SplashpagesSplashbooksSplashcomicsSplashgamesComicforumImpressumEntertainweb


In der Datenbank befinden sich derzeit 15.741 Rezensionen. Alle Rezensionen anzeigen...
Rezensionen Splash! Hits Covergalerie Checkliste Gesammelte Leseproben

Comic-Besprechung - ZACK 129 (Nr. 03/2010)

Geschichten:
  • BLACK CROW: Der blutige Hügel (Teil 1), Autor/Zeichnungen: Jean-Yves Delitte
  • DEIN FREUND & HELFER: Entflammte Bullen, Autor: Daniel Kox, Zeichnungen: Raoul Cauvin
  • MINGAMANGA: Kruzitürk und Sowobini-Bayer (Teil 2), Autor/Zeichnungen: Robert Platzgummer
  • BLUE SPACE: Der Tycho-Vorfall (Teil 2), Autor: Richard Marazano, Zeichnungen: Chris Lamquet
  • JOHN EIGRUTEL: Der Vertrag Polstar (Teil 1), Autor: Jean Léturgie, Zeichnungen: Simon Léturgie
  • DER SAMARITER: Bethsabee von Jerusalem (Teil 3), Autor: Fred Le Berre, Zeichnungen: Michel Rouge
  • ANDY MORGAN: Gefahr auf dem Fluss, Autor: Yves Huppen, Zeichnungen: Hermann Huppen
  • ÉPICTETUS, Autor: Guillaume Bianco, Zeichnungen: Sergio Algozzino


Story:
Hinweis: Auf Grund der Masse an verschiedenen Comics und den Gesetzmäßigkeiten der Fortsetzungsgeschichten, wird inhaltlich an dieser Stelle nicht alles wiedergegeben.

Nachdem im letzten Heft gleich drei lange Geschichten abgeschlossen wurden, die allesamt mit gemischten Gefühlen verabschiedet wurden, gehen in dieser dritten Ausgabe des Jahres 2010 drei Hochkaräter an den Start.

Das Heft wird eröffnet durch BLACK CROW, dem auch das Cover gewidmet ist. Jean-Yves Delitte textet und zeichnet in Personalunion diese Piratengeschichte mit historischem Hintergrund. 2009 startete zuletzt in Deutschland seine Serie TANATOS (Ehapa), aber er ist auch bekannt und geschätzt für die Zeichnungen von Serien wie DIE NEPTUNE (Bunte Dimensionen) oder DIE NEUEN ZAREN (comicplus+).

Die Handlung von BLACK CROW spielt zur Zeit des amerikanischen Unabhängigkeitskriegs, genauer gesagt im Jahre 1775, und sie beginnt mit einem Mord. Samuel Prescott, genannt Black Crow, ist gekommen um seinen einstigen Auftraggeber, den Commodore, zu töten. Seine letzte Mission ging grausam schief und das kann nicht ungestraft bleiben. Nach diesem furiosen Auftakt springt die Handlung sieben Monate in der Zeit zurück und es entfaltet sich die Geschichte von dem markanten Seefahrer, der von Irokesen abstammen soll und als Markenzeichen eine blaue Kriegsbemalung im Gesicht trägt. Eine geheime Mission steht an, die Mannschaft ist an Bord und bereit. Black Crows Fregatte läuft aus dem Hafen von Boston aus in eine unbekannte Zukunft – untermalt durch eine beeindruckende doppelseitige Splashpage.

Der zweite Neuzugang in diesem Monat kommt von Jean und Simon Léturgie, einem Vater-Sohn-Gespann, welches mit Vorliebe bitterböse an ein erwachseneres Publikum gerichtete Funny-Comics auf seine Leser loslässt. Es geht um John Eitrugel (übrigens ein Anagram von Léturgie), einem extrem skrupellosen Filmproduzenten, der nicht nur seine Schwiegermutter verkaufen würde, um zum Ziel zu kommen. Seine neusten Pläne bringen ihn nach Bangkok, wo er unter anderem seinen Sohn sucht, der sich in Schwierigkeiten gebracht hat.

