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Specials Eventspecials

Zebra Newsletter 44

ZEBRA-Newsletter # 44 (Juli 2022)       

Wiedergeburt 
Nach zwei (fast) comicveranstaltungsfreien Jahren war die Situation auf der ersten Kölner Comic-Messe seit 2019 etwas angespannt. 
Die "Zeichner vom Rhein" wetteiferten darum, wer von ihnen zuerst ankam und seinen/ihren Stand aufgebaut hatte. (ZEBRA-Zeichner Rudolph Perez erreichte die Stadthalle Köln-Mülheim zwar nur als Dritter, hatte aber weniger an Aufbauten zu basteln als Cara Debora und Dmitry Gorod, die schwindelerregende Gitterkonstruktionen errichteten, an denen sie ihre Drucke präsentierten.)  
Ein analoger Zeichner und ein klassischer Print-Verleger stritten darüber, wer weniger Ahnung von EDV hat (Namen sind der Redaktion bekannt). 
Und einige Aussteller übertrumpften sich gegenseitig betreffs der Anzahl ihrer Impfungen. ("Vier" wurde nicht mehr getoppt.) 

Abb. 1: Die Wiedergeburt 

Außer allen Titeln von unserer Backlist hatten wir natürlich unsere Neuerscheinungen von 2020 und 2021 im Gepäck, die wir bisher noch auf keiner Veranstaltung anbieten konnten. 
Einige unserer Stammkunden, die nach eigener Aussage immer nur wegen ZEBRA zur Comic-Messe kommen, erwarben dann auch beide Bände, den Bildband "Druckwerke sind bei uns unverzichtbar!" voller Comics und Cartoons über Printmedien und "In der Tusche liegt die Wahrheit", die neueste Sammlung von authentischen Comiczeichner-Erlebnissen (mehr zu den Veröffentlichungen in Newsletter # 41, 42 und 43)

Wir konnten auch neue Kundinnen und Kunden gewinnen. Vor allem welche, die nicht an unserem faszinierenden Titel "Als ich nicht gefunden hab, was ich suchte, habe ich diesen Band gekauft!" vorbeigehen konnten ohne rein zu sehen. Und die anschließend nicht nur von der linguistischen, sondern auch von der inhaltlichen Qualität überzeugt waren, so dass sie den Band kaufen mussten. 
Ein mutmaßlich kunsthistorisch interessierter Asiate erwarb sogar die ZEBRA-Debut-Ausgabe von 1983, mit der Bemerkung "Das ist wohl lange her". 
Und ein Kollege, der anonym bleiben möchte, gestand, dass er Perez wegen dessen Produktivität bewunderte, während er selber nichts fertig bekäme. 
Kurz darauf wimmelte Perez neugierige Messe-Besucher ab, die den Erscheinungstermin der nächsten ZEBRA-Ausgabe wissen wollten. Derweil schrieb am Nebentisch Joachim Sohn, der vierte "Rheinzeichner", auf seinem Laptop bereits am nächsten Band seiner pseudoreligiösen Zeitreise-Buchreihe. 

Feierliche Aufmerksamkeit im Saal erregte der Besuch des ZEBRA-Chefs, der sich auch am Stand blicken ließ, um nach dem rechten zu sehen. Nachdem er den aktuellen ZEBRA-Vorrat und die Buchungsunterlagen überprüft und drei Tische weiter günstig einen Cartoon-Hardcover erworben hatte, entschwebte er wieder lautlos. 

Angesichts zahlreicher Typen mit ellenlangen Suchlisten und/oder Superhelden-Tattoos kam irgendwann das Klischee vom "verrückten" Comic-Fan hoch. Ein Sammlerbörsen-Insider meinte jedoch (ohne weiter ins Detail gehen zu wollen), das wäre noch gar nichts gegenüber den Spielzeug- und Modelleisenbahn-Fans! 

Der Renner im ZEBRA-Angebot war keine Eigenproduktion, sondern ein Titel von den Kollegen von Gringo-Comics
Ober-Gringo Holger Bommer hatte uns einen Schwung der neuesten Ausgabe des GRINGO-MAG 1/2022 zur Verfügung gestellt, mit Leseproben aus KOMMISSAR EISELE und RATTENFALLE, Erstveröffentlichungen von KURT, COMMANDER CORK und vielem anderen.  
Bis auf vier einsame Exemplare ist der ganze Stapel weggegangen. 
Wahrscheinlich weil das Heft farbig ist und ein praktisches Kleinformat hat. Sicher nicht deshalb, weil es nichts kostet. 

