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Interview mit Hochwürden Aha - Teil 3
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Versuche einmal in wenigen Sätzen den deutschen Comicmarkt aus Deiner Sicht darzustellen!

In wenigen Sätzen (es ist genau einer): Er ist klein.

In mehreren Sätzen (nicht nachgezählt): Er ist klein. Fast alle kennen sich, bzw. über zwei Handschläge kennt sich wirklich jeder. Das hat etwas Rühriges. In Erlangen kann man das schön sehen. Mehr können wir nicht. Das ist das Größte, was wir haben. Das sind unsere größten Preise, die größte Messe, die meisten Besucher und ein Großteil der Aktiven. Wie eine Miniaturwelt, die versucht Business zu spielen.

Oft ist das auch ein wenig anstrengend, weil viele sehr bemüht sind und nicht verstehen können, dass Comic nicht die große Nummer ist, die es sein sollte. Da schleicht sich dann manchmal so ein leicht beleidigter Grundton ein. Ich habe den Eindruck dieses Leben mit einem ständigen Minderwertigkeitskomplex ist für viele recht hart. Man sieht viele mit extremem Enthusiasmus starten, die dann aber innerhalb von ein paar Jahren von den Umständen knallhart und unspektakulär aufgeraucht werden. Die siehst du dann nie wieder. Weil sie erstens merken, da ist nichts zu holen und zweitens sich total ausgepowert haben. Die Leute, die dauerhaft dabei sind, sind meist konstant enthusiastisch und bis zur Selbstaufopferung engagiert. Und das merkst du dann natürlich auch in ihrer Begeisterung für das, was sie machen. Meistens ist es ein großer Spaß mit solchen Leuten zu tun zu haben oder zusammen zu arbeiten. Denn die Situation des Mediums, gibt einem natürlich auch unheimliche viele Freiheiten und macht eine gewisse Ungezwungenheit möglich.


Andererseits heißt das auch, dass Engagement und Durchhaltevermögen in der einheimischen Comicwelt eine A-Tugend ist, so dass uns viele der guten Leute durch die Lappen gehen und dafür eher Leute dominieren, deren Hauptkapital eher die Begeisterung fürs Medium und eben ein langer Atem sind. Deswegen empfinde ich zum Beispiel, die Bemerkung, dass wir schon sehr lange dabei sind, nicht als Kompliment. Das kann schließlich jeder schaffen, der das möchte. Das ist eine Frage des Willens und der Motivation. Wie Dauerlauf. Ich will, dass wenn ich jemandem erzähle, dass das neue Heft meiner Meinung echt gut geworden ist, dass dieser dann sagt: „Ich habe nichts anderes von den Epis erwartet!“ Das ist für mich ein Kompliment!

Was ich noch ein wenig anstrengend finde, ist dass, dadurch dass das Medium bei uns so klein ist, jeder eine feste Meinung hat, was Comic ist, wie es zu funktionieren und was zu leisten hat. Und dann wird nicht verstanden, warum der andere das nicht richtig macht oder das Anke Feuchtenberger und Hansrudi Wäscher nicht das Geringste miteinander zu tun haben. Außer, das sie beide graphisch erzählen. Der Begriff Comic wird als viel zu Identitätstiftend wahrgenommen. Wer kommerzielle Abenteuer- oder Horrorcomics machen will und dann behauptet die Kunsttypen würden den Comic kaputt machen, irrt natürlich, weil es außer der sequentiellen Grafik keine Ähnlichkeiten gibt. Erst Recht, ist das Zielpublikum völlig verschieden. Damit, dass die Kids heute keine Comicheftchen mehr lesen, hat Anke Feuchtenberger überhaupt nichts zu tun. Ich wundere mich oft, dass die meisten Comicschaffenden recht wenig interessiert zu sein scheinen, statt rumzujammern, die grenzüberschreitende Vielfalt zu nutzen und zu schauen, was sie da für sich selbst herausziehen können. Aber es ist oft so, dass autobiografische Comiczeichner einem immer den Rat geben, dass man doch mal was Autobiografisches zeichnen solle.
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Special vom: 13.08.2008
Autor dieses Specials: Bernd Hinrichs
Die weiteren Unterseiten dieses Specials:
Interview mit Hochwürden Aha - Teil 1
Interview mit Hochwürden Aha - Teil 2
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