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Comic-Besprechung - Das Mädchen von der Weltausstellung - Gesamtausgabe
Geschichten:Das Mädchen von der Weltausstellung GA
1.) Paris 1855
2.) Paris 1867
3.) Paris 1878
Autor: Jack Manini
Zeichnungen: Etienne Willem
Übersetzung: Fritz Walter
Story:
Julie Kleinnagel steht zusammen mit ihrer Mutter und ihren Brüdern mit einem kleinen Wohnwagen direkt am Rande der Weltausstellung in Paris, um den Besuchern die Zukunft zu weissagen, und um damit den Lebensunterhalt für die Familie zu sichern. Über insgesamt gut zwei Jahrzehnte erlebt sie so drei Weltausstellungen in ihrer Heimatstadt, und wird jedesmal in ein Komplott bzw. in ein Verbrechen hineingezogen, bei dem sie meist selbst die Hintergründe ermitteln muss, da die Autoritäten einem Roma-Mädchen weder groß Glauben schenken, noch sich weiter um ihr Heil kümmern. Doch mit einem gewissen Witz und Esprit weiß sich das junge Mädchen, später die junge Frau, durchaus selbst zu helfen, um Mordanschläge auf Kaiser Napoleon III zu klären und um einen Serienkiller zu stellen.
Meinung:
Nach „Die Flintenweiber” und „Das Paris der Wunder” präsentiert der Blattgold Verlag hier erneut eine der sehr charmanten Serien des leider viel zu früh verstorbenen, belgischen Zeichners Etienne Willem: „Das Mädchen von der Weltausstellung”. Die drei Geschichten bauen inhaltlich aufeinander auf, da sie während der ersten drei in Frankreich stattgefundenen Weltausstellungen spielen — können aber auch unabhängig voneinander gelesen werden. Julie Kleinnagel, die Hauptfigur der Serie, wird jedesmal in eine Kriminalgeschichte verwickelt, doch da sie auch gleichzeitig jedesmal um elf bis zwölf Jahre älter geworden ist, verschiebt sich der Fokus der Handlung dementsprechend ein wenig, was für Abwechslung sorgt. Denn gerade die ersten beiden Geschichten haben schon einen arg ähnlichen Ausgangspunkt: einmal ein geplantes Attentat auf den Gastgeber, Kaiser Napoleon III, und ein anderes Mal auf Zar Alexander, soll verhindert werden, oder es sollen zumindest die Hintergründe aufgeklärt werden. Doch Jack Manini schafft es dabei, die beiden Geschichten unterschiedlich aufzubauen und ablaufen zu lassen, sodass man nicht den Eindruck bekommt, einen Aufwasch zu lesen. Das gelingt ihm nicht zuletzt, indem er immer wieder fiktive mit realen Personen und Geschehnissen mischt: der Umbau von Paris durch den berühmten Architekten Baron Haussmann, zur ersten Weltausstellung gerade erst begonnen, wird genauso thematisiert wie ein tatsächlich stattgefundenes Attentat auf den russischen Zaren während der zweiten Pariser Weltausstellung. Und im dritten Teil treibt ein französischer Jack the Ripper sein Unwesen, und Ähnlichkeiten zum Original sind dabei durchaus beabsichtigt gewesen, würde ich denken. Das alles wird flott erzählt, mit einigem Witz und einer Leichtigkeit, die trotzdem nicht die Spannung abwürgt. Der Stil der Erzählung entspricht dabei haargenau dem, was man aus den beiden eingangs erwähnten Solowerken Willems gewohnt ist — da lieferte Jack Manini Willem mit dieser vorher erschienenen Serie eine Steilvorlage, in der dieser sich sichtbar wohl gefühlt haben muss und die er dann für seine Eigenproduktionen übernommen hat. Und so sind hier auch die Zeichnungen wie von anderen Serien Willems gewohnt: im Semi-Funny-Stil, mit tollen Mimiken, interessanten Blickwinkeln und einer dezenten Kolorierung, die die vielen kleinen Details in den Zeichnungen voll zur Geltung kommen lässt.
Während man von Etienne Willem außer den bisher genannten Werken auch noch die Serie „Ein Affe am Himmel” (Schreiber & Leser) kennen könnte, ist Jack Manini in Deutschland eher wenig bekannt. Neben dem historischen Zweiteiler „Tomoë” (gezeichnet von TieKo, d.i. Thierry Cauquil) ist er hierzulande bisher hauptsächlich durch seine Mitarbeit an den Western-Bänden der Reihe „Go West Young Man” (Splitter) aufgefallen.
Während in Frankreich bereits eine Fortsetzung der Reihe „Das Paris der Wunder” angekündigt worden ist, für die man mit der jungen belgischen Nachwuchszeichnerin Capia (d.i. Sarah Capricci) eine würdige Nachfolgerin gefunden hat, und deren erste Vorschauzeichnungen denen Willems verblüffend ähneln, kann man vielleicht hoffen, dass in Deutschland auch noch die beiden etwas älteren Serien aus Willems Feder veröffentlicht werden könnten? Da wär zum einen noch die Krimiserie „Vieille Gruyère et Bas de Soie”, zum anderen „L’Épée d’Ardenois”, eine Heroic Fantasy mit Tierfiguren. Bei dem Erfolg, den Willems Werke in Deutschland gerade haben, kann man sich da vielleicht tatsächlich Hoffnung machen. Doch bis dahin geniessen wir erst einmal „Das Mädchen von der Weltausstellung”.
Fazit:
Wieder ein gelungener Sammelband mit einer Serie aus der Feder des leider viel zu früh verstorbenen Etienne Willems, der mit leichter Hand und viel Humor zu unterhalten wußte. Zusammen mit dem Autor Jack Manini erzählt er uns hier die Geschichte des Roma-Mädchens Julie Kleinnagel, die während der ersten drei Weltausstellungen in Paris in allerlei Abenteuer und Komplotte hineingezogen wird, sich aber doch immer selbst zu helfen weiß. Charmante Figuren treffen in einem interessanten Ambiente auf Bösewichte und reale historische Personen, sodass sich vor historischem Hintergrund drei sehr spannende und unterhaltsame Abenteuer entwickeln können: unbedingt zu empfehlen.
Das Mädchen von der Weltausstellung - Gesamtausgabe
Autor der Besprechung:
Uwe Roth
Verlag:
Blattgold GmbH
Preis:
€ 42,00
ISBN 10:
3949987738
ISBN 13:
978-3949987731
196 Seiten
Bewertungen unserer Redaktion und unserer Leser

- Charmante Erzählungen vor historischem Hintergrund.
- Sehr gelungenen Zeichnungen im Semi-Funny-Stil.
- Gelungene Dossiers runden den Band ab.


| Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic | ||
| Bewertung: | ||
![]() (12 Stimmen) | ||
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| Rezension vom: | 16.09.2025 | ||||||
| Kategorie: | Rezensionen | ||||||
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