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Comic-Besprechung - Ich bin ein verlorener Engel

Geschichten:

Ich bin ein verlorener Engel
Autor / Zeichner / Colorist: Jordi Lafebre



Story:

Die Psychiaterin Eva Rojas betreut einen Profi-Fussballer und als der eines Tages verschwindet macht der Verein Druck auf Eva. Eva selbst fragt sich ob sie was übersehen hat was das Verschwinden ihres Patienten erklären könnte. Kurzerhand betätigt sie sich wieder als Detektivin und bringt ihre Umgebung zur Verzweiflung. Dabei gerät Eva in Gefahr, denn sie legt sich auch mit Neonazis an.



Meinung:

Eva Rojas und ihre Stimmen sind zurück.  Wer Ich bin ihr Schweigen gelesen hat, greift jetzt sowieso zu. Ich bin ein verlorener Engel ist zwar die Fortsetzung, kann aber komplett eigenständig gelesen werden. Handlungstechnisch haben die beiden Comics nichts miteinander zu tun. Nur die Charaktere werden nicht erneut vorgestellt und das Stammpersonal setzt zwar nicht unbedingt Vorwissen voraus, aber es hilft.

Eva ist Psychiaterin mit einigen eigenen psychischen Problemen und betätigt sich hier erneut als Hobby-Detektivin.  Es ist schon selten, dass ein Hobby-Detektiv Psychiater ist. Meist kommen sie aus Berufssparten wie etwa dem Journalismus wo es etwas logischer ist wenn sie mit Verbrechen konfrontiert werden. So ist hier die Voraussetzung schon einmal gänzlich anders und Eva hat im Grunde gar keine Ahnung wie sie vorgehen soll. Zudem ist sie auch recht anstrengend. Eva ist manisch-depressiv und leidet an einem Borderline-Syndrom. Zudem hört sie Stimmen weiblicher Vorfahrinnen und sieht diese auch. Diese drei geben Tipps, Ermahnungen, zanken sich aber auch und sind dementsprechend nicht wirklich immer hilfreich. Auch bringen sie ihr eigenes moralisch historisch geprägtes Ethos mit ein. So die Großmutter welches vieles von Evas Verhalten nicht gutheißt. Die Ahnin welche im Spanischen Bürgerkrieg gefallen ist, ist sehr engagiert da Eva gegen Neonazis ermittelt. Eva ist sprunghaft, übereifrig, schläft kaum, raucht viel, trinkt viel und sexuell spontan. Es gehört zu der großen Kunst von Zeichner und Autor in Personalunion Jordi Lafebre, dass seine Heldin Eva  dennoch grundsympathisch ist. Sie weiß um ihre Macken, kokettiert auch etwas damit wie anstrengend sie dadurch für ihr Umfeld ist, aber man möchte sie dennoch in den Arm nehmen. Sie ist witzig, nervig, sprunghaft, loyal und auch wenn es nicht den Anschein hat durchaus selbstreflektiv was dem Ganzen die Schärfe nimmt.

Der Kriminalfall an sich ist eigentlich nicht sonderlich interessant. Eva betreut einen Profi-Fußballer psychologisch und als der eines Tages verschwindet macht sich Eva auf die Suche nach ihm. Zum einen weil der Verein Druck macht, aber zum anderen weil sie nicht glaubt das sie etwas übersehen haben könnte was ihrem Patienten zu dem Entschluss brachte zu verschwinden. Es ist ein Genuss zu lesen mit welcher Verve sich die Heldin  hineinwirft und auch an einem Trauma arbeitet welche eine ihrer Ahninnen mitschleppt. Im Vorgänger-Band waren es noch drei andere Verwandte die ihr erschienen und man kann vermuten das jeder Fall auch etwas aus deren Leben betrifft wie hier die Bürgerkriegskämpferin. Das kindlich naive Gebaren der Heldin täuscht hier allerdings. Denn die Heldin ist Psychiaterin und nicht nur in den kniffligen Situationen erweist sie sich als Manipulatorin. Wo die Hardboiled-Detektive ihre Pistole benötigen, benutzt Eva Psychologie und spielt ihre Gegenüber aus. Dazu passen auch die atmosphärischen Zeichnungen die teils ironische Übertreibungen mit einbauen wie etwa dunkle Wolken  über den Köpfen, Herzchen oder Zornesblitze. Wie schon der Vorgänger ist es hier ein vollkommen charmanter Band der vor allem von seinen Charakteren und den Zeichnungen lebt und von dessen Heldin man noch viele Abenteuer lesen möchte.



Fazit:

Wunderschön. Zwar ist die eigentliche Kriminalhandlung recht dünn, aber die Charaktere und vor allem die Heldin machen das alles wieder wett. Es ist schon eine große Kunst eine anstrengende, psychisch kranke Heldin so liebevoll und respektvoll zu gestalten. Man möchte mehr von ihr lesen.



Ich bin ein verlorener Engel - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Ich bin ein verlorener Engel

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Splitter

Preis:
€ 25,00

ISBN 10:
3689501660

ISBN 13:
978-3689501662

112 Seiten

Bewertungen unserer Redaktion und unserer Leser

Positiv aufgefallen
  • komplexe Charaktere
  • anstrengende aber liebenswerte Heldin
  • Ironie
  • psychologisch stimmig
  • Witz
Negativ aufgefallen
  • etwas dünner Kriminalfall
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
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Rezension vom: 12.08.2026
Kategorie: Alben
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