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Comic-Besprechung - Das Lied der Arktis

Geschichten:

Das Lied der Arktis

Autor: Jean-Paul Krassinsky, nach Bérengère Cournut

Zeichnungen: Jean-Paul Krassinsky

Übersetzung: Resel Rebiersch



Story:

Die Graphic Novel erzählt das Leben der jungen Inuit Uqsuralik, die auf dem Packeis von ihrer Familie und ihrem Klan getrennt wird, sich durchschlägt, neuen Anschluss findet und auch später sämtlichen Beschwernissen des harten Lebens in der Arktis trotzt.



Meinung:

Basierend auf einer Vorlage des im Original unter dem Titel „De pierre et d’os” (z.dt. etwa: „Aus Stein und Knochen”) im Jahre 2019 erschienenen Romans aus der Feder der französischen Schriftstellerin Bérengère Cournut, erzählt Jean-Paul Krassinsky hier die Geschichte einer nordamerikanischen Ureinwohnerin und ihres harten Lebens in der kanadischen Arktis. Es werden keine Jahresangaben gemacht, doch am Ende der Erzählung wird angemerkt, dass dies alles noch vor dem ersten Eintreffen weißer Forscher in der Gegend stattfand, also vermutlich gegen Ende des 19. Jahrhunderts, im Zuge der Suche nach der „Nordwestpassage”. 

Das Leben in der Arktis war zur damaligen Zeit für unsere Verhältnisse unvergleichlich hart, die Menschen im Prinzip reine „Fleichfresser”, und der technologische Stand mehr als primitiv. Trotzdem bildeten sich (teilweise) komplexe Formen des Zusammenlebens in Clans aus, die strengen Regeln folgten, sich gegenseitig respektierten und halfen. Man wußte, dass das Überleben nur als Gruppe möglich war, und das ist auch das Hauptthema dieser Erzählung: Uqsuralik wird aus ihrem Clan herausgerissen, und sucht sich einen neuen — das ist nicht nur Tradition, sondern überlebensnotwendig. Dabei agiert sie einfallsreich, tapfer und geschickt, was sie zu einer perfekten Hauptfigur macht, die sofort unsere Sympathien gewinnt, weil sie positiv denkt und handelt. Und nicht zuletzt, weil sie in Situationen gerät, in denen sich ihr Gegenüber eben nicht an die allgemeinen Regeln hält. Doch auch diese Situationen überlebt sie, indem sie durchhält, oder sie sogar zu ihrem Vorteil zu nutzen weiß. 

Das alles erzählt Krassinsky mit Ruhe und in einem passenden Tempo, denn das Leben dieser Ureinwohner misst sich in Jahreszeiten, in Lebensabschnitten und Jahren, die lediglich durch große Ereignisse wie Geburten oder Todesfälle an besonderer Bedeutung gewinnen. 

Bisher in Deutschland lediglich als Co-Autor des Geschichtenbandes „Vampire 2” aus dem Ehapa-Verlag bekannt, ist Jean-Paul Krassinsky einer der wenigen Autoren, die abwechselnd als Szenarist, dann als Zeichner für andere Szenaristen, und schließlich als Alleinkünstler tätig sind. Dabei wechselt er sowohl die Themen seiner Bücher, als auch seine Zeichenstile sehr drastisch — von Abenteuer und Zeitgeschichte, über Fabeln und Humor bis zu Erotik. Und auch seine Zeichenstile sind ebenso vielfältig: Funny, Semi-Funny, realistisch — und sogar Fotoromane. Diesmal hat er einen realistischen Stil gewählt, mit einer Mischung aus Couleur Directe und Aquarellkolorierung, der sehr gut zur Geschichte passt. Seine Seiteneinteilungen sind abwechslungsreich und dynamisch, seine Landschaftsdarstellung beeindruckend, stellenweise geradezu packend. Das, zusammen mit der Erzählweise, machen diesen Band zu einem absoluten Highlight am Comic-Himmel, den ich nur unbedingt empfehlen kann.

Nachtrag:

Nur wenige Tage, nachdem ich diese Rezension verfasst habe, ist Jean-Paul Krassinsky überraschend am 31.03.2026 im Alter von nur 53 Jahren verstorben. Er arbeitete aktuell bereits an zwei neuen Büchern, die nun unveröffentlicht bleiben werden. Doch die Comicwelt wird diesen meist eher still im Hintergrund verbleibenden, und trotzdem großen Künstler in guter Erinnerung behalten. Am meisten ehren würde ihn sicherlich, wenn auch in Deutschland noch mehr seiner Werke veröffentlicht würden. Das hoffe ich sehr.



Fazit:

Als neues Highlight am Comic-Himmel erzählt diese Graphic Novel vom harten Leben der Inuit Nordamerikas vor rund 150 Jahren. Am Beispiel einer jungen Frau wird ein komplettes Leben in der Arktis erzählt, mit seinen Härten und Gefahren, seinen Riten und Gebräuchen, und allen sonstigen Komponenten des menschlichen Zusammenlebens. In eindringlichen Bildern und sehr gut komponierten Seiten setzt Jean-Paul Krassinsky hier den von der Kritik gefeierten Roman der Erfolgsautorin Bérengère Cournut kongenial in Bilder um, die den Leser nicht mehr loslassen. Unbedingt zu empfehlen.



Das Lied der Arktis - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Das Lied der Arktis

Autor der Besprechung:
Uwe Roth

Verlag:
Schreiber und Leser

Preis:
€ 32,80

ISBN 10:
3965822276

ISBN 13:
978-3965822276

208 Seiten

Bewertungen unserer Redaktion und unserer Leser

Positiv aufgefallen
  • Großartige Erzählung mit ungewöhnlichem Thema.
  • Sehr beeindruckende Zeichnungen im realistischen Stil.
Negativ aufgefallen
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
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Rezension vom: 27.04.2026
Kategorie: Alben
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