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Comic-Besprechung - Lady Elza 2: Victoria und die Geister
Geschichten:Lady Elza 2: Victoria und die Geister
(Victorias Liste, Gespenster und Marmelade)
Autor: Jean Dufaux, Zeichner: Philippe Wurm, Colorist: Bertrand Denoulet
Story:
Jack hat gehörige Wettschulden. Da er zudem wieder begonnen hat mit seiner Ex-Frau, Lady Elza, auszugehen und ihr standesgemäß etwas bieten muss, ist er auf der Suche nach einem zusätzlichen Einkommen. Als er von dem Mädchen Victoria hört welches anscheinend hellsehen kann, ist er begeistert. Denn alle Hunde die sie nennt, sind sichere Gewinner. Doch die Stimmung kippt als Victoria auf einmal auch Todesfälle vorhersagen kann. Ein kleiner Scherz gegenüber einem vermeintlichen Geist führt zu einer weiteren Mordserie. Da diese nur Familienmitglieder der MacGregors betrifft, gerät auch Lafy Elza in Gefahr. Jack und seine Freunde tun alles, um das Mysterium zu klären.
Meinung:
Auch der zweite Sammelband von Lady Elza vereint zwei Alben aus der Serie. Im Gegensatz zu dem ersten Band sind diese Abenteuer aber nicht miteinander verflochten. Bildete der Auftakt noch einen Zweiteiler, so sind die nun vorliegenden Abenteuer jeweils in sich abgeschlossen.
Wie schon im Auftakt steht die Titelheldin Lady Elza gar nicht mal im Fokus. Es überraschte schon direkt zu Beginn, dass eine Titelheldin so gar nicht zu der eigentlichen Handlung etwas beiträgt. Zwar war Elza in dem Zweiteiler der Fokus um den sich alles drehte, war aber eher passiv und bekam nicht sonderlich viel von der Intrige um sich herum mit. So stand sie im Mittelpunkt, aber auch das ist hier nicht mehr gegeben. Die Geschichten drehen sich gar nicht um sie und so ist sie eher gleichberechtigt gegenüber drei anderen Charakteren. Im ersten Abenteuer taucht sie auch eher so auf und hat mit der eigentlichen Handlung nichts zu tun. Im zweiten ist sie aktiver und auch in Gefahr, bewirkt aber relativ wenig.
Schon allein aufgrund dieser Tatsache merkt man was ein meisterhafter Autor Jean Dufaux ist. Er bürstet alles gegen den Strich, schafft Erwartungen indem er Klischees anschneidet, unterläuft diese aber. Schon dadurch dass eben Elza nicht die Heldin ist. Ihr Ex-Mann Jack ist ein tatkräftiger Journalist ist also von seinen Motiven, der noch vorhandenen Liebe zu Elza, her und aufgrund seines Berufs prädestiniert der Held zu sein. Vor allem wenn man die frankobelgische Comic Tradition betrachtet in der so viele Helden Journalisten waren. Aber auch Jack versagt als Held, er ist zwar der Antreiber der Handlung, aber in den Momenten wo es drauf ankommt, gerät er eher in die Nöten oder verpasst die wichtigen Momente. Stattdessen ist der Obdachlose derjenige der die nötigen Informationen beschafft und dadurch mehr als ein witziger Side-Kick. Vor allem aber ist es der Snob der eigentlich nur seine Ruhe haben will und das Leben eines Gentleman führen will, der widerwillig aktiv wird und meist die Lösungen vorbereitet. Alle Personen ergänzen sich und erst in dem Verbund ergibt es einen Helden. Jeder für sich nicht.
Dufaux spielt also nicht nur mit den Erwartungen welche durch Klischees erweckt werden, sondern spielt auch mit Klischees die man über England an sich hat. Also nicht nur Genregemäß, sondern auch gegenüber dem Land an sich. Das Banner des Titellogos in Form der englischen Flagge ist da schon ein Hinweis. Gerade das snobistische wirkt wie aus der Zeit gefallen und zeigt schön auf wie das Land zwischen Tradition und dem Bewusstsein und der Pflege eben dieser und der Moderne zerrissen ist. Da hat man die gemütlichen Clubs wo sich Gentlemen treffen, die Wettleidenschaft, ein Wiederaufleben der viktorianischen Vorliebe für Spiritismus, Klischees über Schottland mit seinen Highlands und deren kantigen Einwohnern. So werden durchaus Vorlieben der Leserschaft bedient, aber dieses kollidiert immer wieder mit der Moderne, etwa wenn Handys benutzt werden. Alles wirkt wie ein Anachronismus was übrigens auch durch die Zeichnungen herausgestellt wird.
Philippe Wurm zeichnet in dem zeitlosen Stil der ligne claire, also sehr traditionsbewusst, aber reichert diese mit mehr Details an. Und auch hier überraschen immer wieder die modernen Aspekte. So sind auch die Zeichnungen im Grunde ein Anachronismus, traditionell und modern zugleich, aber es passt. Wenn man auf der ersten Seite einen Flohmarkt sieht, sucht man schon automatisch den Arumbaya-Fetisch aus Tim und Struppi. War es im Auftakt noch etwas befremdlich, so sind diese Aspekte nun schlüssiger. Vor allem da auch Übersinnliches hinzukommt. Glaubte man etwa in Der Hund von Baskerville an das Übernatürliche welches von Sherlock Holmes rational erklärt wurde, so denkt man hier rational, muss aber letztlich das Übersinnliche anerkennen. Auch gibt es deutlich mehr Humor der manchmal etwas überzogen ist, etwa wenn Jack und Elza scheinbar in einem edlen Restaurant speisen, aber manchmal auch sehr fein wie bei dem Snob oder wenn Klischees unterlaufen werden. Da diese Aspekte, der Konflikt zwischen Tradition und Moderne und das Unterlaufen der Erwartungen durch die ironische Brechung von Klischees hier deutlicher sind als in dem Auftakt, ist der zweite Sammelband deutlich besser und sei empfohlen.
Fazit:
Sehr viel deutlicher als im ersten Band werden Klischees und die damit verbundenen Erwartungen unterlaufen. Zudem ist der Humor stärker eingebunden und die Charaktere sind ausnahmslos interessant. Für Anglophile und Krimi-Fans unbedingt empfehlenswert.
Lady Elza 2: Victoria und die Geister
Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann
Verlag:
Alles Gute!
Preis:
€ 24,80
ISBN 10:
3965822144
ISBN 13:
978-3965822146
96 Seiten
Bewertungen unserer Redaktion und unserer Leser

- Spiel mit Klischees und Erwartungen
- interessante Charaktere
- Konflikt Tradition und Moderne

- manchmal überzogener Humor
- farblose Titelheldin

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| Rezension vom: | 20.12.2025 | ||||||
| Kategorie: | Alben | ||||||
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