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Interview mit Michael Mikolajczak
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Michael, von Dir ist jüngst beim Verlag Kult Comics der Band "Blutspur" erschienen. Eine nicht ganz alltägliche Vampirgeschichte. Wie bist Du auf die Idee dazu gekommen?

In einer Verkehrskontrolle, bei der die Polizei Alkoholsünder suchte. Ich war als Beifahrer mit einem Freund unterwegs, der hatte einen Kick zu viel Promille beim Alkoholtest. Der Polizist fragte mich, ob ich Alkohol getrunken hätte, ich antwortete, weit weniger, als mein Freund. Der Polizist war cool, ließ uns unter der Bedingung weiterfahren, dass ich das Steuer übernehmen würde. Dies tat ich, mein Freund kam ohne Bußgeld davon und die Idee zu „Blutspur“ war geboren.

Die Grundidee basiert darauf, dass Alkohol, harte Drogen, Medikamente, Nahrungszusatzstoffe und Nährstoffe sich im Blut nachweisen lassen und Auswirkungen auf den menschlichen Organismus haben. Wird nun der Mensch bzw. dessen Blut zum Nährstoff eines Vampirs muss die Qualität des menschlichen Blutes Auswirkung auf die Gesundheit des Vampirs haben.

Es dauerte dann noch eine Weile, bis aus der Idee ein Text wurde und dieser war eine Kurzgeschichte. Jahre später lernte ich den Zeichner Holger Klein kennen. Er hatte ein Kapitel meiner Graphic Novel „Broken“ gezeichnet, hatte sehr schnell und sehr gut gearbeitet. Holger hatte Lust auf mehr, ich aber hatte kein fertiges Skript. Da fiel mir die Kurzgeschichte „Blutspur“  wieder ein. Aus der Kurzgeschichte wurde ein Graphic-Novel-Skript und schon waren wir am Start.

Was fasziniert Dich am Vampir-Mythos?Blutspur_exlibris

„Old age comes at a bad time“ Je näher ein Mensch Krankheit und Tod rückt, sei es, am eigenen Leib oder bei Menschen, die ihm etwas bedeuten, desto mehr ist die Sehnsucht der Menschheit nach Unsterblichkeit nachempfindbar. Unsterblichkeit jedoch ist eine nie erreichbare Utopie.

Um diese Erkenntnis nicht allzu sehr niederschmetternd zu empfinden, sucht der findungsreiche Geist der Menschen nach Nachteilen, die Unsterblichkeit mit sich bringen würde. Vampirismus ist eine Facette davon. Der Preis, den Vampire für ihr Überdauern bezahlen ist hoch: kein Tageslicht, keine Sonne, keine Wärme, eine Existenz in Dunkelheit, der Zwang Menschen zu ermorden und sich von ihnen zu ernähren.
Für einen Vampir sind die schönen Dinge in seinem vorherigen Leben als Mensch nur noch Erinnerung und werden damit ebenfalls zu einer nie erreichbaren Utopie, gleich dem Wunsch der Menschheit für immer jung, gesund und lebendig zu sein.

Mich interessiert am Vampir-Mythos, wieviel Lebensqualität ein Vampir durch seine Unsterblichkeit gewinnt und verliert. Mich interessiert, wie es um die Psyche eines Wesens bestimmt ist, dem die Schönheit des Lebens verwehrt ist und der als Blutjunkie und nächtlicher Mörder Jahrhunderte lang überdauert, ohne eine Perspektive auf ein anderes Leben zu besitzen.

In der Graphic Novel philosophiert ein Protagonist immer wieder darüber, dass vergiftetes Blut ihn töte. Da bekommt man ja schon etwas Mitleid.

Unsterblichkeit ist eine Frage der Definition. Ein Vampir stirbt nicht an Altersschwäche, Krankheit oder Organversagen. Ein Vampir stirbt nur durch äußere Gewalt, wie durch Sonnenlicht oder einem Pfahl durchs Herzen und dies wird in Vampirgeschichten erzählt.

