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Comic-Besprechung - Lady Elza 3: Lilly und der Lord
Geschichten:Lady Elza 3: Lilly und der Lord (Zornige junge Männer, Lilly und der Lord)
Autor: Jean Dufaux, Zeichner: Philippe Wurm, Colorist: Bertrand Denoulet
Story:
Eine Gruppe junger Engländer macht Jagd auf einen Anführer der muslimischen Glaubensgemeinschaft den sie für die Anschläge in London verantwortlich machen. Dabei eskaliert die Gewalt immer mehr. Der junge Journalist Mosli macht sich Sorgen um seine Schwester und bittet Jack um Hilfe. Dieser sieht sich schon als 007-Verschnitt, verkennt aber die Gewaltspirale. Lady Elza hingegen erfährt das die berühmte Stripperin Lilly wieder in der Stadt ist. Da Lilly für das Scheitern der Ehe von Jack und Elza verantwortlich ist, beschließt Elza sich als Tänzerin auszugeben, um die Rivalin kennen zu lernen. Doch damit wird sie in einen Erpressungsfall verwickelt.
Meinung:
Es wurde auf diesen Seiten schon bei den Besprechungen zu den ersten beiden Bänden von Lady Elza darauf hingewiesen wie sehr die Zeichnungen mit dem Handlungszeitraum kollidieren. Zeichnerisch ist der Stil eindeutig ligne claire wobei die Hintergründe durchaus detailliert dargestellt sind. Das verleiht allem eine gewisse Zeitlosigkeit und es gehört zu dem gewünschten Effekt, dass man als LeserIn immer wieder irritiert ist wenn hier die Moderne zum Beispiel mit Smartphones eine Rolle spielen. Natürlich ist das beabsichtigt und zeigt geschickt und schön auf wie England zwischen Tradition und Moderne seinen Spagat findet bzw. finden muss.
Das wird besonders in diesem dritten Sammelband deutlich der wieder zwei Abenteuer in sich vereint. Diese sind zwar eigenständig, also voneinander gelöst, aber beide haben doch als ein gemeinsames Thema den Standesdünkel der englischen Gesellschaft. Im Kontrast zu einigen modernen Themen wirkt er antiquiert, stellt aber doch eine gewisse Struktur und somit Ordnung dar. Im Gegensatz zu dem vorherigen Band ist hier wenig Humor vorhanden. Was gerade dem Auftakt auch nicht gut gestanden hätte. Schließlich geht es hier um Rassismus und wie sich die Spirale der Gewalt immer weiter drehen kann. Einige junge Engländer der gehobenen Klasse begehen rassistisch motivierte Straftaten. Was vor allem durch die islamistischen Attentate in London 2005 begründet wird. Aber diese Aktionen drohen immer mehr zu eskalieren und auch die extremistisch geprägten Islamisten werden dadurch aufgestachelt was auch von deren Seite her die Gewaltbereitschaft verschärft. Es ist eine düstere verzweifelte Szenerie mit einem tragischen Ausgang. Komischerweise geraten hier die Helden ziemlich in den Hintergrund. Jack sieht das Ganze als Abenteuer und fantasiert sich schon als 007-Verschnitt. Aber sein Erwachen ist böse da es eben kein Spiel ist. So ergeht es auch den Schreibtischtätern, auf beiden Seiten der Gegner gibt es die, welche den ideologischen Nährboden liefern und sich dann bequem zurücklehnen und ihre Hände in Unschuld waschen können wenn andere nach ihren Maximen handeln. Trotz aller Dramatik und Spannung gibt es hier zumindest eine satirische Szene während einer Gartenparty mit einem bösen Blick auf die Upper-Class. Wenn es das ist was gewaltsam bewahrt werden soll, so ist es nicht wert. Und diese satirische Szene erhöht nur noch die Tragik um das vergossene Blut.
Das zweite Abenteuer ist von der Tonalität her sehr viel leichter gehalten. Der Kriminalfall ist dabei ziemlich sekundär, unspektakulär und banal. Hier stehen aber vor allem die Helden wieder im Vordergrund es werden Hintergründe erläutert. So erfährt man hier warum sich Elza und Jack getrennt hatten und wie sehr der Snob doch in Elza verliebt ist. Sogar der Obdachlose Fleet erfährt hier eine Wendung wenn seine Hintergründe aufgezeigt werden. So mancher Aspekt ist hier überraschend und es wird sehr erotisch wenn Lady Elza sich als Tänzerin verdingt, um die berühmte Stripperin kennenzulernen welche ihre Ehe mit Jack auf dem Gewissen hat. Das sorgt gerade bei den erotischen Szenen für witzige Momente, punktet aber vor allem durch die sehr guten Charakterisierungen. Auch hier kommt immer wieder der Standesdünkel zur Sprache wenn sich Elza nun wahrlich nicht so verhält wie es von einer Adligen erwartet wird.
Die Serie mausert sich immer mehr. War der erste Sammelband noch etwas merkwürdig, so lässt sich erfreut feststellen das Lady Elza nicht in den gängigen Topoi des Krimi-Genres erstarrt und man nie wissen kann was hier einen erwartet und selbst die Helden variieren. Für England-Fans definitiv ein Muss.
Fazit:
Die Serie mausert sich immer mehr und erstarrt nicht in gängigen Mustern was an den unterschiedlichen Themen liegt und die Verschiebung auf wechselnde Haupthandlungsträger. Spannend, witzig, tragisch, erotisch und hervorragend charakterisiert.
Lady Elza 3: Lilly und der Lord
Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann
Verlag:
Alles Gute!
Preis:
€ 24,80
ISBN 10:
3965822330
ISBN 13:
‎ 978-3965822337
96 Seiten
Bewertungen unserer Redaktion und unserer Leser

- gute Charakterisierungen
- hohe Figurendynamik
- Verschiebungen zwischen den Helden
- Kontrast Tradition und Moderne


| Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic | ||
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| Rezension vom: | 30.05.2026 | ||||||
| Kategorie: | Alben | ||||||
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