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Comic-Besprechung - Köigliches Blut: Elisabeth Bathory - Die Blutgräfin

Geschichten:

Königliches Blut: Elisabeth Bathory - Die Blutgräfin
Autor: Jean-Pierre Pécau; Zeichner: Leo Pilipovic; Colorist: Silvia Fabris



Story:

Elisabeth Bathory stammt aus einem alten adligen Geschlecht und wird mit 15 Jahren verheiratet. Ihr Mann besitzt Ländereien im Grenzland und ist mehr auf dem Schlachtfeld gegen die Türlen zu finden als zu Hause. Elisabeth erbt nach dessem Tode nicht nur die Ländereien und den Status, sondern führt auch den Kampf gegen die Türken fort. Sie scheint aber auch sadistischen Praktiken zu folgen, zu foltern und zu morden. Jedenfalls verschwinden auffällig oft Bedienstete von ihr. Ein gefundeses Fressen für Intriganten, welche einen Inquisitor auf Elisabeth ansetzen.



Meinung:

Die Serie Königliches Blut schildert teils in Einzelbänden, teils in ganzen Zyklen das Leben und Wirken von Herrscherinnen. Dabei ist immer auch eine Ehrenrettung vorhanden und beabsichtigt. Denn diese Frauen mussten sich nicht nur als Herrscher durchsetzen, sondern vor allem auch als Frauen in einer patriarchalischen Gesellschaft die den einzigen Sinn von Königinnen darin sah männliche Thronfolger zu gebären. Wenn nun eine Frau selber herrschte musste sie große  Widerstände überwinden. Allein durch ihr Geschlecht, also was sich auch in der Moderne im Berufsleben weiterführte. So hat sich das Patriarchat auch immer gegen die Frauen gewehrt und wollten diese zähmen. Was den Biographien eine  besondere Dramatik verleiht.

Dabei sind die Biographien jeweils historisch verbürgt und es wurden historische Fakten als Grundlagen für die Comics  genommen. Leider verlässt man bei dem aktuellen Band, über die ungarische Fürstin Elisabeth Bathory, die historische Faktenlage und bedient den Mythos. Es wird weniger darauf eingegangen das die Gräfin verleumdet worden ist und Männer anhand dieser Intrige an ihren Status, Titel und Reichtum kommen wollten, wie es Historiker annehmen, sondern der Mythos bedient der Elisabeth Bathory zusammen mit Vlad Tepes zu den Urtypen von Vampiren machten.

Der Comic lässt keinen  Zweifel daran, dass die spätere Anklageschrift wohl Recht haben musste. Nur ansatzweise werden leichte Zweifel geäußert ob die Anschuldigungen eine Grundlage haben, aber im Großen und Ganzen wird kein Zweifel daran gelassen das Elisabeth ihr Schicksal zu Recht erlitten hat. Schon die ersten Seiten zeigen sie als komplett verdorben.
Elisabeth steht unter dem Einfluss ihrer Tante und wird angeblich früh als Hexe angesehen. Zumindest als Ketzerin da sie als Protestantin in eine katholische Familie einheiratet. Nicht aus Liebe, sondern aus dynastischen Gründen. So weit so historisch üblich. Das Kalkül mit weiblichen Reizen nicht zu geizen, um Macht zu erlangen ist auch glaubwürdig, spielt aber später keine Rolle mehr. Stattdessen trifft Elisabeth in Prag historisch bekannte Personen wie Kaiser Rudolph, den Magier John Dee und den Maler Arcimboldo. Aber anstatt das als eine Form von Aufklärung zu sehen wird es als Hang zu Magie verstanden  und als pures Namedropping, als kulturelle Einordnung genutzt ohne das ein wirklicher Einfluss auf die Heldin aufgezeigt wird. Stattdessen haben Tante und Nichte Sex miteinander. Auch später wird Elisabeth nie als Opfer gesehen, sondern immer nur als Täterin. Sie mordet, foltert, führt Krieg und badet in dem Blut schöner junger Mädchen, um selber ewig jung zu bleiben.  Eben letzterer Punkt gilt als ein Grundstein des modernen Vampir-Mythos. Dabei hat ihr Mann einige Punkte von Vlad Tepes, dem historischen Vorbild zu Dracula, verliehen bekommen. Die Historie wird also weitgehend außer Acht gelassen und Hypothesen und Verdachtsmomente als gesichert angesehen.

Wer aber nun die Historie beiseiteschieben kann und es als Fiktion mit historischen Kernen ansieht, wird durchaus unterhalten. Wozu auch die sehr realistischen und detailreichen Zeichnungen beitragen. Sie sind eine reine Freude, neigen aber teils auch zu mimischen Übertreibungen. Vor allem entwickelt sich Elisabeth auf der zeichnerischen Ebene nicht. Mit 15 sieht sie zu reif aus und mit 50 ebenso wie mit 15. Sie altert also nicht. Gut, das kann man eben den Bädern im Blut zuschreiben. Aber da wird wieder mal der Mythos bestärkt und nicht die Historie. Ob einem der Band gefällt hängt also stark von der Erwartungshaltung ab.



Fazit:

In dem aktuellen Band der Serie wird mehr der Mythos als die historischen Fakten bedient. Jedenfalls wird kaum Zweifel an der Verderbtheit der Heldin gelassen. Die detailreichen und realistischen Zeichnungen vermögen aber mit leichten Abstrichen zu fesseln.



Köigliches Blut: Elisabeth Bathory - Die Blutgräfin - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Köigliches Blut: Elisabeth Bathory - Die Blutgräfin

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Splitter Verlag

Preis:
€ 18,00

ISBN 10:
3689500257

ISBN 13:
‎ 978-3689500252

56 Seiten

Bewertungen unserer Redaktion und unserer Leser

Positiv aufgefallen
  • detailreiche und realistische Zeichnungen
  • kulturelle und historische Einordnung
  • Spannung und Dramatik
Negativ aufgefallen
  • mehr Mythos als historische Fakten
  • keine Ehrenrettung
  • Heldin altert zeichnerisch nicht
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
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Rezension vom: 30.04.2026
Kategorie: Königliches Blut
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