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Comic-Besprechung - Die Flügel der Zeit — Band 1: Die Zeit der Pioniere
Geschichten:Die Flügel der Zeit — Band 1: Die Zeit der Pioniere
Autor: Patrice Buendia und Frédéric Zumbiehl
Zeichnungen: Olivier Jolivet
Übersetzung: Uwe Löhmann
Story:
Ein Pilot und eine Wissenschaftlerin unternehmen einen Testflug mit einem Düsenjäger, bei dem eine Zusatzeinrichtung kalibriert werden soll, die den Luftwiderstand reduziert. Als von dieser Maschine ein starkes Magnetfeld erzeugt wird, wird der Jäger in die Vergangenheit katapultiert, und zwar in das Frankreich des Jahres 1917, also mitten hinein in den Ersten Weltkrieg. Jetzt müssen die beiden versuchen, mit den Mitteln dieser Zeit einen Weg zurück nach Hause zu finden.
Meinung:
Das Autoren-Team dieses Bandes besteht aus lauter Veteranen aus dem Bereich der Fliegercomics, der aktuell nicht nur in Frankreich, sondern auch in Deutschland sehr beliebt ist. Sie haben, teilweise gemeinsam, teilweise getrennt voneinander an so berühmten und bekannten Serien wie „Tango und Laverdure”, „Buck Danny”, „Team Rafale” und „Rafale Leader”, „Ghost Squadron” oder „Liberty Bessie” gearbeitet, und damit bisher großen Erfolg gehabt. Und zumindest der Zeichner, Olivier Jolivet, liefert hier eine handfeste Leistung ab, die jeden Flugzeugfan zufrieden stellen dürfte. Seine Flugszenen sind dynamisch und sehr detailliert, und auch die Darstellungen von Figuren und Landschaften lässt keine Wünsche offen. Das ist handwerklich alles sehr gut gemacht. Doch die Geschichte enttäuscht mich ein wenig. Nachdem sie so viele gute und reine Fliegerserien abgeliefert haben, wollte sich das Duo wohl einmal an eine Science-Fiction-Story wagen. Das kann ja auch ein schönes Crossover aus zivilen und Kriegsmaschinen liefern, oder, wie hier vor allem, aus aktuellen und historischen Flugzeugmodellen. Eine Herausforderung, mit der Jolivet auch einwandfrei zurecht gekommen ist. Nur die beiden Szenaristen wissen zwar, wo sie hinwollen, aber irgendwie nicht so recht, wie sie es anstellen sollen. Die Geschichte hinkt aus meiner Sicht von vorne bis hinten an einer ganzen Reihe von Details, die einfach nicht funktionieren, und mich am Lesefluss doch arg behindert haben. Die Autoren haben die Geschichte so konzipiert, dass alles an einer neuen Technologie hängt, die man nun natürlich beschreiben muss, damit die späteren Hindernisse für die Helden glaubwürdig werden. Doch hier hakt es zum ersten Mal für mich, denn da machen sie den typischen Anfängerfehler von Autoren, die zum ersten Mal eine Zeitreisestory schreiben: beschreibe keine Technik, die es nicht gibt! Das funktioniert einfach nicht, und wie bei einer Lüge, die letztendlich immer herauskommt, fällt einem auch das zusammengestoppelte technische Gerüst alsbald auf die Füße. Wenn dann auch noch klassische Handlungsdetails hinzukommen, die technisch und menschlich nicht funktionieren (können), wird der Plot löchrig.
SPOILER: Zeitgenossen in der Zielära werden verängstigt, indem man sich als Außerirdische ausgibt — das war 1917 sicher noch kein Thema. Haare werden (dauerhaft) mit schwarzer Schuhcreme gefärbt — wie soll das gehen, ausser im Comic? Das sieht doch jeder. Ein modernes Düsenflugzeug wird in einer (im Gebrauch befindlichen) Scheune versteckt — und mindestens tagelang nicht entdeckt, zumindest noch nicht im ersten Album. Und das sind nur die sachlichen Fehler, stilistisch ist es nicht besser. Man nähert sich Geheimdienstmitarbeitern, und ist dann überrascht, wenn die ihren Job machen und tiefer nachforschen. Und weiteres mehr. SPOILER ENDE.
Der Plot ist also nach einem leicht durchschaubaren Muster gestrickt, das leider allzu flach zusammengeschustert wurde, als dass daraus eine ernstzunehmende Science-Fiction-Handlung geworden wäre. Und auch die Charaktere sind nicht wirklich überzeugend: penetranter Macho trifft auf engagierte und fähige Frau. Da wird bereits die Verhaltensweise antizipiert, mit der die Figuren im Jahr 1917 am besten zurecht kommen werden. Soll vielleicht wie ein eleganter Übergang wirken — auf mich wirkt es flach. Das ist schade, aus meiner Sicht, denn die Grundidee hatte durchaus Potential zu einer interessanten Geschichte. Doch das hat diesmal nicht geklappt. Wer nicht allzuviel Anspruch an die Geschichte hat, und die Hintergrundhandlung ein bisschen auszublenden bereit ist, wird hier mit einer schön anzuschauenden Fliegergeschichte bedient — aber mehr leider nicht.
Fazit:
Ein leider gescheiterter Versuch, die inzwischen große Welt der Fliegercomics um eine weitere Variante zu erweitern: eine Science-Fiction-Handlung in Form eines Zeitreise-Comics. Die Handlung ist leider holprig und unglaubwürdig, angefangen bei technischen Details bis hin zu menschlichen Empfindungen und Reaktionen. Gerettet wird das Buch allenfalls durch die absolut tadellosen Zeichnungen, die die Herzen der Flugzeugfans sicherlich höher schlagen lassen werden — aber die Handlung muss man beim Lesen ein bisschen zur Seite schieben. Schade, denn hier wurde eine Chance vertan, zumal der Ansatz als Zeitreisegeschichte auf jeden Fall originell ist. Somit nur für Fans des Flieger-Genres zu empfehlen.
Die Flügel der Zeit — Band 1: Die Zeit der Pioniere
Autor der Besprechung:
Uwe Roth
Verlag:
Blattgold GmbH
Preis:
€ 16,00
ISBN 10:
3949987754
ISBN 13:
978-3949987755
48 Seiten
Bewertungen unserer Redaktion und unserer Leser

- Tadellose Zeichnungen auf hohem Niveau.

- Der Plot hakt an zu vielen Stellen und wirkt unglaubwürdig.
- Die Charaktere sind zu flach.

| Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic | ||
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| Rezension vom: | 28.11.2025 | ||||||
| Kategorie: | Alben | ||||||
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