Aber das Wichtigste, das Größte, das Beste geschah um 11:14 Uhr! 
So weit wir uns erinnern, war so etwas noch nie passiert in all den Jahrzehnten, in denen die Comic-Messe in der Stadthalle Köln-Mülheim stattfindet. 
Irgendjemand zog auf ganzer Breite des Saales den großen, schweren, dunkelroten Vorhang von der wandhohen Fensterfront zurück! 
Plötzlich flutete Tageslicht in den Raum. 
Man konnte sehen, dass es draußen, außerhalb der Comic-Blase, Leben gab. 
Sonne! Bäume! Wolken! Vögel! 
Ein Moment, den man so schnell nicht vergisst! 


Vier Tage in der Hölle 
Das brennendste Thema auf dem diesjährigen Comic-Salon war: Hitze! 
Schon vorher waren eingeschworene Salon-Afficcionados total heiß darauf, nach vier Jahren Pause endlich wieder zum Comic-Salon fahren zu können. 
Einige Gemüter erhitzten sich darüber, dass die antiquarische Sammler-Börse nicht wie gewohnt am Messe-Samstag, sondern erst am Sonntag stattfand. 
Und Emotionen kochten mal mehr mal weniger hoch angesichts zahlreicher subjektiv empfundener Unsensibilitäten. 
Und die hohen Außen- und Innentemperaturen kamen noch dazu. Nach unzuverlässigen Angaben unterschiedlicher Quellen zeigte am Fronleichnamswochenende das Thermometer in Erlangen zwischen 27 und 39 Grad Celsius. 

Abb. 2: Heiße Schokolade 

Ins Schwitzen kam man vor allem in den rings ums Schloss aufgebauten Messe-Hallen A bis C, die die Aussteller beherbergten: Groß-, Klein- und Selbst-Verlage, Vereine und Hochschulen. Die leistungsstarken Belüftungsanlagen (Fachbezeichnung "Stromfresser 1 bis 3") taten zwar ihr Bestes, um die Atmosphäre erträglich zu halten, ruinierten aber in erster Linie die Energiebilanz von ganz Mittelfranken. 
Verlagsprospekte wurden zu Luftfächern umfunktioniert (besonders beliebt dafür waren eine Leseprobe von Splitter und die Herbstvorschau von Reprodukt). Während ihrer Signiertermine standen einige Zeichner, um den in der Hitze unvermeidlichen Flüssigkeitsverlust auszugleichen,  kurz davor, an ihren Tuschestiften zu lutschen, und Diebe, die man mit entwendeten Alben erwischt hatte, versuchten sich damit rauszureden, dass das Papier in der feuchten Luft an ihnen festgeklebt sei. 

Zu seiner ersten eigenen Signierstunde am Gringo-Stand (A 25) kam ZEBRA-Mitarbeiter Rudolph Perez (ZEBRA 1 ff.) leider zu spät, weil sein Zug in Frankfurt a.M. wegen einer Ladung auf die Gleise gelaufenem Sonnenöl mindestens eine halbe Stunde lang nicht von der Stelle kam. 
Ansonsten war die Nachfrage nach ZEBRA-Produkten recht rege, insbesondere die Comic-Zeichner-Erlebnis-Sammelbände (Sonderbände 20 und 25) fanden neue freudige Besitzer, und auch ein paar Abonnenten haben sich uns zu erkennen gegeben. 
Einzelne ZEBRA-Titel, die wir nicht alle verkauft hatten, haben wir am letzten Messe-Tag dem Comicmuseum Erlangen gespendet. 
Abgesehen von den Groupies, die die ZEBRA-Delegation in Erlangen ständig umschwirrten, und den Künstler-Kolleginnen und Kollegen, mit denen wir uns austauschten, trafen wir auch einen Redakteur der GCD, der Grand Comic Database, die Millionen von Comics auflistet und Hunderttausende davon detailliert beschreibt. Bedauerlicherweise mussten wir virtuell feststellen, dass ZEBRA in der Datenbank fehlerhaft verzeichnet wird. Wir hoffen, das in Kürze korrigieren (lassen) zu können. 

