Fehl am Platze wirkt diese Interpretation daher nicht. Es gibt zwar keine zeitliche Einordnung der Geschichte, aber vermutlich war das römische Heer bereits eine Berufsarmee geworden und die Truppe, die Hauptmann Glorim Cortis in die Fremde führt, bereits durch militärischen Drill und Ausbildung geformt.

Für den Fortgang der Handlung sind geschichtliche Einordnungen allerdings überflüssig. So wie sich Für das Imperium präsentiert, geht es dem Comic nicht um eine detailgetreue Darstellung römischer Soldaterie, sondern um einen gewissen rauen Menschenschlag, der sich den Gefahren jenseits der Grenzen des Bekannten stellen muss. Daher ist auch der Ton und sind die Dialoge in ihrem Ausdruck ebenso reduziert, wie die Zeichnungen. Zu Beginn wallen sogar Erinnerungen an Frank Millers Meisterwerk 300 auf, in dem die Hauptpersonen lakonisch und stoisch in ihrem Denken und ihrem Kriegshandwerk sind. Bodenständig bleibt es dann durch den gesamten Comic, was einen ganz anderen Blick auf diese Zeit wirft, als dies populäre Filme oder Bücher bisher taten. Erfrischend nüchtern, möchte man sagen.

Große Aufreger bietet der mit Ehre titulierte erste Band des Gespanns Merwan und Bastien Vivès nicht. Es scheint mehr eine Reise zu sein, die in Richtungen strömt, die auch Joseph Conrads Roman „Herz der Finsternis“ oder aktuell der Kinofilm „Valhalla Rising“ ausloteten. Ein Abenteuer, welches letztlich verborgene Winkel des Inneren des Menschen auslotet und ihn mit Wahrheiten über sich selbst konfrontiert. Für einen klassichen Abenteuer-Comic fehlt nämlich bisher die Intensität und für einen Action-Comic die Action. Für letzteres eignen sich die stark reduzierten Bilder eigentlich auch nicht, die in erdige und gedeckte Töne gesetzt sind.

Es gibt zwar Schlachtengetümmel und die Eroberung belagerter Städte, doch diese bestimmen mehr die erste Hälfte und dienen dazu den grobherzigen und hemdsärmeligen Charme der Truppe aufzuzeigen. Es wird nicht lange gefackelt, sondern sich tollkühn und wagemutig in den Kampf geworfen. Die Schlacht scheint für die Legionäre unter Glorim Cortis ein sinn- und identitätsstiftendes Moment zu bilden. Solche Haudegen trifft man im römischen Heer nicht alle Tage an. Ein Grund, warum gerade diese Soldaten ausgesucht wurden und es am Ende nicht einmal fünfzig Mann sind, die für die besondere Mission des Kaisers antreten sollen.

Als die Legionäre den letzten Außenposten des Reiches passieren, ist es dann der Mangel an Kämpfen, der der Truppe am ehesten zusetzt. Ausgestorbene Dörfer, verlassene Ebenen, menschenleere Ödnis. Dennoch bleibt es nicht mehr lange so ruhig und bald treffen sie auf die Menschen, die Tiere bei lebendigem Leib essen. Ihrem Gefühl von Kampfesehre kommen die Einwohner der unbekannten Landes allerdings nicht entgegen und stellen sich den Cortis und seinen Männern in kurzen Scharmützeln und Hinterhalten. Eine frustrierende Art des Kämpfens, für die eine direkte Konfrontation gewöhnten Römer und eine ebenso zermürbende Reise, die an der Moral der Soldaten zehrt. Allmählich kommen Zweifel an den Karten auf, denen sich der Trupp anvertraut und erste Disziplinarmaßnahmen müssen durchgreifen. Ihr Ziel hat die Expedition jedoch noch längst nicht erreicht. Den großen Strom, hinter dem das Abenteuer erst beginnen soll.

Es ist eine seltsam nüchterne Atmosphäre, die Merwan und Vivès erschaffen. Bastien Vivès wird ja inzwischen hochgelobt und man hält viele Stücke auf ihn. Zu seinen auf Deutsch erschienenen Werken gehören unter anderem In meinen Augen und Der Geschmack von Chlor. Beide ebenso bei Reprodukt, wie Für das Imperium. Merwan Chabane ist vornehmlich noch in Frankreich bekannt und machte das, was viele Illustratoren machen müssen, um über die Runden zu kommen. Er war Designer für Videospiele und Storyboard-Zeichner, kann auf eigene Trick- und Fernsehfilme zurückblicken und auch auf manche Comic-Arbeiten. Zusammen mit Vivès teilt er sich ein Atelier, was beinahe naturgemäß irgendwann zu einem gemeinsamen Projekt führen musste. Dass trotz der Zusammenarbeit, die Handlung wie Zeichnungen umfasste, kein stilistischer Bruch im Comic zu erkennen ist, muss man lobend anerkennen. Die Farben von Sandra Desmazières tun dann den Rest, um schließlich alles zusammen zu führen.




Fazit:

Eine eigenwillige Odysee auf die Merwan und Vivès die römische Kohorte schicken. Einen historisch korrekten Abenteuer-Comic sollte man nicht erwarten. Die Reise wird wohl nicht so sehr die Grenzen des römischen Reiches ausloten, als die des Unbekannten im Menschen und seiner Umwelt. Vordergründig mag es sich um eine Expedition der Römer handeln, aber die Macher haben da sicherlich ganz anderes im Auge.




Für das Imperium 1: Ehre - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Für das Imperium 1: Ehre

Autor der Besprechung:
Alexander Smolan

Verlag:
Reprodukt

Preis:
€ 12,00

ISBN 13:
978-3-941099-83-8

56 Seiten

Für das Imperium 1: Ehre bei Comic Combo Leipzig online bestellen
Positiv aufgefallen
  • lakonischer und stoischer Charme
  • Reise führt nicht nur ins Unbekannte des Landes
  • reduzierte Zeichnungen und erdige Farben
Negativ aufgefallen
  • minimale Kontinuitätsfehler bei Zeichnungen
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
3
(1 Stimme)
Bewertung
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Rezension vom: 01.05.2011
Kategorie: Fr das Imperium
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