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Specials Eventspecials

Bernd denkt über Ereignisse nach
Der Ereignisse gab es 2012 sicher einige. Aber mich persönlich hat vor allem eines betroffen, das den Status Quo im Internet ganz gehörig durcheinander wirbelte. Und das war die Übernahme von Foren aus dem früheren Comics in Leipzig Forum (CiLF).

Ich muss dazu etwas ausholen. Das CiLF beherbergte seit Jahren die Mangaverlage mit deren offiziellen Foren. Das Comicforum, das ich ja zusammen mit Patrick Hofmann im Jahr 2000 gegründet habe und seitdem leite, war zunächst auch Heimat der offiziellen Foren von Carlsen Comics.  Dann aber startetee der Verlag gemeinsam mit der Leipziger Buchmesse eine eigene, neue Plattform. Nach und nach gingen auch die anderen Mangaverlage dort hin. Diese Entwicklung habe ich immer sehr bedauert. Aber bei allen Versuchen die Verlage doch wieder zur Rückkehr ins Comicforum zu bewegen, zeigte sich eines: Solange die Community dort war, würde man sich nicht bewegen. Als auch EMA Anfang 2012 den Weg nach Leipzig einschlug, sah ich keine Möglichkeit mehr dies wieder zu ändern. Im Internet schien die Trennung zwischen Manga und Comic zementiert zu sein, zumindest was Deutschland betraf.

Und dann kam eine ganz erstaunliche Kette von Ereignissen. Alles begann mit einer Downtime des CiLF, die ganz offensichtlich länger dauerte als geplant. Die Firma, die man damit beauftragt hatte, hatte wohl die Dimensionen der Softwareumstellung vollkommen unterschätzt. Und als das Forum schließlich wieder online war, stellte sich die eigentlich geplante Verbesserung als eine Verschlechterung heraus. Einige zentrale Features funktionierten nicht mehr. Das alleine hätte sicher schon gereicht, die Community zu verärgern. Aber außerdem hatte man die Downtime nicht angekündigt und wollte nun auch noch etliche Bereiche schließen, in denen die Community lebte.

Wir boten Hilfe an, und sie wurde dankbar angenommen. Die Community begann sich ins Comicforum umzusiedeln. Gleichzeitig liefen Gespräche mit den Verlagen. Und es gelang, alle Mangaverlage zu einem Umzug zu bewegen. Eine beispiellose Aktion hatte ihren Anfang genommen.

Wir hatten ohnehin einen großen Software-Umstieg geplant, waren schon länger in Vorbereitungen und Tests. Und nun sollte ein Forum mit allen Daten und Beiträgen integriert werden, das fast so groß wie das bisherige Comicforum selbst war. Es gelang alles, alle Verlage zogen um, die Beiträge wurden integriert und das Comicforum konnte im zwölften Jahr seines Bestehens einen ganz besonderen Neuanfang einläuten.

Inzwischen fühlen sich alle in der neuen bzw. alten Heimat wohl. Inzwischen arbeiten von denen, die im Juni vom CiLF in das Comicforum umzogen, die ersten im CF-Team mit. Es ging am Ende alles sehr viel einfacher und unkomplizierter vonstatten, als wir das uns erträumt hätten. Schnell wurden Berührungspunkte sichtbar. Schon sehr früh gab es Schnupperversuche, was man denn außer Manga noch lesen könne, und umgekehrt. Ich bin der Überzeugung, dass dieser Zusammenschluss dazu führen wird, dass in Deutschland nicht nur ein Comic- und ein Mangamarkt quasi nebeneinander her existieren, sondern, dass beide Märkte sich gegenseitig befruchten werden. Und das wird allen Verlagen gut tun.

