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Crowdfunding falsch gemacht
Das Prinzip ist ein sehr Einfaches: Viele kleine Investoren helfen bei der Finanzierung eines großen Projektes mit. Nicht eine einzelne Person muss das Geld vorstrecken, vielmehr bezahlen Viele das Projekt im Voraus und bekommen dadurch das entsprechende Produkt plus eine zusätzliche Gegenleistung, die größer ausfällt, sofern das Investment höher ausfällt. Das klingt gut und ist oft auch ein guter Deal. Aber man kann dabei anscheinend viel falsch machen.

Im Comicbereich scheint das Prinzip immer öfter anzukommen, speziell bei den kleinen Independent-Verlagen. Den Anfang bei der Crowdsourcing-Plattform Pling.de machte David Boller. Der Schweizer geht sowieso gerne innovative Wege, hatte mit Zampano Online ein sehr ehrgeiziges Projekt auf die Beine gestellt, dass an jedem Tag der Woche mit Updates verschiedener langer Geschichten glänzt. Kaum ein anderer Zeichner im deutschsprachigen Raum ist derart rege. Und er ließ sich die zweite Ausgabe von Tell per Crowdfunding finanzieren. Die Finanziers konnten je nach finanziellem Aufwand limitierte Ausgaben bekommen oder sogar einen Auftritt im Comic. Der Mehrwert war eindeutig zu erkennen. David Boller hatte das Prinzip verstanden und es funktionierte. Tell 2 konnte finanziert werden.

Auf dem gleichen Prinzip, wenn auch einer anderen Internetplattform, sollte aber ein Grandseigneur des Comics scheitern: Peter Wiechmann. Dessen Heldentrilogie sollte ebenfalls über Crowdfunding finanziert werden. Doch das Projekt blieb relativ diffus, selbst Wiechmann wusste nicht genau, welche Inhalte er denn nun in welchem Band veröffentlichen wollte. Es sollten aber gleich drei Bände aufs Gleis gestellt werden. Der finanzielle Umfang war dementsprechend nicht gerade klein. Das Projekt scheiterte letztendlich.

Nun versucht sich Whoa! Comics ebenfalls mit einem Crowdfunding-Projekt. Zur Auswahl stehen Investitionen zwischen 5 und 500 €, drei Projekte sollen damit finanziert werden, 4.300 € zusammen kommen. Daneben sollen auch Merchandise, Messeauftritt in Erlangen und Werbematerialien finanziert werden. Wenn man etwas mehr ausgeben will, dann gibt es unter anderem DIN A3-Zeichnungen und Crediterwähnung in den Heften als Bonus.

So sehr man es den sympathischen Jungs von Whoa! Comics gönnt und so sehr man es Peter Wiechmann als Abschluss seiner Karriere gegönnt hätte, offenbart sich doch bei beiden Projekten ein fundamentales Missverständnis in Bezug auf die Idee hinter Crowdfunding.

Wie bei jedem guten Projekt muss dem Investor klar sein, was denn nun wirklich dahinter steht. Mehrere Bücher, mehrere Comics und wie im Fall von Whoa! Comics diffuse Angaben wie Merchandise oder Werbemittel sind keine gute Idee für ein Projekt. Sicherlich wird Whoa! Comics nicht das ganze Geld in einen besonders schönen Hotelaufenthalt stecken, sondern den Großteil wirklich für die Produktion der Comics ausgeben. Aber es ist ein gewisses Geschmäckle, wie der Schwabe sagt, wenn schon ein Teil des Geldes für den Aufenthalt in Erlangen drauf gehen soll. Der potentielle Investor sieht schon hier einfach keinen Benefit für sich selbst. Warum sollte er denn das Hotel der Zeichner zahlen, wenn er doch selbst auch noch anfahren und logieren muss, um die Künstler live erleben und damit von seinem Investment profitieren zu können?
Warum ist dieser Absatz durchgestrichen? Siehe Update vom 20.11.2011.

Hilfreich ist es auch nicht, dass gleich mehrere Hefte finanziert werden sollen. Alleine schon dadurch sind die Kosten so hoch, dass es schwer wird innerhalb von 60 Tagen auf diese große Summe zu kommen.

Deutlich einfacher wäre es gewesen, wenn zum Beispiel nur das Gratis Comic Tag-Heft finanziert worden wäre. Mit Kosten um die 500 € - und dabei wäre noch etwas für die Künstler hängen geblieben - hätte das schon funktioniert. Ein übersichtlicher Betrag und es hätten „nur“ 100 Leute je 5 € reinstecken müssen. Einen ähnlichen Fehler hatte auch Peter Wiechmann gemacht. Drei Bände gleichzeitig zu finanzieren war einfach zu viel. Man hätte mit dem ersten Band beginnen sollen. Das wäre auch für die Investoren übersichtlicher gewesen.

Crowdfunding kann funktionieren und es gibt ein paar wenige Regeln, die man einhalten muss:
  • Man sollte nur einen Comic, einen Band oder ähnliches finanzieren.
  • Den Investoren sollte man eine transparente Rechnung aufmachen, warum das denn so viel kostet.
  • Man sollte keine Zusätze hinein bringen, bei denen der Eindruck entstehen kann, dass man dem Initiator ein nettes Leben finanzieren soll.
  • Und man sollte einen zusätzlichen Anreiz durch entsprechende Gegenleistungen bieten.
Und diese Regeln sind so einfach, weil sie letztendlich nicht nur auf das Crowdfunding zutreffen, sondern auf jedes Investment. Denn wo bei „normalen“ Investitionen wenige viel geben, geben beim Crowdfunding viele wenig. Umso wichtiger ist es ein überzeugendes Angebot vorzulegen.

Update vom 20.11.2011: Man will ja gerne mit den eigenen Artikeln etwas bewegen und Whoa! Comics hat noch einmal das eigene Projekt bei Pling überarbeitet. Daher streiche ich einen Absatz weiter oben und möchte das Folgende ergänzen:

Whoa! Comics hat das Projekt nun also konkretisiert. Der Text klingt zum Einen sehr viel persönlicher und in der Tat ist Whoa! Comics ein kleiner Verlag, der vor allen Dingen vom persönlichen Engagement der Verlagsleiter lebt. Auf diese Weise kann der potentielle Investor sehr viel schneller Sympathie zu den Machern aufbauen. Zum Anderen bieten die Macher eine detaillierte Übersicht der Kostenaufteilung für die an, die es interessiert. Das ist ein deutlicher Fortschritt, denn dadurch wird Transparenz erzeugt, deren Mangel ich noch zuvor kritisiert habe. Ein absoluter Gewinn für das Projekt. Denn genau diese Transparenz erwarten Investoren.

Bleibt noch, dass das Projekt zu komplex ist. Es sind weiterhin mehrere Comics und ein Messeauftritt, die finanziert werden sollen. Es wäre besser gewesen, wenn eine geringere Summe für eines dieser Teilprojekte eingesammelt worden wäre. So funktioniert in der Regel Crowdfunding: Ein eng umgrenztes, klar ersichtliches Ziel, soll erreicht werden. Und dieses Projekt ist nicht besonders eng umgrenzt. Vielleicht lässt sich das auch noch ändern oder in einem zweiten Anlauf anders gestalten.



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Artikel vom: 20.11.2011
Kategorie: Kommentar
Autor dieses Artikels: Bernd Glasstetter
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