Fast alles, was Rang und Namen hat, in der deutschsprachigen Comic-Szene, war auf dem Salon vertreten, außer [hier die Lieblingskünstlerinnen und Künstler einsetzen, die es aufgrund widriger Umstände nicht bis nach Erlangen zum Salon geschafft haben.] 
Im Buchmarkt-Segment "Comic" haben sich mit der Zeit verschiedene Vorlieben herausgebildet, die teilweise nur geringe Schnittmengen haben: Comics, Manga, Graphic Novels. 
Wenn der Comic-Salon den Ehrgeiz hat, das gesamte Spektrum des Mediums abzubilden ("Manga sind auch nur Geschichten in Bildern", wie ZEBRA-Mitarbeiter Ulf K. (ZEBRA 14) erinnerte), dann muss man konstatieren, dass einige wichtige Manga-Verlage fehlten (altraverse, Tokyopop). 
Aber wer Manga noch nicht für sich entdeckt hatte, dem war das natürlich egal. 

Abb. 3: Heiße Cosplayer 

Nicht viel weniger warm, doch zumindest nicht so voll wie die stark frequentierten Hallen waren die über die ganze Stadt verteilten Ausstellungen
Erwähnt seien die große Will Eisner-Retrospektive "Graphic Novel Godfather" mit Original-Arbeitsproben aus allen seine Schaffensperioden (THE SPIRIT, Sachcomics für die Army, Graphic Novels von A CONTRACT WITH GOD bis THE PLOT) und die große Mawil-Werkschau mit... äh, ja, Original-Arbeitsproben aus allen seine bisherigen Schaffensperioden (von Jugendsünden über Frühwerke wie STRANDSAFARI bis KINDERLAND und LUCKY LUKE). 

Als wir das Hinterzimmer der Ausstellung zum Geisterjäger Alan C. Wilder aufsuchen wollten, durften wir leider nicht hinein, weil die dort anberaumte Séance bereits angefangen hatte. Wir haben jedoch wohl nichts verpasst, denn in der gleichen Nacht war der Poltergeist bei uns im Hotel. 

"Vorbilder:innen" zeigte vorwiegend analytisch-emotionale Werke von Künstlerinnen, unter anderem Autobiographien voller Beziehungs- und Identitätskrisen, die vor keiner Intimität zurückschreckten, Bilder in eleganten oder rauen bis groben Strichen, starke statt "schöne" Charaktere und nicht zuletzt explizite Darstellungen sekundärer und primärer Geschlechtsmerkmale - also irgendwie alles so ähnlich wie in den Underground-Comix der 1960er Jahre, bloß nicht mehr im Untergrund, sondern überall zu erwerben, in der Fachpresse und im Feuilleton zeitnah ausgiebig besprochen und mehrfach prämiert. 

Besonders beeindruckt war Rudolph Perez von den digitalen Bildern in der Gung Ho-Ausstellung, die teilweise 100 Ebenen aufweisen. Rudolph verwendet meistens nur eine Ebene, höchstens zwei, wenn er am Leuchttisch eine Skizze auf ein anderes Blatt überträgt. 

Am liebsten besuchten wir LuYang - False Awakening (eine prallbunte Video-Installation als Crossover aus Neurowissenschaft, Bodyenhancement und Discofieber), weil sie im Basement des Kunstpalais stattfand.  Da war es so schön kühl! 

Auch halbwegs auszuhalten war es bei den Vorträgen und Interviews im Kollegienhaus und im Schloss, beides Gebäude aus dem 18. Jahrhundert, die sich dank dicker Mauern nicht so schnell aufheizen wie die modernen Leichtbauhallen. 

Im Podiumsgespräch über "Alternative Science Fiction" - Werke, in denen man sich bemüht, die schlimmsten SF-Klischees zu vermeiden - wurde deutlich, dass oftmals allzu irdische psychologische und zwischenmenschliche Probleme in utopischem Ambiente verhandelt wurden, während wir bei COMMANDER CORK meist versuchen, Ideen und Pointen aus möglichen technischen und sozialen Strömungen kommender Zeiten heraus zu entwickeln. Ganz zu schweigen von philosophischen Korrelationen, visionären Entwürfen und meteorologischen Implikationen. 

