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Interview mit Christian Endres

50 Jahre Spider-Man ist ein ansehnliches Jubiläum. Was sind deine persönlichen Highlights aus dem halben Jahrhundert mit dem Wandkrabbler?

Christian_EndresDas wird jetzt nerdig, aber gut: Diverse Abenteuer von Autoren wie Gary Conway und Bill Mantlo aus den 70ern und 80ern, wobei Conway weit mehr getan hat als Gwen Stacy abzumurksen und Mantlo viel zu selten als hervorragender Spidey-Autor registriert wird. Ganz groß war natürlich der lange Run von J. M. DeMatteis und Sal Buscema an „Spectacular Spider-Man“ sowie J. M. Straczynskis und John Romita Jrs. Neudefinition des Wandkrabblers in „Amazing“. Die Lee/Romita Sr.-Hommage in Jeph Loebs und Tim SalesSpider-Man: Blue“ halte ich indes noch heute für eine der besten und zeitlosesten Spider-Man-Geschichten aller Zeiten. Für mich waren jedoch auch die frischen Abenteuer mit dem Klon Ben Reilly als „echtem“ Spider-Man unterhaltsam. Die Strecke von Paul Jenkins und „Fables“-Zeichner Mark Buckingham war ebenfalls fantastisch. Dasselbe gilt für „Spider-Man’s Tangled Web“, mit außergewöhnlichen ‚Nebengeschichten’ aus Spideys Welt. Mark Millars 12 Hefte an „Marvel Knights: Spider-Man“ haben dagegen tierisch Spaß gemacht, weil sie so herrlich over the top und kick-ass waren. Das „Sensational Spider-Man Annual“ von Matt Fraction und Salvador Larroca kurz nach Spideys damaliger Demaskierung hat sich - für ein Einzelheft - bei mir auch ganz schön eingebrannt. Aktuell hinterlässt Dan Slott außerdem wirklich einen sehr guten Eindruck innerhalb der Spidey-Historie. Und wenn ich ehrlich sein soll, dann fand ich auch viele Geschichten unter der oft kontrovers diskutierten „Ein Neuer Tag“-Ära, als man Spideys Status quo kurzerhand zurückgesetzt hat, als recht gelungen.

Und an welche Phase erinnerst du dich nur mit Grauen?

An die Zeit unter John Byrne und Howard Mackie, kurz nachdem man Mary Jane vermeintlich bei einem Flugzeugabsturz ums Leben hat kommen lassen. Mackie hat zwar immer mal ein paar gute Spidey-Hefte geschrieben, und sein Ghost Rider ist genauso wie Byrnes Legendenstatus über jeden Zweifel erhaben, doch in der Summe war das ziemlicher Murks, was die beiden Herren da im Verbund an Spidey abgeliefert haben. Jenkins und Straczynski danach waren eine echte Wohltat und dringend nötiger Balsam.

Spider-Man turnt in so vielen Marvel-Veröffentlichungen herum, dass ich mich lange vor den SPIDERMAN100Comics gedrückt habe. Hast du eine Empfehlung wie man besonders leicht in die Welt von Spider-Man einsteigen kann?

Wenn man sich drauf einlässt, kann man bei jedem Superhelden einfach an aktueller Stelle einsteigen. Nach ein paar Ausgaben ist man halbwegs drin im Geschehen, wir haben in den Heften ja auch immer Intro-Seiten mit Zusammenfassungen der aktuellen Handlung. Nichtsdestotrotz, besonders gute Einstiegspunkte sind gerade Publikationen wie eben der erste Sammelband zu „Spider-Man: Ein Neuer Tag“ - als Neuleser interessiert einen die Kontroverse um den damit verbunden Neustart ja nicht wirklich, und man freut sich einfach über einsteigerfreundliche, gute Abenteuer. Ansonsten ist die Jubiläumsausgabe „Spider-Man 100“ aus der laufenden Serie bestens geeignet, darin beginnt das Event „Spider-Island“, in dem alle New Yorker Spinnenkräfte bekommen. Wenn es ein bisschen mehr sein darf, wären auch „Im Netz von Spider-Man 33“ und „Spider-Man 91“, mit den ersten Heften von Autor Dan Slott und dem Beginn der Ära ‚Big Time’, schon ein guter Einstiegspunkt.

