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Comic-Besprechung - Die hermetische Garage - Jäger und Gejagter
Geschichten:Die hermetische Garage - Jäger und Gejagter
Autor und Zeichnungen: Moebius (Jean Giraud)
Übersetzung: Lilian Pithan
Story:
Major Gruber irrt immer noch durch die dritte Ebene seiner von ihm selbst erschaffenen Welt, auf der Suche nach einem Ausgang und dem Weg zurück zur „Guten Alten Erde”. Da er langsam ein wenig deprimiert wird durch die seltsam monotone und langweilige Landschaft, plant er eine „Nachsteuerungssitzung” bei der etwas mysteriösen Frau van Peebles — doch ist dies nicht vielleicht eine weitere Falle der Verschwörer, die planen, diese Welt in die Freiheit und Unabhängigkeit von ihrem Schöpfer zu führen?
Meinung: Es gibt nun tatsächlich die in Deutschland von den Fans lange herbeigesehnte Fortsetzung der „Hermetischen Garage von Jerry Cornelius”, und der vorliegende Band ist damit dann der dritte im Bunde — Band zwei war „Der Mann von der Ciguri”, der wiederum bei seiner Erstveröffentlichung bei Ehapa als Einzelband beschrieben wurde. Was für ein Durcheinander! Doch irgendwie passt das natürlich auch wieder zum Inhalt, denn das Opus um die hermetische Garage ist alles andere als wohlsortiert, stringent oder logisch. Ganz dem Plan folgend, der den ersten Seiten von Band eins innewohnte, nämlich einfach das zu zeichnen, was ihm gerade in den Sinn kam, hat Moebius die so entstandenen Ideen einfach impulsiv weitergesponnen, immer mal wieder den Faden verloren, dann wieder aufgenommen, und alles mit einer schräg versponnen Soße aus pseudotechnischen und pseudophilosophischen Textergüssen gewürzt, die im französischen Original möglicherweise noch das eine oder andere Wortspiel ergeben haben mögen, für die eigentliche Handlung aber weitestgehend entbehrlich wirken. Trotzdem bleibt die Lektüre ein großer Spaß, weil man sich an den herrlich schrägen Zeichnungen ergötzen kann, die zwischen realistisch und Funny changieren, immer wieder die verrücktesten und drogeninduzierten Traumgebilde herbeizaubern, und einfach schön anzuschauen sind. Ein optischer Genuss. Mit inhaltlichen und grafischen Anspielungen an andere Werke wie „40 Days in Desert B”, den „Incal” oder „Edena”.
Inhaltlich ist es ansonsten ein bisschen wirrer als die vorhergehenden Teile, zumindest was den Anschluss an den Vorgängerband angeht. Während Band 1 und 2 noch nahezu nahtlos ineinander übergingen, wird die inhaltliche Entwicklung vom Ende des zweiten Bandes diesmal völlig ignoriert, die Handlung setzt ein bisschen im Nichts an, dreht sich um sich selbst, um dann ganz am Ende noch ein bisschen den Faden aus „Der Mann von der Ciguri” wieder aufzugreifen. Ein wirkliches Ende gibt es auch leider nicht, es heißt zum Schluss „Ende der Episode”, eine Fortsetzung wird es also nicht geben, und somit bleibt die Geschichte des Major Gruber (früher: „Grubert”) mit offenem Ende zurück. Doch wer weiß, ob hier jemals ein wirkliches Ende beabsichtigt gewesen ist, die „Hermetische Garage” wirkt eher wie eine Spielwiese des Autors, der im Prinzip im Abstand von ca. jeweils 15 Jahren die Folgebände gezeichnet hat — da kann man auch leicht mal den Faden (und die Lust) verlieren.
Das Jahr 2026 wird für die Moebius-Fans sicherlich insgesamt ein Fest werden, da neben einem neuen Skizzenbuch (in Frankreich) noch weitere bisher in Deutschland unveröffentlichte Perlen aus der Feder des Meisters veröffentlicht werden sollen, allerdings nicht bei avant. Dass avant sich dann jedoch dieses Werk zur Veröffentlichung hat sichern können, ist ein echter Coup — nachdem Moebius/Giraud bisher weitestgehend bei den Platzhirschen Ehapa, Carlsen oder Splitter erschienen ist, hat avant hier klassisch zwischengegrätscht und sicherlich die Konkurrenz ein bisschen geärgert. Umso besser für uns Leser.
Das vorliegende Buch ist, wie vom Verlag beschrieben, tatsächlich sehr üppig und opulent ausgestattet: Großformat, Cover mit Spotlack (vorne und hinten), Handlettering sowie ein wirklich dickes Papier. Die einzige Irritation, die dabei bei mir aufkam war, dass dieses dicke Papier trotzdem durchscheint! Man sieht den Druck auf der Rückseite der Seiten durchscheinen, kaum zu glauben, aber wahr. Das ist ein bisschen schade, denn ich denke, die Papierwahl sollte doch wohl eigentlich genau dieses Phänomen verhindern? Blöd, irgendwie.
Den Fans empfehle ich, sich die doppelseitige Abbildung aus dem aktuellen Katalog herauszunehmen: diese Mittelseite zeigt nämlich eine Illustration, die im Buch zwar enthalten, jedoch stark beschnitten wurde. Das komplette Original gibt es also nur dort. Das gibt dann noch ein nettes „Ex-Libris”. Übrigens in schwarz-weiß, wie das gesamte Buch: nur der mittlere Teil der Trilogie ist ausschließlich in Farbe veröffentlicht worden, Teil eins sowohl als auch, und Teil drei eben in s/w.
Fazit:
Die langersehnte Fortsetzung der „Hermetischen Garage” liegt nun endlich in einer opulenten Ausstattung auf deutsch vor, und ein weiteres Loch im Oeuvre des großen Meisters Moebius/Giraud wird damit gestopft. Den Leser erwartet eine irre Psychoreise, die er nicht allzu ernst nehmen sollte, denn das eigentliche Ziel sind die Zeichnungen: Moebius feiner Strich, changierend zwischen real und funny, zwischen realistisch und surreal, sind das eigentliche Fest. Für die Fand des Meisters und des gehobenen franko-belgischen Comics allgemein.
Die hermetische Garage - Jäger und Gejagter
Autor der Besprechung:
Uwe Roth
Verlag:
Avant Verlag
Preis:
€ 30,00
ISBN 10:
3964451576
ISBN 13:
978-3964451576
64 Seiten
Bewertungen unserer Redaktion und unserer Leser

- Die langersehnte Fortsetzung der „Hermetischen Garage” nun auch auf deutsch!
- Opulent ausgestattet.

- Das angenehm dicke Papier scheint trotzdem durch! Kaum zu glauben.

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| Rezension vom: | 15.03.2026 | ||||||
| Kategorie: | Alben | ||||||
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