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Comic-Besprechung - Herr Hase und die patagonischen Karotten

Geschichten:

Herr Hase und die patagonischen Karotten

Autor und Zeichnungen: Lewis Trondheim

Übersetzung: Ulrich Pröfrock



Story:

Ominöserweise von einem Dämon bedrängt, und von diesem eher versehentlich auf die Idee gebracht, dass Karotten aus Patagonien eine besondere Delikatesse sein könnten, macht sich Herr Hase auf den langen und beschwerlichen Weg zur patagonischen Botschaft, um ein solches Wurzelwerk zu ergattern. Doch damit beginnt ein Roadmovie der besonderen Art, eine abenteuerliche Reise in die große Stadt, auf der immer neue Antagonisten den eher lieben und etwas naiven Herrn Hase als die große Bedrohung ihrer Machenschaften empfinden: weitere Dämonen, korrupte Polizisten und Beamte, Magier, Gangster, ein Priesterkult, Monster und auch sonst alles, was man sich nur vorstellen kann. Dieser Riesenspaß mit Dutzenden von Figuren, die alle gegeneinander konspirieren, verspricht beste Unterhaltung.



Dieser Comic wurde mit dem Splash-Hit ausgezeichnet Meinung:

Nun ist er also endlich da, auf Deutsch, der Riesenbrummer. 500 Seiten stark, im Buchformat — ein wahres Mammutwerk. Und, kaum zu glauben: dies war eigentlich der Start der inzwischen auch in Deutschland so beliebten Serie um den Herrn Hase, die inzwischen in drei unterschiedlich langen Staffeln vorliegt, und derzeit mit der vierten Staffel fortgeführt wird. Und gerade dieser „Initialband” war bisher nicht bei uns verlegt worden — doch wenn man ehrlich ist, muss man zugeben, dass das durchaus verständlich ist. Denn, eine Serie mit so einem ungewöhnlichen Format zu starten, ist ein Abenteuer, dem man eher ein Scheitern voraussagen würde, als einen Erfolg. Und so schiebt der Reprodukt Verlag dieses in jeder Hinsicht ungewöhnliche Werk also immerhin jetzt hinterher, wo die Serie sich auch bei uns etabliert hat. Ist doch prima.

Wie Lewis Trondheim (eigentlich bürgerlich: Laurent Chabosy) selbst im Interview dargelegt hat, war dieses Buch eher als Fingerübung geplant, um seine Zeichenkunst weiter zu üben, und um seine Erzählmethode zu verfeinern, wobei dies eine vollkommen frei assoziierte und improvisierte Story ist. Deshalb wählte er als Gegenpol dazu die sehr strenge Seiteneinteilung von 4 x 3 Panels, auf allen Seiten, und setzte sich die Aufgabe, die Geschichte auf exakt 500 Seiten zu verteilen. Doch selbst für ihn als, wie er selbst sagt: „Schnellzeichner”, wurde dies zu einem enorm langen Prozess, den er mehrmals beinahe aufgegeben hätte. Doch seine Kollegen vom von ihm selbst mitbegründeten, neuen Verlag „L’Association” drängten ihn damals, weiter zu machen, und das Buch ebendort zu veröffentlichen. Was dann auch geschah, mit Anfangs eher mäßigem Erfolg, doch über die Jahre hat sich das Werk wohl doch zufriedenstellend verkaufen lassen. Und es hat die Basis gelegt für eine Serie um die sehr sympathische Figur des Herrn Hase, der sehr schnell sehr viel erwachsener wurde als noch in diesem ersten Band, und die Herzen der Leser eroberte. Dabei hat jeder Band der Serie in der Folge ein anderes Thema, und die Themen reichen von Alltagsbeobachtungen bis zu Hommagen an andere Serien (Asterix, Spirou), die Inhalte von Liebesgeschichten über Abenteuer, Horror, Zombies bis zu History und Science-Fiction. Also insgesamt sehr abwechslungsreich.

Die gesamte Episode um die Verlagsgründung und die „zwangsweise” Veröffentlichung erinnert mich übrigens nicht wenig an Jean Giraud / Moebius, der mit drei anderen Künstlern ein paar Jahrzehnte zuvor „L’Humanoides Associées” gegründet hatte, mit dem Magazin „Metal Hurlant” als Zugpferd, für das er aber natürlich auch selbst neues Material beisteuern sollte. So entstand die sehr stark improvisiert „Luftdichte Garage des Jerry Cornelius”, die ebenfalls, allerdings in etwas anderer Form als bei Lewis Trondheim, den Startschuss für eine sehr erfolgreiche Karriere ihres Autors legte.

Während bei dieser „Fingerübung” für Trondheim selbst anfangs noch gar nicht klar war, dass Herr Hase die eigentliche Hauptfigur sein würde, ist dies spätestens ab der zweiten Hälfte des Bandes sehr deutlich. Ab da dreht sich nicht nur (weiterhin) alles um diese Figur, sondern Herr Hase wird langsam aber sicher zu dem zentralen, selbst handelnden Charakter, der eben nicht nur als Spielball der anderen hin und her geschubst wird, sondern selbst entscheidet. Der Beginn eine Serie, eben. Witzig ist, jetzt im Nachhinein betrachtet — und den deutschen Lesern bleibt ja nur ebendiese Sichtweise — dass Trondheim gegen Ende der Geschichte eine weise Person in Gestalt eines Adlers auftreten lässt, die eine kurze aber lustige Episode erlebt. Denn ebendiese Figur hat er in der späteren autobiografischen Serie „Les Petit riens” (auf deutsch liegt da bisher nur ein Band, „Der Fluch des Regenschirms”, vor) für die Darstellung seiner eigenen Person gewählt. Passt aber gut!

Von diesem Band ist auch eine limitierte Sonderausgabe mit alternativem Cover und einem signierten Druck erschienen.



Fazit:

Ein riesen Spaß, für den man, zugegebenerweise, ein bisschen Durchhaltevermögen braucht, denn 500 Seiten Klamauk und Irrsinn sind kein Pappenstiel. Doch dafür wird der Leser mit einer ganzen Riege von schrägen Nebenfiguren entschädigt, mit einem Roadmovie, das nie an Fahrt verliert, sondern Leser (und Autor) auf immer neuen Wegen dahin führt, wohin die Reise ursprünglich eigentlich nur gehen sollte: zur Botschaft von Patagonien, wo es ganz besondere Karotten geben soll. Ein herrlicher, mehr als nur leicht verspäteter Startband der sehr erfolgreichen Serie um Herrn Hase, der nicht nur den Fans der Figur gefallen wird, da bin ich sicher.



Herr Hase und die patagonischen Karotten - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Herr Hase und die patagonischen Karotten

Autor der Besprechung:
Uwe Roth

Verlag:
Reprodukt

Preis:
€ 39,00

ISBN 10:
Herr Hase und die patagonischen Karotten

ISBN 13:
978-3956405143

512 Seiten

Bewertungen unserer Redaktion und unserer Leser

Positiv aufgefallen
  • Endlich auch der Startband der Serie auf deutsch!
  • Ein Roadmovie voll Tempo, Klamauk und Irrsinn — Herr Hase eben!
Negativ aufgefallen
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
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Rezension vom: 05.08.2026
Kategorie: Herr Hase
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