Die dritte neue Serie ist ein ganz alter Bekannter. ANDY MORGAN kehrt zurück mit neun Seiten seines neuen Abenteuers. Und, oh Freude, es ist nicht der ANDY MORGAN von Dany oder Aidans. Nein! Es ist Hermann himself, der die Zeichnungen aufs Papier bringt. Neben Andy sind auch seine Kumpels Barney, der Junge Ali und El Lobo, ein Freund aus alten Tagen, mit von der Partie.

Von den „Service“-Seiten gibt es diesmal ein Interview mit Peter Wiechmann, dessen große Stunde vor vielen Dekaden beim Kauka-Verlag schlug und der mit diversen Comics seit 2008 eine Wiederauferstehung feiert, sowie ein Artikel über die neue RITTER ROLAND Gesamtausgabe bei CrossCult hervorzuheben.

Meinung:
Ja ist denn schon Weihnachten? Bereits das Titelmotiv der März-Ausgabe verheißt Gutes. Eine riesige Fregatte auf hoher See, die Segel gesetzt. Leinen los. Auf zu neuen Ufern. Möwen kreisen ums ZACK-Logo. Man glaubt fast schon Salzwasser auf der Haut zu spüren.

Mit der neuen Serie BLACK CROW kommt eine vielversprechende Abenteuerserie zum Abdruck, die sowohl die traditionellen ZACK-Fans als auch die Leser der neusten Generation begeistern dürfte. Die ersten Seiten überzeugen auf ganzer Linie. Delitte zeichnet, was er am liebsten mag: historische Geschichten und Segelschiffe. Seine detailverliebte Zeichenkunst ist eine wahre Freude.

Und wer es nach der Vorschau in der Februar-Ausgabe nicht glauben mochte, der hat es jetzt in der besten Hermann-Kolorierung in tollen Farben vorliegen. Man hat es nicht geträumt: elf Jahre nach dem letzten Album kommt ANDY MORGAN zurück. Hermann, der sich nach eigenen Aussagen nie wieder mit dem platinblonden Abenteurer auseinandersetzen wollte, nimmt sich seiner beliebten Figur ein weiteres Mal an. Als die letzte ANDY MORGAN-Story in Albumlänge von Hermann erschien, da ist der 1. FC Köln Deutscher Fußball-Meister geworden und Argentinien hat die Niederlande im Finale der Weltmeisterschaft geschlagen. Lang, lang ist’s her, 1978, um genau zu sein.

Ganz klar: Andy Morgan ist Kult und Hermann ist auch Kult. Andy Morgan war eine der populärsten Helden in der Koralle-ZACK-Ära. Genau wie Hermanns Westernserie COMANCHE, und ein ähnliches ein Tamtam wird dieser Tage um diese gemacht, wenn es darum geht, wie doch die angekündigte Gesamtausgabe bei Kult Editionen bitte schön auszusehen hat. Aber erst einmal wird die Geschichte im ZACK-Magazin vorabgedruckt und dies brandaktuell. George F.W. Tempel hat noch nicht das komplette 54-seitige Abenteuer vom Lizenzgeber vorliegen, da wurden bereits die ersten Seiten übersetzt, gelettert und abgedruckt. Da flattern die Zeichnungen quasi vom Zeichentisch des beliebten Belgiers direkt ins Verlagsgebäude und die Druckerpressen. Selten kommen deutsche Leser in den Genuss so taufrischen Comiclesestoffs aus Frankreich.

Über die Geschichte per se lässt sich noch nicht viel sagen. Sie entfaltet sich erst und eine Bewertung, auch nicht als Tendenz, kann noch nicht erfolgen. Hermanns Zeichenstil hat sich natürlich weiterentwickelt. Es ist nicht mehr ganz der altbekannte Andy, denn er wirkt irgendwie stämmiger und gesetzter, aber der Zahn der Zeit nagt auch am Erscheinungsbild eines gestandenen Abenteurers.

