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Comic-Besprechung - Privatvorführung
Geschichten:Privatvorführung
Autor / Zeichner: Milo Manara
Story:
Kunst erhebt nicht nur die Schöpfer, sondern auch den Einzelnen. Aber sie kann auch pervertiert werden wenn sie zu einem Massenprodukt wird. So beginnt selbst eine fiktive Figur sich gegen Werbeunterbrechungen zu wehren. Oder die Nachstellung eines Gemäldes für eine Werbefotografie gestaltet sich komplizierter als gedacht. Und für einen Snuff-Film werden die Erwartungen in die Irre führen. Eine versteckte Kamera zeichnet oft mehr auf als sie eigentlich wollte und schadet den Machern mehr als ihren unfreiwilligen Kandidaten.
Meinung:
In dem Band Privatvorführung werden nicht nur mehrere Kurzgeschichten von Milo Manara abgedruckt, sondern auch die längere Geschichte Candid Camera. Wobei letztere auch keine zusammenhängende Story ist, sondern eher Kurzgeschichten sind, die durch das Personal und das Thema einer versteckten Kamera miteinander verknüpft sind. Generell sind alle hier versammelten Beiträge thematisch gebündelt und handeln alle von Film bzw. stellen Hommagen dar. Viele sind schon auf Deutsch erschienen und so dürften manche schon einige kennen. Einiges erschein in dem Band Die Reise nach Tulum bei Carlsen und andere etwa in Schwermetall und Candid Camera nicht nur teilweise in einem Magazin, sondern auch schon als eigenständiger Band. Redaktionelle Hinweise beziehen sich hier aber nur auf die ursprüngliche Erstveröffentlichung, nicht auf deutsche Ausgaben. Dabei stammen fast alle aus den 1980er Jahren. Aber die Aufmachung der Ausgabe des Splitter Verlages ist sehr schön geworden. Es gibt ein kurzes Vorwort von Manara und ein kurzes Nachwort, sowie eine Kurzgeschichte ohne Text und weitere Illustrationen. In der Collector`s Edition ist auch ein Kunstdruck enthalten.
Alle Geschichten wandern auf einem Grad. Sie sind eine Hommage nicht nur an den Film, sondern auch an einzelne Schöpfer, stellen aber gleichzeitig eine Kulturkritik dar. Die erste Story ist eine Kritik an Werbeunterbrechungen von Filmen. Manara nimmt hier Casanova von Fellini und verleiht seinem Helden auch die Gesichtszüge des Schauspielers Donald Sutherland der in dem Film von Fellini Casanova verkörperte. Es ist von einem bitteren Witz geprägt und eine sehr scharfe Satire die immer noch punktet.
Die nächste Geschichte Die blaue Periode handelt von der Vereinnahmung der Kunst in der Werbung. Ein Thema welches auch immer noch aktuell ist. Das Bild „Der blinde Gitarrenspieler“ von Picasso soll für eine Werbung fotografisch nachgestellt werden was so seine Schwierigkeiten mit sich bringt und die glatte heile Oberfläche der Werbung mit dem manchmal schmerzhaften Schaffensprozess der Kunst kontrastiert. Ist diese Geschichte eine Verneigung vor Picasso, so ist X3 vielmehr eine Verneigung vor Moebius. Manara stellt in dem Vorwort klar das Moebius, d.i. Jean Giraud, eines seiner Idole war und er einige Zeit brauchte, sich stilistisch von diesem Vorbild zu lösen. Einigen dieser Geschichten, die ja aus den 1980er Jahren stammen, merkt man das auch deutlich an. Besonders stark Ente welche stilistisch auch von Moebius hätte stammen können, aber auch dem Schriftsteller Borges huldigt.
John Lennon ist ebenso eine Hommage, wunderschön mit vielen Anspielungen, wie Ohne Anfang eine einzige Hommage an Fellini ist. Manara lässt den Schauspieler Marcello Mastroianni in jedem Panel durch einen anderen Film von Fellini wandern. Zwei andere Geschichten sind hingegen recht düster. Acheronta Atropos behandelt Snuff-Filme und bietet zwar eine surrealistische Sequenz, läuft aber sehr auf den Twist hinaus. Das tragische Ende von Gori Bau und Kallipyga Sister ist sehr surreal und die düsterste Geschichte hier aber auch die erotischste.
Es kommen zwar in den meisten Geschichten schöne und oftmals nackte oder leicht bekleidete Frauen vor, aber die Erotik steht da nicht mal im Vordergrund. Das ist in Candid Camera anders. Diese ist eine frühe Kritik an skrupellosem Realitiy-TV und weist deutlich einen eigenständigen zeichnerischen Stil auf. Bei der versteckten Kamera ist nicht nur Erotik und Kritik, sondern auch ein bissiger Humor festzustellen und weist Manara auch als Satiriker aus. Sehr empfehlenswert.
Fazit:
Manche Geschichten sind in der langen Veröffentlichungsgeschichte schon auf Deutsch erschienen aber die schöne Aufmachung und die thematische Bündelung macht das wieder wett. Auch wenn die Storys meist aus den 1980er stammen haben sie nichts an satirischer Schärfe verloren. Zudem huldigt Manara seinen Idolen.
Privatvorführung
Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann
Verlag:
Splitter Verlag
Preis:
€ 29,90
ISBN 10:
3689500222
ISBN 13:
‎ 978-3689500221
120 Seiten
Bewertungen unserer Redaktion und unserer Leser

- satirische Schärfe
- surreale Elemente
- nicht an Aktualität eingebüsst
- schöne Frauen
- Hommagen und Verweise


| Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic | ||
| Bewertung: | ||
![]() (8 Stimmen) | ||
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| Rezension vom: | 19.12.2025 | ||||||
| Kategorie: | Alben | ||||||
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