Kommen wir noch einmal zum Status Quo zurück. Da hat sich ein Magazin namens Alfonz daran gemacht am Status Quo bei den Druckmagazinen aufzuwirbeln, auch zu ändern. Das erklärte Ziel: Der Comixene etwas entgegenzusetzen. Doch hatte dies im Vergleich einen ähnlichen Impact, eine ähnliche Veränderung des Status Quo? Die ersten Daten, die nun eintrudeln, bestätigen das jedenfalls noch nicht. Sicherlich ist Alfonz handwerklich gut gemacht und mit interessanten Themen bestückt. Es macht Spaß das Magazin zu lesen und hier und da ein paar Dinge zu erfahren, die vielleicht sonst kaum jemand analysieren würde. Hier profitiert Alfonz sicher auch von seinem Jahrbuch-Pendant Comic-Report. Beide haben in redaktioneller Hinsicht viel Lob eingeheimst und das zurecht. Von diversen Stellen habe ich jedoch gehört, dass Alfonz in allen Bahnhofsbuchhandlungen zu haben ist, aber dies auch in großem Maße und ständig. Das bedeutet nichts anderes, als dass sich Alfonz zwar verkauft, aber nicht so, dass es zwischenzeitlich aus-verkauft wäre. Ein kompletter Abverkauf wäre ein gutes Zeichen, ein Zeichen, dass es zu einem Wachwechsel kommen könnte. Aber das ist derzeit nicht zu sehen. Auch weil Verlage dem Vernehmen nach ihr Werbe-Budget nicht etwa neu verteilen, sondern einfach vergrößern. Und so scheint eine Veränderung des Status Quo an dieser Stelle (vorerst) auszubleiben. Bleibt zu hoffen, dass es Alfonz nicht so geht, wie dereinst unserem Print-Magazin Splash!, das zwar von der Kritik gefeiert wurde (wie dies im Moment auch mit Alfonz geschieht und wo wir sehr gerne sagen, dass Alfonz erfrischend daher kommt), aber letztendlich nicht auf Dauer bestehen konnte. Mehr Vielfalt im Magazinmarkt ist sicher für alle gut. Eine Verdrängung hingegen wäre schlecht. Und es muss ja auch nicht gleich wieder zu einer Einstellung kommen. Hoffen wir also, dass hier einfach nur für die durchaus nötige Vielfalt gesorgt wurde.

Zu den Ereignissen gehört mit Sicherheit auch, dass ein paar neue Kleinverlage gegründet wurden. Dani books gehört zumindest aus meiner Sicht im Moment zu den interessantesten Projekten und das, weil der Verlag von Disney-Übersetzer Jano Rohleder unter anderem Monster Allergy in einer Gesamtausgabe auflegt und noch andere sehr interessante Titel im Köcher hat. Auch der All Verlag hat ein paar interessante neue Comics herausgebracht, um ein weiteres Beispiel zu nennen. Wenn Kleinverlage es schaffen sich ihre eigene erfolgreiche Nische zu schaffen, dann ist das sehr begrüßenswert. Sie fördern dadurch die Vielfalt im Markt, die in dieser Form durch die großen Verlage aufgrund der geringen Auflagenzahlen gar nicht abgedeckt werden könnte.

Aber ich möchte auch noch ein wenig in meine Comics reinschauen und schauen, was mir hier am Besten gefallen hat. Sehr positiv hat mich „I am a Hero“ überrascht. Ich hätte nicht gedacht, dass das Zombiegenre noch für eine Überrraschung gut war. Aber der Manga, der bei Carlsen erscheint, hat dies geschafft. In der Tat gelingt hier eine ganz neue Betrachtungsweise auf das Genre. Hier sollte man mal reinschauen, wenn man „The Walking Dead“ mag.

Ebenfalls beeindruckt hat mich der Baden-Württemberg-Comic. Geschichte wurde selten so unterhaltsam umgesetzt und ist dennoch für den Unterricht tauglich geblieben. Und der Comic hat mich in Comicmission in der Tat in den Landtag von Baden-Württemberg gebracht. Ich hatte dort die Möglichkeit, ein Interview mit dem Landtagspräsidenten zu führen. Abseits der Stars und Sternchen des Comicbusiness eine wirklich interessante Aufgabe.

Zum Abschluss sei noch die Wormworld-Saga genannt. Ein deutscher Webcomic mit einer großen Attitüde, die aber auch ausgefüllt wird und in 2012 mit dem ersten gedruckten Band belohnt wurde. Und der war gar nicht so einfach herzustellen, denn die Wormworld-Saga wird im Netz vertikal fortlaufend veröffentlicht, so dass sich jedes Bild weiter nach unten fortsetzt. Tokyopop hat hier hervorragend Arbeit geleistet und einmal mehr gezeigt, dass man in Hamburg nicht „nur“ Manga veröffentlicht, sondern immer wieder sehr feine Perlen im klassischen Comicmarkt findet.

Es war ein interessantes Jahr 2012, über das ich vermutlich noch weit mehr hätte schreiben können. Aber dies waren die Begebenheiten, die mich persönlich am Meisten bewegt haben.


Special vom: 29.12.2012
Autor dieses Specials: Bernd Glasstetter
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