DER VERTRAG POLSTAR ist fein-herber Stoff für Hartgesottene. Er sieht aus wie ein Funny und liest sich wie ein Funny, aber die Zwischentöne sind nichts für Zartbesaitete. Der Filmmogul John Eigrutel ist ein ganz heftiger Bursche. Nur ein Beispiel von vielen: Als er von drei asiatischen Ganoven bedroht wird, die ankündigen ihm die Haut abziehen zu wollen, macht er nur seinen Koffer auf und hält dem Größten ein paar Scheine mit der Bemerkung „Drei amerikanische Dollar, wenn du mir dieses Ungeziefer vom Hals schaffst“ unter die Nase. Als dieser daraufhin seine zwei Kollegen absticht und diese in ihrem eigenen Blut liegen, setzt Eigrutel noch einen drauf: „Wunderbar! Wir beide werden uns gut verstehen. Zweihundert amerikanische Dollar, wenn du Harakiri begehst.“ Und schon liegt der tumbe Gauner im nächsten Panel am Boden. Während seine Gedärme aus dem Bauch quellen, schnappt Eigrutel sein Geldbündel aus der verkrampften Hand des Sterbenden und kommentiert das Ganze wie folgt: „Es ist eine wahre Lust mit solchen Dünnbrettbohrern Geschäfte zu machen.“ Wie gesagt, nur für Abgebrühte. Schwarzer Humor par excellence.


Die zweite Funny-Serie, MINGAMANGA von Robert Platzgummer, ist im letzten Heft erst eingeläutet worden, wird aber nach dem zweiten Teil bereits überraschend zwangspausiert. Da hat man sich just als Leser von dem positiven Schock erholt, dass es noch lustige Funny-Konzepte aus deutschen Landen gibt, da gehen der Serie bereits die Seiten aus. Leider wird dem Ganzen durch dieses Bremsmanöver ziemlich der Wind aus den Segeln genommen. Die Serie ist lustig, die Charaktere sympathisch, der Gesamteindruck ist wirklich gut – und plötzlich kommt die Erkenntnis, dass es nicht weitergeht, weil Platzgummer nicht mehr Seiten vorgelegt hat. Hätte man da nicht noch etwas warten können mit dem Start der Serie? Hätte man dem Zeichner etwas mehr Beine machen müssen, damit er zügig weitere Panels mit Bini und Staffie & Co. abliefert? Schade, einfach nur schade.

Wichtige Entscheidungen sind auch gefallen. ZACK wird 2010 nicht zwei Mal im Monat erscheinen. Das ergab die Analyse einer Leserumfrage, bei der knapp 45 Prozent der Teilnehmer für eine Umstellung votierten. Das Risiko war dem Verlag dann doch zu groß, zumal eine generalüberholte, kräftig ausgebaute „Zack Edition“ im Frühjahr vom Stapel gelassen wird. Manch ein Leser wird es schade finden, denn eine 14tägige Erscheinungsweise wäre ein in jeder Hinsicht extrem reizvolles Projekt gewesen. Klaus D. Schleiter wird erleichtert sein – schließlich gibt es genug Klippen zu umschiffen mit den bisherigen Unternehmungen, die auf der To-Do-Liste stehen. „Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben“ meint der Chefredakteur im Editorial. Eine Aussage, an die ihn die User des ZACK-Forums im Internet mit peinlich genauer Sicherheit erinnern werden, wenn das Jahr dem Ende zu geht.

Die Ergebnisse der Wahl zur ZACK Serie des Jahres 2009 liegen ebenfalls vor. Kaum überraschend gewinnt der Zweite Weltkrieg-Thriller ES WAR EINMAL IN FRANKREICH, vor EL NINO auf dem zweiten Platz und DIE LEGENDE VON MALEMORT auf Platz 3.

Das „große ZACK-Interview mit Peter Wiechmann“ hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Wiechmann ist sicherlich eine der schillerndsten und lautesten Figuren der deutschen Comic-Szene gewesen und hat gerade in seiner Zeit bei Kauka enorm viele Dinge gemacht. Oftmals leider eher nach dem Motto „Masse statt Klasse“. Er ist außerdem einer der umstrittensten deutschen Macher, sowohl als Verlagsmensch als auch als Autor. Er mag nette Ideen gehabt haben, aber wirklich gut schreiben konnte er nie. Selbst als er sekundärliterarisch versuchte mit seiner großen mehrteiligen Kauka-Chronik die Teile deutscher Comic-Geschichte zu beschreiben, entstand eine heterogene Mischung an Textbatzen und Wortkonstrukten, die immer wieder von penetranter Selbstbeweihräucherung nur so strotzte.