Die IO (Illustratoren Organisation e.V.) zeigte einen kurzen Werbefilm über das Handwerk des Comiczeichnens, der Uneingeweihte für die vielfältigen Anforderungen der Comicproduktion sensibilisieren sollte. Auf die im voraus aufgeworfene Frage "Wie erkläre ich meinen Eltern, was ich mache?" gab er jedoch keine klare Antwort. 
Man könnte ihnen vielleicht sagen, was Autor und Zeichner Ralf Singh in seinem Skript-Workshop dargelegt hat. Aus eigener Erfahrung verriet er, dass erfolgreich gute Comics zu kreieren schwieriger ist als ein Medizinstudium. 

Zu den Überraschungen des Salons gehörte, dass es auch schwarzafrikanische Comics aus dem tiefsten Kongo mit einer rothaarigen Weißen als Protagonistin gibt (VANITY v. Thembo Kash), dass sich der Erlanger "Gasthof zum tapferen Bayern" als griechisches Restaurant entpuppte und dass ZEBRA-Mitarbeiter Rudolph Perez die Hitzewelle ohne spontane Selbstentzündung überstanden hat. 


Bitte anschnallen und das Feuerspeien einstellen! 
Wenn andere Kinder verreisen, dann mit Auto, Flieger oder Zug. Bei Dominik und Jan muss es mindestens ein fliegender Drache sein, mit dem sie in die Ferien starten. Auch wenn das Mama gar nicht so recht ist.
Ein neues - das zehnte! - Abenteuer der fantasiereichen Jungs, geschrieben von ZEBRA-Herausgeber Georg K. Berres und gezeichnet vom Illustrator Tom Eigenhufe, erwartet die gespannten LeserInnen in der bunten Bilderbuch-Kinderzeitschrift GECKO Nr. 90 im Juli 2022. Viel Spaß bei der Lektüre! 

Abb. 4: Bild aus "Dominik und Jan reisen per Drachen" (Vorzeichnung von Tom Eigenhufe)

Fahrtenbuch 
Nach den anstrengenden Abenteuern mit dem tückischen Materiequirl, auf dem Raketenfriedhof  des Planeten Meta-Pengo, während der periodischen Apokalypse und im Strudel der Zeit (vgl. COMMANDER CORK Band 1 bis 4) fühlte Administrations-Adlatus Cork sich ausgesprochen urlaubsreif. 

COMMANDER CORK Band 5 fasst den zuvor im Gringo-Logbuch online erschienenen Zyklus um "Die Ferien des Commanders" erstmals in einer Print-Ausgabe zusammen, leicht bearbeitet und üppig ergänzt um viele neue unveröffentlichte Episoden.  

Erscheint demnächst!

Abb. 5: Commander Cork unterwegs 

Fauna und Flora
Anlässlich des Schwerpunktthemas über Umwelt, Natur und Klimaschutz reprintet das Comic! Jahrbuch 2022 unseren exemplarischen Urknall-Comic aus ZEBRA-Sonderband 22 EVENTS an prominenter Stelle, im Vorwort, die erste Seite leicht verkleinert. Innerhalb des Fokus-Beitrags kann man noch ein Panel aus "Der Tag der singenden Frösche" (ZEBRA 17) bewundern, wo Zeichner Perez es wagt, vier Milliarden Jahre Evolutionsgeschichte in einem einzigen Bild unterzubringen. 
Ein ganzes Kapitel des Themenblocks widmet sich dem klassischen Epos "In Biblis ist die Hölle los" von ZEBRA-12-bis-16-Mitarbeiter Volker Reiche. 

Abb. 6: Live-Aufnahme des Ur-Knalls (Maßstab 1:100000000000000000000000000000000000000

Fernerhin erscheint weiter regelmäßig unser SF-Comic COMMANDER CORK über die Zumutungen der Zukunft, online im Gringo-Logbuch und im GRINGO-MAG. 

Hingegen wegen technischer Schwierigkeiten voraussichtlich nicht mehr aktualisiert wird die Sprechblase-Homepage (http://www.die-neue-sprechblase.de/). 
Der von unserer Fachpressen-Redaktion erstellte Sprechblase-Index soll deshalb auf die Bildschriften-Verlags-Seite wandern (https://www.cch-bsv.de/die-Sprechblase/). 
Wir wünschen gute Reise! 



Special vom: 12.07.2022
Autor dieses Specials: Werner Berres
Kategorie: Zebra Newsletter
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