Dich hat glaube ich das Spectacular Spider-Man 200 in einen Spider-Man Fan verwandelt. Was macht für dich den Reiz am Kampf zwischen Harry Osborn und Peter Parker aus?

Das Heft, das ich zum ersten Mal in einem der letzten „Spinne“-Taschenbücher von Condor gelesen habe, hat mich damals tatsächlich schwer beeindruckt - und ist bis heute mein liebstes Spidey-Heft. DeMatteis hat das prächtig geschrieben, und Sal Buscema, der ohnehin einer meiner Lieblingszeichner ist, hat es fantastisch in Szene gesetzt. Die Story hat es aber auch in sich: Peter und Harry waren beste Freunde. Doch das Osborn-Erbe, das Kobold-Serum und Spideys Feindschaft mit Harrys Dad haben einen Keil zwischen die beiden getrieben. Die Spannung war eben auch gerade deshalb so immens, weil sie wussten, wer der andere unter der Maske ist, und das psychologische Duell so viele Ebenen und Nuancen besaß. Außerdem war da noch Mary Jane, die Harry genauso lang kannte wie Peter. Dass Harry sich am Ende in einem klaren Moment dann doch aus dem Drogenwahn befreit und dafür entscheidet, nicht nur Mary Jane und seinen Sohn Normie aus dem Gebäude zu retten, das er mit Sprengstoff verkabelt hatte, sondern trotz allem auch den ausgeknockten Peter, bevor er in einigen wortlosen Panels am Ende des Heftes stirbt ... das war schon alles sehr intensiv. Ein Gänsehaut-Heft, auch nach all den Jahren und Lektüren.

Als Spider-Man Redakteur nimmst du die Leser regelmäßig an die Hand und erklärst die zahlreichen Anspielungen und Verästelungen. Wie behältst du die Übersicht in dieser komplexen Welt?

Vieles hat sich über die Jahre einfach angesammelt und ist irgendwo abgespeichert. Und man entwickelt natürlich Routine. Da macht es beim Lesen dann nur noch ‚Klick’ - und ich mir schon bei der Lektüre des US-Heftes entsprechende Notizen, was ich später auf der Redaktionsseite des deutschen Heftes schreiben werde. Außerdem weiß ich meistens ziemlich genau, welche Box oder welchen Band ich öffnen und wo ich nachschlagen muss. Die Sammlung ist ja groß genug, und zur Not gibt es noch das Web.

Und wie viel Recherche steckt in einem normalen Spider-Man Nachwort?

Manche schreiben sich wie von selbst. An anderen feile ich schon mal ein paar Stunden, wenn ich es mit der Detailverliebtheit übertreibe - wenn ich trotz des begrenzten Platzes möglichst viele Anspielungen und Nettigkeiten unterbringen möchte. Gelegentlich schreibt dann eben eher der Fan, der schon seit seiner Kindheit einen Spidey-Fimmel hat, und weniger der abgezockte Redakteur, der eigentlich lieber an sein ökonomisches Textmenge/Stunden-Verhältnis denken sollte. Aber das ist okay. Ein paar Liter Herzblut im Monat kann man entbehren.

SPIDERMAN_DERAVENGER1Mit “Spider-Man, der Avenger 1” startet Panini eine neue Spinnen-Serie. Wo wird hier der Schwerpunkt gesetzt und welche US-Serien werden abgedruckt?

Zunächst erst mal nur die US-Reihe „Avenging Spider-Man“. Der Schwerpunkt dieser neuen Serie lag anfangs auf weitgehend für sich stehenden Geschichten, in denen Spidey sich mit einem Rächer-Kollegen zusammentut. Das hat sich leider etwas gewandelt in den USA, weshalb ich zum Inhalt der deutschen Ausgaben im nächsten Jahr noch nicht viel sagen kann. Das müssen wir erst noch sehen, wie es mit den Ereignissen im restlichen Marvel-Universum zusammenpasst.

Zum Jubiläum gibt es auch 68 (!) Variant-Cover. Kannst Du bitte etwas zu dieser Aktion sagen? Wie kam sie beim Fachhandel an und mit wie vielen Variants hatte Panini zu Beginn gerechnet?