Mich faszinierte die Idee, einen inneren Todfeind des Vampirs zu erzählen, einen Vampir, der durch das Blut seiner Opfer sterben kann, sollte dies kontaminiert ist. Würde einem Menschen mit schwerer Sepsis das bakterienvergiftete Blut durch einen Vampir ausgesaugt, wie würde sich dies auf den Vampir auswirken? Ich glaube darin liegt das Besondere von „Blutspur“. Das Blut, das der Vampir zum Überleben benötigt kann ihn am Leben erhalten oder töten, je nach „Qualität“ des Blutes.

illuneuSiehst Du deinen Vampir eher bei Anne Rice angesiedelt oder bei Scott Snyders "American Vampire"?

Ich muss gestehen, die Anne Rice-Romane nie gelesen zu haben, kenne aber die Verfilmung ihres ersten Vampir-Romans unter dem Title “Interview mit einem Vampir“. „American Vampire“ hingegen war noch nicht geschrieben, als ich mit der Kurzgeschichte „Blutspur“ begann. Beide Sagas sind damit keine Vorbilder für „Blutspur“  gewesen.

Was waren denn für Dich die Vorbilder?

„Nosferatu eine Symphonie des Grauens“ mit dem unvergleichlichen Max Schreck als Vampir. Der Film wurde 1922 von F.W. Murnau in Schwarz-Weiß gedreht. Schwarz-Weiß ist seitdem für mich stilbildend für Vampirgeschichten.

Die Marvel Comic-Serie „Tomb of Dracula“ (1972-1979) ist dank Marv Wolfmans starken Stories aber vor allem durch die genialen Zeichnungen und Panels von Gene Colan, einer der herausragenden Comics seiner Zeit. Besonders der Schwarz-Weiß-Reprint der Serie zeigt Colans Klasse.

„The Omega Man“ von Boris Saga. Eine Romanverfilmung von 1971 mit Charlton Heston. Bakterien haben die Menschen zu Nachtwesen mutieren lassen, die sich die Familie nennen. Nur ein Militärbiologe ist immun, dank eines von ihm entwickelten Serums. Eine menschenleere Stadt als Sinnbild für die Einsamkeit des Menschen und der Mensch als Fremdkörper unter Andersartigen.

„The Addiction“ 1995 von Abel Ferrara in Schwarz-Weiß in Szene gesetzt. Vampire werden hier erstmals als blutsüchtig erzählt aber bekommen auch ein Weg aufgezeigt, wie Fasten und Meditation Kontrolle über die Sucht bringen können. Ein interessanter Film mit Lili Taylor und Christopher Walken.

Blutspur_cover„A girl walks home alone at night “ein schön bebilderter Schwarz-Weiß-Film von 2014, der iranisch amerikanischen Regisseurin Ana Lily Amirpour. Ein Film, bei dem Look und Erzählrhythmus beeindrucken und bei der der Mensch mehr ist, als nur Blutlieferant für eine Vampirin.

In einem Panel, als dein Vampir sein Opfer in einer Fabrikhalle gewittert hat und eine Treppe hinabsteigt, erkennt man Deine Vorliebe für Nosferatu. Das Bild ist eine einzige Hommage an Max Schreck. Gibt es noch mehrere dieser bildlichen Anspielungen?

Holger und ich wollten als Verbeugung vor dem Vampir-Genre ein Bild in unsere Graphic Novel integrieren, das eine Ikone des Vampir-Genres ist. Max Schreck war hier eine logische Wahl. Auf weitere Vampir-Zitate haben wir verzichtet.

Noch mal zum Praktischen: Wie läuft die Zusammenarbeit mit Holger Klein?

Die Zusammenarbeit läuft super. Holgers Zeichnungen sind klasse, sein Arbeitstempo ist hoch und Kommunikation läuft reibungslos.

Blutspur hat uns beiden viel Spaß bereitet, deshalb werden wir eine zweite Graphic Novel bei Kult Comics veröffentlichen, PARADIES, ein Supernatural Thriller.

Der Ablauf bei beiden Projekten ist gleich. Ich schreibe das Manuskript, strukturiere die Inhalte in Seiten und Panels. Holger ist frei in der Umsetzung. Zur Visualisierung meiner Texte, kann er sich beim Zeichnen an die vorgegebene Anzahl der Seiten, Panels und deren Inhalte halten, muss es aber nicht.

Vielen Dank für das Gespräch


Weitere Infos: http://kultcomics.net/blutspur/
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Special vom: 10.08.2017
Autor dieses Specials: Bernd Hinrichs
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