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Comic-Besprechung - Jeronimus 1: Ruhe vor dem Sturm

Geschichten:

Ruhe vor dem Sturm (Originaltitel: „JÉRONIMUS Première Partie: Un Homme Neuf“)
Autor: Christophe Dabitch, Zeichner & Colorist: Jean-Denis Pendanx



Story:
Vorweg: Es ist eine wahre Geschichte, die hier als Grundlage dient. Die Handlung des ersten Bandes setzt ein im Juli 1629 und wird von der dritten Seite an rückblickend erzählt.

Am 29. Oktober 1628 brach die Galeone Batavia  auf, um von Amsterdam nach Java zu segeln. Es war ein neues, bedeutendes Schiff der „Vereenigde Oostindische Compagnie“ (VOC) und sollte an seinem Ziel Gewürze laden, die den Reichtum der Aktionäre der Kompagnie begründeten.

In der Hierarchie der VOC war der Kapitän jedoch nur für die Fahrt des Schiffes verantwortlich. Die Leitung der Expedition oblag dem kommerziell verantwortlichen Oberkaufmann, der auch dem Kapitän Weisungen erteilen konnte. Oberkaufmann auf der Batavia war Francisco Pelsaert. Dieser hatte bereits seit längerer Zeit ein äußerst spannungsgeladenes Verhältnis zu dem Kapitän, Ariaen Jacobz. Für die Jungfernfahrt der Batavia gingen 341 Passagiere an Bord: Seeleute, Handwerker, Soldaten, Offiziere und Passagiere, die in den besseren Quartieren im Heckkastell untergebracht waren, darunter auch 38 Frauen und Kinder. Mit dabei war ebenfalls der Apotheker und Unterkaufmann Jeronimus Cornelisz, dessen Leben zuvor einige Schicksalsschläge erlitten hatte: sein kleiner Sohn verstarb an einer rätselhaften Syphilis-Erkrankung, seine Frau stand im Verdacht ihn betrogen zu haben, als Apotheker war er bankrott gegangen.

Das tragische Unglück, der Schiffbruch der Batavia vor der australischen Westküste, wird bereits zu Beginn des Albums erwähnt. Auf der langen Reise nach Java bahnt sich spürbar die Katastrophe an. Es dauert sechs Monate bis das Schiff zu einem Zwischenstopp am Kap der Guten Hoffnung anlegen kann, um die Vorräte aufzustocken. Bis dahin spielen sich bereits zwischenmenschliche Dramen ab zwischen Kapitän und Oberkaufmann, innerhalb der Besatzung oder zwischen den Männern und Frauen an Bord. Mittendrinn Jeronimus, der mit psychologischem Geschick versucht sich zu behaupten.


Dieser Comic wurde mit dem Splash-Hit ausgezeichnet Meinung:
Das deutsche Ruhe vor dem Sturm trifft den Inhalt der Geschichte fast besser als der französische Originaltitel, der so viel bedeutet wie „Ein neuer Mann“ oder „Ein neuer Mensch“. Gleich zu Beginn wird der Rahmen für die Handlung vorgegeben: Amsterdam war der größte Handelsplatz in Europa. In Holland wurden die Börse und der Kapitalismus erfunden. Das Land lebte in Wohlstand und Freiheit. Amsterdam galt als weltoffen und tolerant. Freigeister und Verfolgte aus aller Welt suchten hier Zuflucht. Die Batavia erreichte ihr Ziel Java nie. Der Name des Schiffs wurde zum Symbol für jene furchtbare Expedition zu der Inselgruppe vor Australien. Für das Menschenexperiment des Holländers Jeronimus Cornelisz, der zunächst so gar nicht für diese Rolle prädestiniert schien.

