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Jean Graton und die Entstehung von MICHEL VAILLANT
010_MV1.jpgDies ist ein Auszug aus dem 12-seitigen Artikel "Jean Graton und die Entstehung von MICHEL VAILLANT".

Graton findet die Aufgabe seines Lebens

Ende 1956 sagte André Fernez, der Redakteur von TINTIN, zu Graton: „Jean, es wird Zeit, dass wir den Lesern einen neuen Helden vorstellen. Haben Sie Ideen?“ Fernez zählte auf, was es schon alles gab: Reporter, Detektive, Piloten, Forscher. Graton schlug einen Rennfahrer vor, da er sich im Motorsport am besten auskannte. Fernez war zunächst skeptisch, da er sich fragte, was mit so einer Figur passieren soll, nachdem sie einige Male im Rennen gewonnen hatte. Und so ließ er seinen Zeichner vorerst nur vierseitige Kurzgeschichten mit dem neuen Protagonisten MICHEL VAILLANT machen.

Graton war Feuer und Flamme und entwickelte von Anfang an eine Saga, die geprägt wurde von einem ausgeprägten Wunsch nach Familie (anzunehmen, dass dies mit seinen persönlichen Verlusten zusammenhing). Die direkte Inspiration kam durch eine Nachbarsfamilie mit der er sich angefreundet hatte. Der Vater, ein Architekt, war leidenschaftlicher Motorradfan (in Belgien war Moto-Cross sehr beliebt). Gemeinsam mit seinen Söhnen putzte er seine Maschine heraus, mit der er erfolgreich an Wettkämpfen teilnahm. Sonntag abends wurden die verdreckten „Champions“ dann von der Frau des Architekten herzlich empfangen.

Graton: "Eines Sonntag morgens wurde meine Aufmerksamkeit auf die Nachbarn gelenkt, die gerade ein Motorradrennen diskutierten. Es gab den Vater und zwei Söhne, Jean-Pierre und Michel. Das ist es, wie ich auf die Familie Vaillant gekommen bin." Seine fiktive Familie bestand aus dem jähzornigen Patriarchen Henri Vaillant und seiner Frau Elisabeth, dem besonnenen Sohn Jean-Pierre und dessen Bruder Michel, dem strahlenden Titelhelden. Und aus den Zweirädern wurden vierrädrige Ungetüme. Der Name „Vaillant“ bedeutet „tapfer“ und war in jener Zeit ein passender Name für einen Comichelden. Für das Magazin VAILLANT (das spätere PIF) wurde das Wort genauso genutzt wie für PRINCE VAILLANT (PRINZ EISENHERZ).

Im belgischen TINTIN (es gab eine belgische und eine französische Ausgabe) Nr. 24 vom 12. Juni 1957 erschien der erste Vierseiter mit MICHEL VAILLANT: La 24éme heure (auf Deutsch in SB 22/1979). Doch das kleine Le Mans-Abenteuer ist nicht wirklich die erste Folge. Sie erschien in Belgien vorgezogen, da man auf den Zahlengag (Nr.24 / 24 Stunden) setzte. Die korrekte Reihenfolge der Kurzgeschichten enthält das französische TINTIN. Dort erschien bereits am 7. Februar 1957 in Nr. 433 (hier hatte man eine durchgehende Nummerierung) der Vierseiter Bon sang ne peut mentir, die tatsächlich erste MICHEL VAILLANT-Folge (siehe Abdruck in dieser SB).

Nach fünf Shortstorys hatte Fernez seine Skepsis überwunden und gab die Bahn frei für ein Abenteuer in der damals üblichen Albenlänge von 62 Seiten. Graton war überglücklich. Mit Le grand defi / Duell auf der Piste entstand ab TINTIN 1/1958 ein Meisterwerk, das neue Maßstäbe setzte. Wie stark Graton in der Story aufging, zeigt ein Zitat des jugendlichen Michel Regnier alias Greg, der ab 1956 für TINTIN tätig war: "Eines Tages konnte ich miterleben, wie in Gratons Phantasiewelt zwei Rivalen miteinander stritten. Er war gerade dabei, die Geschichte zu Ende zu bringen, in der Steve und Michel noch Gegner waren. Der Kampf verlief hart, erbittert, dramatisch. Doch am Ende ging alles gut aus und die Champions gaben sich die Hand (siehe Abb.).

Jean Graton war so vertieft darin, dieses Shakehands zu zeichnen... diesen Blickwechsel... Er schien geradezu als Dritter dabei zu sein, wie eine Freundschaft begründet wurde. Er hatte alle Gefühle dieses Augenblicks in seine Zeichnungen gelegt. Und am Ende schien es so, als ob er derjenige sei, der eine Schlacht gewonnen hatte." (Zitat aus dem "MICHEL VAILLANT-ZACK-Buch zum Sammeln", 1973).


Special vom: 18.03.2008
Autor dieses Specials: Gerhard Frster
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Das Letzte Hal Foster-Interview Teil 1
Hintergrundartikel zur TV-Serie BEZAUERNDE JEANNIE
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