Das hat wohl allen Beteiligten viel Spaß gemacht, besonders natürlich den Händlern und Kunden, von denen einige selbst auf den Variantcovern zu sehen sind. Tolle, vielleicht sogar einmalige Aktion zu einem tollen Jubiläum. Wer braucht schon Godzilla, der einen Comicshop plattmacht, wenn Spidey die hiesigen Comicshops rettet?

Welche anderen Veröffentlichungen und Special erscheinen zum Spider-Man Jubiläum bei Panini?

Neben der Nummer 100 der monatlichen Heftserie, „Spider-Man der Avenger 1“ und dem „Ein Neuer Tag“-Sammelband erscheinen noch der erste Band mit dem neuen „Ultimate Spider-Man“ Miles Morales, dessen Debüt nach dem Tod des Peter Parker aus dem alternativen Ultimativen Universum weltweit durch die Presse ging. Autor Brian M. Bendis legt da eine ausgesprochen spritzige Neuinterpretation vor. Und natürlich ist da noch „Spider-Man: Season One“, eine Graphic Novel, die Spideys Anfänge neu und in zeitgemäßem Kontext erzählt.

Bereits zum vierten Mal schwingt Spider-Man nun auch auf der großen Kinoleinwand durch New Yorks Straßen. Werden die Filme der Vorlage gerecht?

Ja. Drama, Seifenoper, Action, die vertraute Spidey-Mythologie, Peters Motivation und Mantra - da war eigentlich alles drin.

Welche Version gefällt die besser: Sam Raimins Trilogie oder die Neudefinition von Marc Webb?

Ganz klar Marc Webb. Mich hat „Amazing Spider-Man“ wirklich extrem begeistert. Ich freue mich auf weitere Filme mit Andrew Garfield und Emma Stone.

Die Anzahl an Kinoblockbustern und das Jubiläum bei Panini zeigen, dass sich Spider-Man weiterhin großer Beliebtheit erfreut. Vor 50 Jahren war es eher das Anders-Sein, ein Junge mit menschlichen Problemen, der seine neuen Kräfte eher als Bürde empfindet. Aber nun, 50 Jahre später, ist Spidey nur noch einer von Vielen. Oder doch nicht? Worin erklärst Du Dir den besonderen Status, den die Spinne einnimmt?

Er ist immer noch Peter Parker. Kein Playboy, kein Supersoldat, kein Gott, sondern einfach nur der Typ von Nebenan, der wie eh und je stets das Richtige tun will und sich den Hintern aufreißt - und nach wie vor regelmäßig scheitert, danach aber sofort wieder aufsteht. Parker-Glück, Parker-Pech ... es ist eine ewige Achterbahn, und damit kann sich eigentlich jeder identifizieren.


Über Christian Endres: Er lebt als freier Autor in der Nähe von Würzburg und schreibt regelmäßig für das Berliner Stadtmagazin zitty, den Tagesspiegel, phantastisch!, deadline, das COMIC!-Jahrbuch, Das Science Fiction Jahr und andere. Durch seine Vorliebe für Fritz Leiber fand er 2007 den Einstieg ins Comicgeschäft, als er für Cross Cult die Comic-Adaption der Abenteuer von Fafhrd und dem Grauen Mausling als Lektor und Redakteur betreute. Inzwischen hat er für Cross Cult nicht nur Titel wie "B.U.A.P.", "Hellboy", "The Goon", "Mouse Guard", "Lone Ranger", "Rocketeer" redaktionell begleitet, sondern für Modern Tales auch Titel wie "Courtney Crumrin", "Liebe + Helden" oder "12 Gründe, dich zu lieben". Für Panini schreibt er seit 2009 außerdem redaktionelle Texte für das Ultimative Universum und Events wie "The Siege", "Fear Itself" oder "Flashpoint", aber auch für "Avengers", "Spider-Man", "Punisher", "Batman/Superman", "Batman Collection", "Conan" und viele mehr. Für seine Arbeit als Fiction-Autor (u. a. "Sherlock Holmes und das Uhrwerk des Todes") wurde er unterdessen bereits mehrfach mit dem Deutschen Phantastik Preis ausgezeichnet.
Einen Einblick in seine zahlreichen Projekte bekommt man in seinem Blog.

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Special vom: 25.07.2012
Autor dieses Specials: Marcus Koppers
Die weiteren Unterseiten dieses Specials:
Leseprobe Spider-Man 100
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