Das vorliegende Interview verbreitet den gleichen Hauch wie man ihn von Wiechmann gewohnt ist. Es liest sich erschreckenderweise an manchen Stellen wie ein Text von Wiechmann geschrieben. Mal etwas Prosa, mal abgehakte Wortfetzen, mal gesprochene Fußnoten. Man könnte auch meinen, er hätte seine Antworten mit der Schreibmaschine getippt und ist dauernd von seinem Hund oder Nachbarn unterbrochen worden. Sehr seltsam, dass dies weder vom Interviewer noch von der ZACK-Redaktion bemerkt wurde. Gerade ein mehrfach vorkommender Verweis auf seine eigene Artikelserie in dem Magazin DIE SPRECHBLASE, hilft dem gemeinen ZACK-Leser von heute nichts. Er wird sich die alten Ausgaben des Hethke-Magazins sicher nicht auf dem Sammlermarkt zusammensuchen und dort weiterlesen, sondern unbefriedigt im informatorischen Regen stehen gelassen. Unterm Strich bleibt eine Art Splitterbombe, die alles nur aufreißt, aber nichts wirklich behandelt. Vielleicht hätte man eine gut strukturierte Interviewserie draus machen sollen bei dem weiten Feld, das man beackern wollte … schließlich muss man jedoch froh sein, wenn auch kontroverse Leute in ZACK interviewt werden. Das macht das Magazin umso interessanter.

Fazit:
Nach Begutachtung dieser Ausgabe kann man vollends feststellen: Das „neue“ ZACK ist angekommen. Es ist das bislang ausgewogenste Heft seit langem. Die Mischung ist gelungen. Die Qualität der Comics ist beachtlich. Es ist für jeden etwas dabei: alte Funnies, neue Funnies, Abenteuer, Historie, Science Fiction, Schwarzer Humor – und über allem thront der neue ANDY MORGAN.

Also möchte man dem nicht mehr ganz so neuen Chefredakteur auf die Schulter klopfen und ihm leise ins Ohr flüstern: „Sauber, Efwe, weiter so!“.



ZACK 129 (Nr. 03/2010) - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

ZACK 129 (Nr. 03/2010)

Autor der Besprechung:
Matthias Hofmann

Verlag:
Mosaik Steinchen für Steinchen

Preis:
€ 7.90

84 Seiten

Positiv aufgefallen
  • Start des neuen ANDY MORGAN von Hermann
  • Start der neuen Serie BLACK CROW
  • gelungene Comic-Mischung
Negativ aufgefallen
  • das Wiechmann-Interview wirkt halbgar
  • Die Fragen von „Zuletzt gefragt“ haben offenbar Hermann genervt, denn seine Antworten sind größtenteils nichtsagend
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
1
(1 Stimme)
Bewertung
Du kannst diesen Comic hier benoten.

Persönlichen Bookmark setzen für diese Seite
Diese Seite als Bookmark bei Blinklist hinzufügen   Diese Seite als Bookmark bei del.icio.us hinzufügen   Diese Seite als Bookmark bei Digg hinzufügen   Diese Seite als Bookmark bei Fark hinzufügen   Diese Seite als Bookmark bei Furl hinzufügen   Diese Seite als Bookmark bei Google Bookmarks hinzufügen   Diese Seite als Bookmark bei Mister Wong hinzufügen   Diese Seite als Bookmark bei myYahoo hinzufügen   Diese Seite als Bookmark bei Netscape hinzufügen   Diese Seite als Bookmark bei Newsvine hinzufügen   Diese Seite als Bookmark bei Reddit hinzufügen   Diese Seite als Bookmark bei StumbleUpon hinzufügen   Diese Seite als Bookmark bei Technorati hinzufügen   Diese Seite als Bookmark bei Yigg hinzufügen  
Oder diesen Dienst benutzen: Social Bookmark Button

Rezension vom: 25.02.2010
Kategorie: ZACK
«« Die vorhergehende Rezension
Canoe Bay
Die nächste Rezension »»
Jonah Hex 1: Zeit zu sterben
Leseprobe
Zu diesem Titel liegt derzeit keine Leseprobe vor. Sie sind Mitarbeiter des Verlags und daran interessiert uns für diesen Titel eine Leseprobe zu schicken? Dann klicken Sie hier...
Das sagen unsere Leser
Zu diesem Titel existieren noch keine Rezensionen unserer Leser.