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Comic-Besprechung - Andy Morgan – Deluxe Edition (1): Oase in Flammen & Das Gesetz des Taifuns (Farbversion)
Geschichten:Andy Morgan – Deluxe Edition
1.) Band 5: Oase in Flammen (44 S.)
2.) Die rote Sonne (ummontiert, 7 S.)
3.) Band 6: Das Gesetz des Taifuns (44 S.)
4.) Die Passagierin (8 S.)
Autor: Greg
Zeichnungen: Hermann
Übersetzung: Dr. Klaus Strzyz
Story:
Im ersten Abenteuer dieses Bandes soll die Crew um Andy Morgan im Auftrag einer Hilfsorganisation Medikamente durch die arabische Wüste transportieren. In der Oase einer Räuberbande kommt es dann zum Showdown. In der zweiten Geschichte kommen unsere Helden in Konflikt mit einigen Inselbewohnern, als sie sich entschließen, zusammen mit ihrem Freund El Lobo eine gefährliche Muräne zu jagen. Die beiden zusätzlichen Kurzgeschichten erzählen von einer Begegnung zwischen Barney Jordan und einem japanischen Soldaten im Zweiten Weltkrieg, sowie über eine verwöhnte junge Dame, der Andy das wahre Leben zeigen soll.
Meinung:
Über die Geschichten in diesem Band gibt es nichts zu sagen, was nicht bereits hundertmal erwähnt worden wäre: große Erzählkunst trifft auf einen Ausnahmezeichner, insgesamt ein Klassiker, der auch nach über fünfzig Jahren noch gut zu unterhalten weiß.
Der Clou bei dieser Neuausgabe liegt also vor allem in den Details, die ihn besonders machen sollen, und genau darauf will ich auch in dieser Rezension mein Augenmerk legen. Da fängt es mit dem Augenscheinlichen bereits an: ein übergroßes Format im Hardcover mit ca. 27 x 36 cm, jeweils zwei Originalbände in einem vereint, das ganze wahlweise in Farbe oder Schwarz-Weiß. Wie man erst dem Vorwort entnehmen kann, wenn man es nicht bereits aus der Werbung erfahren hat, wurden auch die Kolorierung überarbeitet, die Übersetzung und das Lettering. Das alles möchte ich hier einmal unter die Lupe nehmen.
Fangen wir mit dem Äußeren an. Das Großformat ist in meinen Augen tatsächlich großartig und wird diesem überragenden Künstler (gemeint ist Hermann) absolut gerecht. Kurz nachgemessen, hat sich das Format des Covers gegenüber der Kult-Ausgabe, die ich hier einmal als Referenz hernehmen will, da sie die erste deutsche Hardcoverausgabe darstellt, um 32% vergrößert. Durch eine Verschmälerung des Blattrandes um die gezeichneten Seiten herum verbessert sich dieser Wert für die Zeichnungen selber sogar noch auf 39%. Das ist wirklich spürbar größer! Zwei Originalbände in einem zu veröffentlichen, gefällt mir auch, zumal sogar die Kurzgeschichten dabei sind, wie bereits in den Kult-Ausgaben. Da der avant-Verlag darauf verzichtet, den Band zu nummerieren, während dieser Startband die Originalalben Nr. 5 und 6 enthält, wird der Sammler die Bände später problemlos in chronologischer Reihenfolge ins Regal stellen können, egal wann sie veröffentlicht wurden. Auch das passt für mich.
Inhaltlich ist das Bild aus meiner Sicht jedoch sehr viel ambivalenter, die Vor- und Nachteile dieser Ausgabe wechseln sich ab, halten sich aber teilweise noch die Waage. Im Einzelnen: die neue Kolorierung ist auf den ersten Blick auf jeden Fall gefällig, man hat nicht den Eindruck, dass Hermanns Oeuvre komplett geändert worden wäre. Ist es auch nicht, es gibt vor allem einige grundlegende Änderungen. Die Blautöne wurden weitestgehend reduziert, wodurch der Wüstenhimmel jetzt endlich hellblau ist, was viel besser passt als vorher. Die Hauttöne in schweinchenrosa wurden in einen natürlichen Hautton verbessert, was mir ebenfalls gefällt. Bei den Gelbtönen wird es schon schwieriger, manches wird heller (die Wüste), anderes dunkler, vor allem viele Braun- und Beigetöne tendieren jetzt mehr ins Orangene. Außerdem ist Andys sehr kontrastreiches dunkelblaues Hemd jetzt noch