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Comic-Besprechung - Der Mann, der Wunder vollbringen konnte
Geschichten:Der Mann, der Wunder vollbringen konnte
Autor: José Luis Munuera (nach H.G. Wells), Véronique Béghain (Vorwort), G.K. Chesterton (Nachwort)
Zeichnungen: José Luis Munuera
Übersetzung: Harald Sachse
Story:
Im ländlichen England der (vorletzten) Jahrhundertwende stellt der Büroangestellte Fotheringay plötzlich fest, dass er „Wunder” vollbringen kann, denn tatsächlich werden seine sämtlichen Wünsche unmittelbar wahr, so, als hätte eine gute Fee sie umgehend erfüllt. Zuerst glaubt man ihm nicht, hält alles für Zufall, bis er an einen Geistlichen gerät. Denn die Kirche hatte schon immer einen besonderen Bezug zum Übernatürlichen, und alsbald gerät die Situation außer Kontrolle.
Meinung:
Munuera setzt hier eine Geschichte in die Bilderform um, die ursprünglich bereits im Jahr 1898 von H.G. Wells in einer Zeitschrift veröffentlicht worden ist. Dies tut er in seinem gewohnten, realistischen Zeichenstil, der auch diesmal wieder die Figuren ein bisschen überzeichnet und karikiert, sodass sie in Richtung Semi-Funny driften, ohne vollends in die Kategorie „Schule Marcinelle” oder Ähnliches einzuordnen zu sein. Doch das passt zum Inhalt der Geschichte, die nicht ganz ernst genommen werden will, sondern eher wie einer dieser typischen Witze daherkommt, wo jemand drei Wünsche bei einer guten Fee tätigen darf, dann aber alles schief geht, weil er sich falsch oder missverständlich ausgedrückt hat. So auch hier, wo nach einigen ersten Zirkuskunststückchen oder persönlichen Eitelkeiten dann der ganz große Coup folgen soll — und schief geht. Die Katastrophe wird durch einen intelligenten Schachzug wieder aus der Welt geschafft, und alle haben etwas gelernt, das ist sozusagen die Moral von der Geschicht’. Das ist insgesamt rund erzählt, alles passt zusammen, der Wahnsinn steigert sich von Mal zu Mal, bis zur Katastrophe, und dann: Entwarnung. Das war von Wells als kurze Erzählung geplant, und reicht auch für ein Comicbuch vollends aus. Eine nette Geschichte, wenn auch inzwischen für den vielkonsumierenden Leser der heutigen Zeit vielleicht doch bereits bekannt, da das Thema in Film und Fernsehen nur allzu oft verwendet worden ist. Aber dieses Original (?), wenn es denn tatsächlich sozusagen die ursprüngliche Fassung dieses Themas sein sollte, ist auf jeden Fall charmant.
Das Problem des möglichen Bekanntheitsgrades der Geschichte haben auch die Herausgeber erkannt, und versucht, dem mit zwei Essays zu begegnen, die als Vor- respektive Nachwort zur Geschichte hinzugefügt wurden. Ich vermute, dass dies bereits im französischen Original so war, Splitter wird dies lediglich übersetzt haben.
Diese beiden Essays haben bei mir einen eher gemischten Eindruck hinterlassen. Frau Béghain listet zwar durchaus akkurat die Entstehungs- und Veröffentlichungsgeschichte des Werkes auf, stellt es in den zeitlichen Kontext und vergleicht Wells mit seinen Konkurrenten, doch leider belässt sie es nicht dabei. Zu meinem großen Verdruss hält sie es für notwendig, uns diese doch recht simple Geschichte erklären zu wollen, ihre moralischen Hintergründe und Konsequenzen und alles andere, was es zu erläutern gäbe. Doch dabei spoilert sie fast die gesamte Story in allen Einzelheiten, noch mehr, als ich es vielleicht oben bereits getan habe. Deshalb mein Tipp: man sollte das Vorwort unbedingt erst zum Schluss lesen!
Auch das Nachwort hat es in sich, und auch damit bin ich nicht so recht klar gekommen. Vielleicht liegt es ja auch nur an mir, doch ich kann nicht wirklich erkennen, was eigentlich Chestertons Absicht bei diesem Text war, der eindeutig eine direkte Replik auf Wells’ Veröffentlichung darstellte. Stimmt er im Grunde Wells zu, und soll seine kirchlich angehauchte Replik eine Glosse darstellen, die die Intellektuellen seiner Zeit in Verzückung brachte, eigentlich aber das Gegenteil des Gesagten ausdrücken, nämlich eine Huldigung an Wells? Kaum zu glauben, für wie clever er seine Leser hielt! Oder meinte er seinen Kirchensermon etwa ernst? Glaube ich kaum und wäre an Dummheit kaum zu übertreffen. Was soll uns dieses hochtrabende Pamphlet eines nicht verwendeten Buchkapitels also bringen? Vielleicht hätte man Chestertons Entscheidung folgen, und es ebenfalls nicht abdrucken sollen. Ansonsten: viel Spaß bei der Lektüre.
Fazit:
Eine unterhaltsame Geschichte über einen Mann, dem seine plötzliche Fähigkeit, die Welt zu verändern, leider völlig entgleitet. Mit einem gekonnten Seitenhieb gegen die Obrigkeit, das Psychiater(un)wesen und die Kirche. Nett zu lesen und klasse gezeichnet, kann man auf die beiden Essays eher verzichten.
Der Mann, der Wunder vollbringen konnte
Autor der Besprechung:
Uwe Roth
Verlag:
Splitter Verlag
Preis:
€ 19,80
ISBN 10:
3689501393
ISBN 13:
978-3689501396
72 Seiten
Bewertungen unserer Redaktion und unserer Leser

- Nette Geschichte, allerdings bis heute vielfach verwendet.
- Wieder tolle Zeichnungen von Munuera.

- Leider spoilert das Vorwort zu sehr.

| Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic | ||
| Bewertung: | ||
![]() (7 Stimmen) | ||
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| Rezension vom: | 02.03.2026 | ||||||
| Kategorie: | Alben | ||||||
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