Die ersten Seiten mit der Vorgeschichte von Jeronimus, dessen Leben einige herbe Schläge abbekommt, machen betroffen und wirken bedrückend. Über allem hängt eine beim Lesen spürbare Bedrohung, ein Schicksal, welches unaufhaltsam seinen Lauf nimmt. Dies verstärkt sich durch die beobachtende Erzählweise von Dabitch, die nichts ausspart. Die Passagiere erleben Hitze, brennende Sonne, Langeweile, Angst, Ungewissheit und Alpträume. Sie kämpfen mit Ungeziefer, Läusen und Ratten. Fauliges Wasser und verschimmelte Nahrungsmittel sind keine Seltenheit. Der Geruch von Urin und Kot auf den Zwischendecks tut sein übriges, zusammen mit ersten Anzeichen von Skorbut, der sich unter Deck ausbreitet.

Die Zeichnungen von Pendanx setzen das Ambiente des 17. Jahrhunderts, sei es durch die authentische Kleidung, sei es die Darstellung der Häuser, gekonnt um. Das Setting wirkt gut recherchiert, was kein Wunder ist, wurde als Inspiration doch das meisterhafte Sachbuch Der Untergang der Batavia von Mike Dash herangezogen. Dash hat nicht nur die Tragödie um das Schiffsunglück und den Zerfall der gestrandeten Menschen zusammengefasst, sondern auch die Lebensbedingungen in den kontemporären Städten und Kolonien anhand von Tagebuchaufzeichnungen oder Archivunterlagen genau recherchiert.

Die Colorierung von Pendanx hat einen impressionistischen, malerischen Touch, der sehr gut zur Atmosphäre der Geschichte passt. Die Panels kommen ohne jegliche Sound-Words aus, und auch actiongeladene Szenen werden mitunter ohne jeglichen Text dargeboten. Dies beflügelt die Phantasie des Lesers zusätzlich.

Der erste Teil der auf drei Bände angelegten Geschichte von JERONIMUS hat Tiefenwirkung. Die Lektüre lässt den Leser eintauchen in die Geschichte einer tragischen Schiffsreise, von dem Hintergrund einer bahnbrechenden Epoche, dem Beginn des neuzeitlichen Kapitalismus des 17. Jahrhunderts. Das Schicksal des gescheiterten Apothekers Jeronimus bestimmt durchdringend die unheimliche Atmosphäre von der ersten bis zur letzten Seite. Das Resultat ist ein packendes Leseerlebnis, dass noch lange Zeit nach Beendigung der Lektüre anhält.

Schreiber & Leser hat diesen Band mit einem Graphic Novel-Aufkleber versehen. Ein Etikett, das ziemlich gut passt. Dieser Eindruck wird verstärkt durch das eher unübliche kleinere Format, so ein Zwischending zwischen Album und Buch (25 x 19,5 cm).  

Fazit:
Eine tragische Geschichte aus der Seefahrer- und Kolonialzeit des 17. Jahrhunderts, die spannend aufbereitet ist. Die Wirkung der gemalten Zeichnungen und ihre impressionistische Colorierung entfaltet sich für viele spätestens beim zweiten Blick. Ruhe vor dem Sturm ist der bemerkenswerte Start einer Trilogie, die viele Leser verdient hat. Auch wenn die Geschichte in groben Zügen bekannt ist; nach 80 Seiten will man wissen, wie es weitergeht.

Jeronimus 1: Ruhe vor dem Sturm - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Jeronimus 1: Ruhe vor dem Sturm

Autor der Besprechung:
Matthias Hofmann

Verlag:
Schreiber und Leser

Preis:
€ 18.80

ISBN 13:
978-3-941239-24-1

80 Seiten

Jeronimus 1: Ruhe vor dem Sturm bei Comic Combo Leipzig online bestellen
Positiv aufgefallen
  • gut recherchierte Geschichte
  • ein etwas anderer Seefahrer-Comic
  • intensiver Lesegenuß
  • sehr schöne Hardcovergestaltung
Negativ aufgefallen
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
1
(1 Stimme)
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Rezension vom: 28.12.2009
Kategorie: Jeronimus
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