dunkler geworden. Das ist sicherlich Geschmacksache, und man braucht darüber nicht zu streiten, vor allem, da ja immer das Argument gelten wird, dass man sich, mindest aus Respekt vor dem Künstler, auch überhaupt nicht allzu weit vom Original entfernen wollte. Doch eine Sache hat mich bei all dem doch irritiert: Die Farbgebung ist nicht konsequent bzw. stringent! In einigen Panels wurde z.B. die Schweinchenfarbe doch übersehen, die Farbe der Motorradteile schwankt von blau zu grün und braun (warum?), auch Alis Hautton ist nicht konstant dunkel, sondern schwankt ebenfalls. Meiner Meinung nach sind genau dies die Punkte, die nach einer Neukolorierung nicht mehr hätten auftreten sollen. Und das hätte ich auch erwartet. Sehr schade.
Die Übersetzung ist tatsächlich überarbeitet worden, was ich deshalb nicht sehr wichtig finde, da die Konversationen in dieser Serie keinen Oscar gewinnen werden. Das passte auch vorher bereits gut, auch wenn es möglicherweise weiter vom Original entfernt gewesen sein mag. Anders verhält es sich da für mich mit dem Lettering. Das neue hat sehr dünne Linien, und ist aus meiner Sicht nicht mehr so leicht lesbar wie zuvor bei Kult. Das Lettering von Kult war ebenfalls eine Drucktype, die aussehen sollte wie handgeschrieben, dies aber nicht war. Hier ist es genauso, doch die neue Type wirkt für mich krakelig — ich mag sie nicht.
Ein weiterer der erneuerten Punkte ist das Dossier, bzw. das Drumherum um das eigentliche Comic. Das ist hier grafisch sehr ansprechend gelöst, es gibt alle alternativen Cover, und zusätzlich einige Postermotive, die in diesem großen Format und ohne Textaufdrucke einfach sensationell gut herüberkommen. Zusätzlich werden allerdings beispielhaft pro Geschichte noch jeweils zwei Seiten in s/w gezeigt: ich frage mich, was an dieser Stelle wohl in der eigentlichen s/w-Deluxe-Ausgabe steht? Vielleicht bekomme ich die auch nochmal in die Hände. Ansonsten gibt es außer einem Vorwort nur wenig Text, die sehr guten und informativen Dossiers aus der Kultausgabe fallen komplett weg. Die hatte damals Volker Hamann geschrieben, vielleicht ist man sich heute nicht einig geworden? Die vermisse ich schon, aber man muss natürlich einsehen, dass eine neue Ausgabe auch anders sein will als die alte. Das gehört dazu. Irritierend finde ich dann eher, dass in der Bibliografie zu Beginn der Geschichten die deutschen Veröffentlichungen von Kult und die Gesamtausgabe bei Carlsen nicht aufgezählt werden (obwohl sie im Vorwort erwähnt wurden). Das finde ich schlampig, vielleicht wird dies in den nächsten Ausgaben verbessert?
Fazit:
Eine Neuauflage im übergroßen Format, die das Werk des großen belgischen Comickünstlers Hermann voll zur Geltung bringt. Doch die neue Farbgebung kann nicht durchgehend überzeugen, und auch das Lettering ist schwerer lesbar als zuvor. Ein paar Kinderkrankheiten also, die in den folgenden Bänden dieser grandiosen klassischen Serie der franko-belgischen Comicwelt möglicherweise behoben werden. Ansonsten erhält man zwei albumlange und zwei Kurzgeschichten in einem Band, es ist also jede Menge Lesefutter vorhanden.
Andy Morgan – Deluxe Edition (1): Oase in Flammen & Das Gesetz des Taifuns (Farbversion)
Autor der Besprechung:
Uwe Roth
Verlag:
Avant Verlag
Preis:
€ 50,00
ISBN 10:
396445169X
ISBN 13:
978-3964451699
128 Seiten
Bewertungen unserer Redaktion und unserer Leser

- Super im großen Format.
- Mit tollen zusätzlichen Illustrationen.

- Schwer lesbarer Font.
- Die neue Farbgebung überzeugt nicht durchgehend.

| Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic | ||
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| Rezension vom: | 19.08.2026 | ||||||
| Kategorie: | Andy Morgan | ||||||
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