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Comic-Besprechung - Shubeik Lubeik — Dein Wunsch ist mir Befehl
Geschichten:Shubeik Lubeik — Dein Wunsch ist mir Befehl
Autorin und Zeichnerin: Deena Mohamed
Übersetzung: Laila und Resel Rebiersch
Story:
In diesem leicht fantastischen Kairo werden bereits seit Jahrzehnten Flaschengeister kommerziell vermarktet, und stehen mit dem Spruch „Shubeik Lubeik — Dein Wunsch ist mir Befehl” zur Stelle, um dem Eigentümer der Flasche einen Wunsch zu erfüllen. Ein Kioskbesitzer bietet drei dieser gefragten Objekte zum Verkauf an, und die Schicksale dreier Personen ändern sich hierdurch, und das teilweise sogar dramatisch.
Meinung:
Dieses Buch ist für mich eine echte Überraschung, und das in mehrerer Hinsicht. Die Geschichte spielt in Kairo (und teilweise in Alexandria bzw. auf dem Lande) und wurde von einer ägyptischen Autorin und Zeichnerin geschaffen. Und sie hat im Jahr 2017 zwei Preise auf dem Cairo Comix Festival gewonnen. Das überraschende ist für mich hierbei, dass es überhaupt eine ägyptische Comicszene gibt, und dass sie offensichtlich so groß ist, dass Kairo ein eigenes Comicfestival ausrichtet. Davon hatte ich nicht die geringste Ahnung, und es ist manchmal schon erstaunlich, was man hier im Westen alles nicht auf dem Schirm hat.
Doch das überraschendste hierbei ist dann die Story: sie ist einfach toll. Die Grundidee ist simpel, wirkt fast wie aus „Tausendundeiner Nacht” entnommen, was vielleicht gar nicht so weit hergeholt ist, weil diese Verbindung irgendwo in diesem dicken Werk tatsächlich einmal genannt wird, und mindestens einmal der Flaschengeist an sich ist ja ein bekanntes Element aus diesem Umfeld. Man kann in diesem leicht fantastisch anmutenden, ansonsten aber durchaus unserer Welt entsprechenden Kairo (und auch sonst überall auf der Welt) Wünsche in Flaschen kaufen. Was zunächst sehr verlockend scheint, entpuppt sich bei näherem hinsehen als ein durchaus komplexes und mitunter gefährliches Unterfangen: wenn der Djinn aus der Flasche den Wunsch allzu wörtlich nimmt, kann da schon aufgrund sprachlicher Unsauberkeiten eine mittlere bis große Katastrophe eintreten — und von offensichtlichem Machtmissbrauch des Eigentümers der Flasche ist hier noch gar nicht die Rede. All dies beschreibt Deena Mohamed in vielen Details und mit treffsicheren Dialogen in den drei Kapiteln dieses Buches, die drei einzelnen Personen gewidmet sind: einer jungen Witwe, die mit dem repressiven Staat in Konflikt gerät (ohne wirklich etwas falsch gemacht zu haben), einer depressiven Studentin aus gutem Hause, und zuletzt dem sehr gläubigen Kioskhändler selbst, der plötzlich entgegen seiner religiösen Überzeugung in die Zwickmühle gerät, solch einen Wunsch doch selber anzuwenden. Die Bandbreite der Themen, die Mohamed hier aufgreift, ist wirklich weit gespannt, und gerade das macht das Buch höchstinteressant, und geradezu spannend — und spannend nicht so sehr aufgrund der Handlung selbst, es ist ja kein Krimi, sondern bei der Beobachtung, wie die Autorin die Handlung wohl weiterspinnen wird, und wie diese sich quasi wie von allein folgerichtig weiterentwickelt. Mit scheinbar leichter Hand wird dies alles erzählt, und gerade die Leichtigkeit des Ablaufs der Geschichte beweist für mich, wieviel Arbeit und Planung in diesen Geschichten steckt, und dies zeigt die hohe Erzählkunst, die Deena Mohamed absolut beherrscht.
Ursprünglich als verhältnismäßig überschaubarer Einzelband von nur 80 Seiten war die erste der drei Geschichten im Original noch im Eigenverlag erschienen, bevor daraus eine Trilogie wurde, die zunächst wieder in Form von Einzelbänden, und schließlich als Sammelband veröffentlicht wurde. Mittlerweile ist sie in mehrere europäische Sprachen übersetzt worden, und erscheint nun auch bei uns in Form dieses Sammelbandes.
Die Überraschungen nehmen aber kein Ende, denn wer hat daran gedacht, dass Arabisch wie das Japanische von rechts nach links gelesen wird? Genau, und so ist dieses Buch im Grunde wie ein Manga zu lesen, „von hinten nach vorne”. Doch daran gewöhnt man sich schnell, und jeder etwaige Manga-Fan hat hier natürlich überhaupt keine Probleme.
Die drei Kapitel des Buchs sind in schwarz-weiß gezeichnet, nur die Episoden zwischen den Kapiteln und die Einleitungen sind in Farbe. Die Figuren in der Geschichte wirken schon mindestens ein bisschen von der Manga-Ästhetik inspiriert, während die Seiteneinteilungen doch mehr den franko-belgischen „Bandes Dessinées” angelehnt sind. Das ergibt eine interessante Mischung für dieses Werk, dessen Ursprungsland ja auch geografisch irgendwie zwischen diesen beiden Polen liegt. Trotzdem ergibt sich ein rundes Gesamtbild, und die Zeichnungen können nur als sehr gelungen bezeichnet werden.
Fazit:
Ein Überraschungserfolg der ägyptischen Autorin Deena Mohamed, die in einer fantastischen Rahmenhandlung, bei der Wünsche in Flaschen verkauft werden, die Hauptfiguren der drei Bände dieser Sammelausgabe die Probleme bei der Anwendung dieser Wünsche erleben lässt. Dabei greift sie die unterschiedlichsten Probleme des Alltagslebens im heutigen Ägypten auf und ihr gelingt auf diese Weise eine vorsichtige Systemkritik, die sich geschickt hinter der Rahmenhandlung tarnt. Das ist in vieler Hinsicht originell und auf jeden Fall wert, gelesen zu werden: eine volle Empfehlung meinerseits.
Shubeik Lubeik — Dein Wunsch ist mir Befehl
Autor der Besprechung:
Uwe Roth
Verlag:
Schreiber und Leser
Preis:
€ 39,80
ISBN 10:
3965821997
ISBN 13:
978-3965821996
528 Seiten
Bewertungen unserer Redaktion und unserer Leser

- Ein origineller, fantastischer Ansatz aus 1001. Nacht.
- Die vorhandene Gesellschaftskritik ist geschickt in die Rahmenhandlung verwoben.
- Die Zeichnungen als Mischung aus Manga und Franko-belgisch können Jedermann ansprechen.


| Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic | ||
| Bewertung: | ||
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| Rezension vom: | 20.08.2025 | ||||||
| Kategorie: | Alben | ||||||
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